Ehemaliger Postminister Schwarz-Schilling gestorben

Der Christdemokrat kämpfte für Privatfunk und Frieden auf dem Balkan. Im Alter von 95 Jahren ist er im Kreise seiner Familie gestorben.

vorlesen Druckansicht 6 Kommentare lesen
Christian Schwarz-Schilling

Christian Schwarz-Schilling auf einer Veranstaltung des VATM im Jahr 2013.

(Bild: Stefan Krempl / heise medien)

Lesezeit: 3 Min.
Von
  • dpa

Der frühere Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling (CDU) ist tot. Der 95-Jährige sei am Ostermontag im Kreise seiner Familie im hessischen Büdingen gestorben, teilte der hessische CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand mit, ein langjähriger Freund Schwarz-Schillings. Als internationaler Vermittler bemühte sich der Ex-Minister von 1995 bis 2007 um die Beilegung der Spannungen in Bosnien-Herzegowina.

Schwarz-Schilling wurde am 19. November 1930 in Innsbruck als Sohn eines Komponisten und einer Pianistin geboren. Selbst an Klavier und Orgel versiert, studierte er nach dem Abitur in Berlin Geschichte und Sinologie, begann dann eine Banklehre und heiratete in eine Unternehmerfamilie im hessischen Büdingen ein. Mit 30 Jahren trat er der CDU bei und profilierte sich im konservativen hessischen Landesverband als liberales Gegengewicht sowie als Fachmann für neue Medien.

Seinen Kampf für die Durchsetzung des privaten Rundfunks führte Schwarz-Schilling von 1976 an als Bundestagsabgeordneter und nach dem Ende der sozial-liberalen Koalition im Jahr 1982 als Minister für Post und Fernmeldewesen. In einem jahrelangen Reformprozess stellte er die Weichen für die Privatisierung von Post und Telekom, was ihm auch viel Kritik und den Vorwurf der Verquickung privater und dienstlicher Interessen eintrug. In seine Amtszeit fielen die Einführung des Kabelfernsehens und der Start des GSM-Mobilfunks in Deutschland.

Schwarz-Schilling sah deshalb seinen Rückhalt beim damaligen Kanzler Helmut Kohl (CDU) schwinden. Gleichzeitig erbitterte ihn, was er als Tatenlosigkeit der deutschen Politik angesichts des Bürgerkriegs im zerfallenden Jugoslawien empfand und provozierte so Ende 1992 seine Entlassung.

Videos by heise

Im Bundestag verlegte sich der Ex-Minister dann auf Auswärtige Angelegenheiten, Menschenrechte und humanitäre Hilfe und erwarb sich auf häufigen Balkan-Reisen internationalen Respekt. Im April 1995 wurde er offiziell zum Streitschlichter für Bosnien-Herzegowina berufen. Auf diesem Posten regelte er insbesondere die Rückkehr von Bürgerkriegsflüchtlingen. Als Krönung seines Einsatzes im früheren Jugoslawien wurde er Ende 2005 zum Hohen Repräsentanten der Vereinten Nationen in Bosnien-Herzegowina ernannt. Wenig später wurde er zudem Bosnien-Beauftragter der EU.

Die CDU erinnerte auf X an ihr langjähriges Mitglied. „Mit ihm verlieren wir eine herausragende Persönlichkeit und einen Politiker mit Weitsicht, Prinzipientreue und einem unermüdlichen Einsatz für wirtschaftlichen Wohlstand und internationale Verständigung.“ Schwarz-Schilling habe über Jahrzehnte die deutsche und europäische Politik geprägt und sei wegen seiner Integrität und seines Mutes weit über Parteigrenzen hinweg geschätzt worden, schrieb die Bundespartei. (vbr)