Marktforscher erwarten höhere Marktanteile chinesischer Speicherhersteller
YMTC und CXMT nehmen dieses Jahr neue Chipfabriken fĂĽr NAND-Flash und HBM in Betrieb. Dabei profitieren die Unternehmen auch von staatlichen Subventionen.
(Bild: c't)
Die beiden chinesischen Unternehmen Yangtze Memory Technologies Co. (YMTC) und ChangXin Memory Technologies (CXMT) gehören bereits zu den zehn weltweit größten Speicherstellern, was größtenteils aber dem Binnenmarkt Chinas zugeschrieben wird. Doch eine aggressive Preisgestaltung und der für dieses Jahr geplante Ausbau der Produktionskapazitäten dürften nach Einschätzung von Marktforschern auch international zu wachsenden Marktanteilen führen.
Das hatte sich Anfang dieses Jahres bereits abgezeichnet, denn aufgrund der Speicherkrise erwägen einige namhafte PC-Hersteller den Einsatz chinesischen Speichers. Um den Liefermangel abzufedern, sollen HP, Dell, Acer und Asus teilweise schon DRAM aus China zertifizieren. YMTC und CXMT beliefern bislang vorwiegend einheimische Firmen, da Peking chinesische Unternehmen subventioniert, wenn diese lokal produzierte Chips etwa für Smartphones einsetzen.
„Chinesische Hersteller erzielen oft einen Preisvorteil von über 15 Prozent bei Produkten mit gleichen Spezifikationen, was für die preissensiblen Märkte für Allzweckserver und Endverbraucher äußerst attraktiv ist“, erklärt Arisa Liu vom taiwanischen Institut für Wirtschaftsforschung laut South China Morning Post. Doch nicht nur aufgrund dieses Preisvorteils werden die chinesischen Speicherhersteller zunehmend interessant für internationale Firmen, sondern auch wegen der verfügbaren Kapazitäten, die bei vielen Speicherherstellern aufgrund der aktuell enormen Nachfrage fehlen.
YMTC und CXMT erhöhen Wafer-Produktion 2026
So soll YMTC in der zweiten Hälfte dieses Jahres die Massenproduktion moderner NAND-Bausteine für Flashspeicher wie SSDs in der Chipfabrik in Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei aufnehmen, wie die südkoreanische Zeitung Chosun berichtet. Durch den Ausbau dieser NAND-Kapazitäten würde YMTC den koreanischen Hersteller SK Hynix sowie das US-Unternehmen Micron überholen und zum drittgrößten NAND-Hersteller weltweit aufsteigen, hinter Kioxia aus Japan und Samsung Electronics aus Korea.
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Währenddessen plant CXMT, umgerechnet 1,1 Milliarden US-Dollar in die „technische Modernisierung für Massenproduktionslinien von Speicherwafern“ zu investieren, wie das chinesische Unternehmen im Dezember bereits beantragt hat. Gleichzeitig „strebt CXMT die Massenproduktion von KI-spezifischen Halbleitern, wie beispielsweise Speichermedien mit hoher Bandbreite, in Shanghai bis Ende des Jahres an“, erklärt MS Hwang vom Marktforschungsunternehmen Counterpoint Research.
Auswirkungen auf den Speichermarkt wohl erst 2027
Hwang schätzt aber auch, dass der Preisunterschied von chinesischem Speicher und dem weltweiten Durchschnittspreis schrumpft. Er schreibt die wachsenden Marktanteile weniger den Preisvorteilen zu als der Tatsache, dass die chinesischen Hersteller „die Kapazitäten haben, die anderen fehlen“. Die Schweizer Großbank UBS schätzt den Ausbau der chinesischen Speicherkapazitäten für dieses Jahr auf rund 120.000 bis 140.000 Wafer pro Monat, wobei sich dies 2027 weiter erhöhen dürfte.
Allerdings erwartet Marktforscherin Arisa Liu kein sofortiges Ende der Speicherkrise, denn es dauert üblicherweise 9 bis 12 Monate, bis sich ein Ausbau von Speicherkapazitäten auf den Markt auswirkt. Eine Verbesserung der Chipausbeute ist demnach der entscheidende Faktor. “Gemessen am Expansionsfortschritt von CXMT und YMTC ist nicht zu erwarten, dass die in der zweiten Jahreshälfte in Betrieb genommenen Produktionslinien vor 2027 einen signifikanten Einfluss auf das globale Angebots-Nachfrage-Gleichgewicht haben werden“, fügte Liu hinzu.
(fds)