Digitale Souveränität: Erneutes Stühlerücken beim ZenDiS

Führungswechsel beim Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS): Geschäftsführer Alexander Pockrandt verlässt die Doppelspitze des Unternehmens.

vorlesen Druckansicht
Entlassener Angestellter mit Habseligkeiten in Papierbox

(Bild: Andrey_Popov/Shutterstock.com)

Lesezeit: 2 Min.

Die Geschäftsführung des Zentrums für Digitale Souveränität (ZenDiS) wird erneut umbesetzt: Geschäftsführer Alexander Pockrandt verlässt das öffentliche Unternehmen und wird durch Leonhard Kugler ersetzt, der neben der Entwicklung ab sofort auch den kaufmännischen Bereich verantwortet. Kugler soll das ZenDiS gemeinsam mit der bisherigen Geschäftsführerin Pamela Krosta-Hartl führen, deren Fokus auf Marktauftritt und Kundengeschäft liegt. Das ZenDiS entwickelt unter anderem die quelloffene Office- und Kollaborationssoftware openDesk und betreibt mit openCode ein Code-Repository für die Bundesverwaltung.

Leonhard Kugler arbeitet seit März 2024 in Führungsposition beim ZenDiS und bringt rund 15 Jahre Geschäftsführungserfahrung aus Digitalagenturen und NGOs mit. Den Angaben nach baute er mit seinem Team openCode auf und leitet seit Mitte 2025 die Entwicklungsabteilung für alle Angebote des ZenDiS. Ziel der Neubesetzung sei auch „eine stärkere Aktivierung des Open-Source-Ökosystems“. Ob dies eine implizite Kritik an Pockrandts Arbeit darstellt, geht nicht aus der Mitteilung hervor.

Markus Richter, Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) und Aufsichtsratsvorsitzender des ZenDiS, erklärte zu der Personalie: „Mit Leonhard Kugler übernimmt ein ausgewiesener Technologieexperte Verantwortung in der Geschäftsführung des Zentrum Digitale Souveränität (ZenDiS). […] Das bringt zusätzliche technische Tiefe und Umsetzungskraft in einer entscheidenden Phase. Mein Dank gilt Alexander Pockrandt für sein großes Engagement und die wichtige Aufbauarbeit.“

Pockrandt trat den Posten als Geschäftsführer im Januar 2025 an. Im vergangenen April wurde seine damalige Co-Geschäftsführerin Jutta Horstmann überraschend freigestellt und durch Pamela Krosta-Hartl ersetzt. Horstmann war zu diesem Zeitpunkt gerade mal ein halbes Jahr im Amt und wurde von ihrer Abberufung offenbar auch kalt erwischt. Das damals noch zuständige Bundesinnenministerium hatte den Schritt mit einer notwendigen „Steigerung der Effizienz und Geschwindigkeit bei der Verwaltungsdigitalisierung“ begründet.

Videos by heise

Horstmann war zuvor für verschiedene Unternehmen als CTO, COO und CEO tätig gewesen und galt in Branchenkreisen eigentlich als gute Besetzung für den Posten. Zuletzt hatte sie allerdings die fehlende Finanzierung des ZenDiS scharf kritisiert. Manche Beobachter gingen davon aus, dass sie dem damaligen Umbau der Zuständigkeiten zum Opfer fiel, die aus der Einrichtung des BMDS unter der schwarz-roten Koalition erwuchsen.

(axk)