Stamp-P4: Das Multimedia-ESP-Board
Mehr als nur IoT: Mit Kamera-Verbindung, Display-Anbindung und H.264-Encoder eröffnet das Stamp-P4 neue Möglichkeiten für smarte Projekte.
(Bild: M5Stack)
- Daniel Schwabe
Mit dem Stamp-P4 ist ein neues Embedded-Modul auf Basis des ESP32-P4NRW32 erschienen. Im Kern arbeitet ein 32-Bit-RISC-V-Dual-Core-Prozessor mit bis zu 360 MHz, ergänzt durch einen stromsparenden Coprozessor mit 40 MHz. Dazu kommen 16 MB Flash und 32 MB PSRAM direkt auf dem Modul. Diese Kombination erlaubt Anwendungen, die über typische Sensor- oder IoT-Szenarien hinausgehen, etwa einfache Bildverarbeitung, grafische Benutzeroberflächen oder lokale KI-Inferenz.
Interessant für Maker sind vor allem die integrierten Multimedia-Schnittstellen. Das Modul bietet eine MIPI-CSI-Kameraanbindung sowie eine MIPI-DSI-Schnittstelle für Displays. Ergänzt wird das Ganze durch einen Hardware-H.264-Encoder, einen ISP (Image Signal Processor) und einen Pixelbeschleuniger. Damit lassen sich Bild- und Videodaten direkt auf dem Gerät verarbeiten, ohne alles erst in die Cloud zu schieben. Für Projekte wie DIY-Überwachungssysteme, visuelle Sensorik oder eigene Smart-Displays ergibt sich dadurch ein deutlich größerer Spielraum.
Massig Anbindungen
Auch bei der Konnektivität ist das Stamp-P4 breit aufgestellt. Neben USB 2.0 OTG, SDIO und einem Ethernet-Interface (RMII) lassen sich zusätzliche Module anbinden, etwa für Wi-Fi 6. Das Basismodul verfügt über kein Funkmodul. Die Integration ins eigene Projekt wird durch verschiedene Bauformen erleichtert. Das Modul unterstützt sowohl SMT-Pads mit 1,27 mm beziehungsweise 2,00 mm Raster als auch klassische 2,54-mm-DIP-Header. Damit kann man es direkt auf eigene PCBs löten oder ganz pragmatisch auf ein Breadboard stecken. Auch „fliegende Verdrahtung“ ist möglich – nicht schön, aber manchmal eben der schnellste Weg zum Prototyp.
Mit insgesamt 44 GPIOs sowie Schnittstellen wie I2C, UART und USB steht genügend Peripherie für komplexere Aufbauten zur Verfügung. Der Stromverbrauch liegt laut Datenblatt bei rund 30 mA im Betrieb und unter 1 mA im Deep-Sleep-Modus, was für diese Leistungsklasse durchaus moderat ist. Eine integrierte Überspannungsschutzschaltung sorgt zusätzlich dafür, dass das Modul auch kleinere Fehlversuche im Labor eher verzeiht – das soll ja bei Maker-Projekten gelegentlich vorkommen.
Für die Entwicklung stehen mehrere Plattformen bereit, darunter Arduino IDE, ESP-IDF, PlatformIO und UiFlow2. Damit richtet sich das Modul sowohl an Einsteiger, die schnell loslegen wollen, als auch an erfahrene Entwickler, die tiefer in die Hardware eingreifen möchten.
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Auf der offiziellen Dokumentationsseite findet man einen Einstiegs-Guide für die Entwicklung. Für die Praxis nennt der Hersteller etwa Edge-AI-Geräte, industrielle HMIs oder eigenständige Kameraknoten als Anwendungsbereiche. Mit Abmessungen von knapp 30 × 22 mm bleibt das Modul dabei erstaunlich kompakt. Erhältlich ist das Board im M5Stack-Shop für 19,95 US-Dollar. Wer mehr über das ESP-Ökosystem wissen will, findet in unserem ESP32-Kompass alle Infos, die man sich nur wünschen kann.
(das)