Bundesweites Nachtfahrverbot für Mähroboter: Technik allein schützt nicht

Gefahr für Kleintiere und Artenvielfalt: Der Deutsche Städtetag drängt auf eine einheitliche Regelung, die autonome Rasenmäher nachts stilllegt.

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Roboter Rasenmäher rund um den Pool im Hausgarten.

Komfortable Gartenpflege oder Todesfalle für Kleintiere? Der Einsatz von Mährobotern wird erneut diskutiert.

(Bild: Studio Nut / Shutterstock.com)

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Igel und andere in den Abendstunden aktive Kleintiere sollen künftig besser geschützt werden – zumindest, wenn es nach dem Deutschen Städtetag geht. Vizepräsidentin Claudia Kalisch erklärte, dass gerade Igel besonders gefährdet seien, weil sie bei Bedrohung nicht fliehen, sondern sich einrollen. Dieses Verhalten schützt sie zwar vor natürlichen Feinden, nicht jedoch vor rotierenden Messern. Deshalb soll eine bundesweite Regelung sicherstellen, dass Mähroboter abends und nachts nicht mehr für die Rasenpflege eingesetzt werden dürfen.

Verletzungen durch autonome Mähroboter enden besonders für kleine und junge, nachtaktive Tiere oft tödlich. Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Städte werden laut Kalisch zunehmend zu Rückzugsorten für Wildtiere, da natürliche Lebensräume schwinden. Gärten gewinnen dadurch an Bedeutung – gleichzeitig steigt dort der Einsatz automatisierter Geräte. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz geht noch weiter und sieht in den Geräten generell ein Problem für die Artenvielfalt. Neben Igeln seien auch Amphibien und Insekten betroffen, was indirekt wiederum Nahrungsquellen für andere Tiere verringere.

Ob es tatsächlich zu einer bundesweiten Regelung kommt, ist offen. Das Bundesumweltministerium und das Bundeslandwirtschaftsministerium sind sich derzeit über eine tiefere Verankerung des Igelschutzes im Tierschutzgesetz uneinig. Auf Landesebene werden Nachtfahrverbote für Mähroboter zumindest diskutiert. Während der bayerische Landtag sich Anfang 2026 gegen ein solches ausgesprochen hat, wird in Niedersachsen und Schleswig-Holstein nach entsprechenden Petitionen noch beraten.

Der Städtetag fordert neben gesetzlichen Vorgaben auch technische Lösungen. Hersteller sollen ihre Systeme so verbessern, dass Kleintiere zuverlässig erkannt werden. Gleichzeitig richtet sich der Verband direkt an Haushalte: Wer bereits einen Mähroboter nutzt, könne durch entsprechende Zeitpläne dazu beitragen, Risiken zu reduzieren und die Lebensqualität in Städten durch Artenvielfalt zu bereichern.

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Aktuelle Mähroboter-Modelle verfügen über umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen wie Stoßsensoren, Laser und Kameras, die Hindernisse frühzeitig erkennen sollen. Die Geräte sollen dadurch im Optimalfall erst gar nicht mit Lebewesen kollidieren und rechtzeitig ausweichen. Allerdings gelingt der Igelschutz auf technischer Ebene bisher nicht zuverlässig.

Tests zu aktuellen Mährobotern zeigen, dass kleine und leichte Tiere von Kameras und Sensoren bei schwierigen Lichtverhältnissen oder tarnender Umgebung oft nicht zuverlässig erkannt werden. Für Stoßsensoren bieten sie hingegen zu wenig Widerstand oder passen durch Schutzvorrichtungen hindurch. Zudem existiert bislang kein standardisiertes Prüfverfahren für den Tierschutz. Helfen könnten dabei künftig die durch das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) initiierten Igel-Dummys, die realistischere Tests ermöglichen sollen. Die professionellen Igelattrappen gleichen den Vorbildern in Größe, Gewicht und Farbe und verfügen über ein stachelähnliches Fell sowie ein 3D-gedrucktes Skelett.

(joe)