Astronomie: Mit Abstand ursprünglichster Stern in der Milchstraße entdeckt
Je früher ein Stern im Universum entstanden ist, desto weniger Elemente außer Wasserstoff und Helium enthält er. Nun wurde der bislang ursprünglichste gefunden.
Künstlerische Darstellung des Sterns auf seinem Weg von der Großen Magellanschen Wolke in die Milchstraße
(Bild: Navid Marvi/Carnegie Science)
Eine Forschungsgruppe, zu der auch mehrere Studierende der University of Chicago gehören, hat den mit Abstand ursprünglichsten Stern entdeckt, den wir bislang kennen. Das hat die Universität jetzt öffentlich gemacht und erklärt, dass der Himmelskörper mit der Bezeichnung SDSS J0715−7334 fast ausschließlich aus Wasserstoff und Helium besteht. Der Anteil an schwereren Elementen ist demnach nur halb so groß wie beim bisherigen Rekordhalter, was ihn zum mit Abstand ältesten Stern machen würde, der bislang entdeckt wurde. Der Stern ist demnach etwa 80.000 Lichtjahre von uns entfernt und stammt ursprünglich aus dem Randgebiet der Großen Magellanschen Wolke, einer Zwerggalaxie in der direkten Nachbarschaft der Milchstraße.
Aufregendes Studium
Wie die Forschungsgruppe in Erinnerung ruft, konnten die allerersten Sterne nach dem Urknall lediglich aus Helium und Wasserstoff bestehen. Die haben heiß gebrannt und sind schnell gestorben. Aber in ihren Kernen hatten sich schwerere Elemente gebildet, die bei der abschließenden Explosion ins All geschleudert wurden. Damit standen sie bei der Formung der nächsten Generation von Sternen zur Verfügung, und im Lauf der Zeit hat sich der Anteil dieser schwereren Elemente in den Sternen erhöht. In der Astronomie spricht man von der Metallizität. Je geringer die ist, desto ursprünglicher ist ein Stern und SDSS J0715−7334 übertrifft alles bisher Bekannte, schreibt die Gruppe. Die Messdaten werden in einem Artikel im Wissenschaftsmagazin Nature Astronomy vorgestellt.
Gefunden wurde der Stern von einer Gruppe Studierender, die Daten der Himmelsdurchmusterung SDSS (Sloan Digital Sky Survey) nach Sternen mit Anomalien durchforstet haben. Dabei sei es explizit darum gegangen, Sterne zu identifizieren, die eine besonders geringe Metallizität aufzuweisen scheinen, schreibt die Universität. Als sie eine Handvoll gefunden hatten, ist die Gruppe zu den Magellan-Teleskopen in den chilenischen Bergen gereist, um präzisere Analysen vorzunehmen. Schon in der ersten Nacht habe es Anzeichen dafür gegeben, dass sie etwas ganz Besonderes gefunden hatten. Rasch habe sich das bestätigt, und in den Monaten danach war die Gruppe damit beschäftigt, die Daten auszuwerten und das Forschungspapier zu verfassen.
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Der Fund von SDSS J0715−7334 kann demnach auch die Frage nach der Ursache dafür beantworten, warum die Sterne mit zunehmenden Generationen immer kleiner geworden sind. Bislang habe man nicht sagen können, ob das am wachsenden Anteil der schwereren Elemente oder kosmischem Staub gelegen hat. Der jetzt entdeckte Stern bestehe aber nicht aus genug schwereren Elementen, um die geringere Größe zu erklären. Das lege nahe, dass kosmischer Staub (feste Partikel wie Ruß oder Silikate) dafür verantwortlich sind, dass die aufeinanderfolgenden Sternengenerationen geschrumpft sind. Das könne man nun weiter erforschen. Außerdem soll der jetzt vorgestellte Fund dabei helfen, weitere solche Sterne zu entdecken. Die Studierenden sprechen aber schon einmal von einer „unglaublichen“ Erfahrung.
(mho)