Elektronische Patientenakte: Weiterer Aktensystemanbieter in der Zulassung
Bislang gibt es Aktensysteme fĂĽr die elektronische Patientenakte von IBM und dem Konsortium Bitmarck und RISE. Weitere Dienstleister bereiten sich wohl vor.
(Bild: khunkornStudio / Shutterstock.com)
Bisher gibt es zwei Aktensysteme für die elektronische Patientenakte (ePA), eines vom Konsortium Rise und Bitmarck und eines von IBM. Nun befindet sich mindestens ein weiteres Aktensystem in der Zulassung, wie zwei unabhängige Quellen gegenüber heise online bestätigten.
Laut weiteren Informationen, die dem „Dienst für Gesellschaftspolitik“ (dfg) vorliegen, befindet sich seit Anfang April ein weiteres Aktensystem in der Testphase, das gemeinsam mit der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) entwickelt wird. Diese dritte ePA-Lösung ist demnach für die elf Ortskrankenkassen (AOKen) vorgesehen. Die AOK hatte bereits für seine aktuelle ePA-Implementierung EY beauftragt, wobei IBM als Subunternehmer eingebunden war. Der Vertrag mit IBM soll nun jedoch beendet werden.
Stattdessen soll dem Bericht zufolge künftig ein Konsortium aus verschiedenen Unternehmen die Leistungen übernehmen. Gegenüber heise online hat die AOK inzwischen auf Anfrage geklärt, dass es in der Verantwortung von EY liege, welchen Unterauftragnehmer das Beratungsunternehmen einsetzt.
„EY hat uns transparent mitgeteilt, dass in der verlängerten Vertragslaufzeit zur Erfüllung der vertraglich vereinbarten Anforderungen für die AOK ein Wechsel des Unterauftragnehmers vorgesehen ist. Zu laufenden Zulassungsverfahren äußern wir uns grundsätzlich nicht“, so ein Pressesprecher des AOK-Bundesverbands. Die Verträge mit EY wurden zudem verlängert. „Die Verträge zur Überlassung und Entwicklung von ePA-Anwendungen (Los 1) sowie zum Betrieb von ePA-Anwendungen (Los 2) wurden um vier Jahre bis zum 30. Juni 2031 verlängert“. Zu laufenden Vergabeentscheidungen von EY will sich die AOK nicht äußern.
Die TK antwortete, dass sie „als Körperschaft öffentlichen Rechts [...] auf Wirtschaftlichkeit und Effizienz [achte]“ und regelmäßig ihre Verträge überprüfe. „Vor diesem Hintergrund wird der Betrieb der ePA regelhaft neu ausgeschrieben, um sicher zu stellen, dass die Leistungen weiterhin zu marktgerechten Konditionen und bestmöglicher Qualität erbracht werden. Dieses Verfahren ist gängige Praxis und dient einer verantwortungsvollen Verwendung der Versichertenbeiträge,“ so Pressesprecherin Silvia Wirth.
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Mitte April 2026 soll ein erster Connectathon stattfinden, wie aus einer vom dfg veröffentlichten Folie aus einem Gematik-Termin hervorgeht. Bei dem Termin will die Gematik die drei Lösungen für eine kommende ePA-Version vergleichen. Parallel laufen eigenverantwortliche Tests der Hersteller und Gutachterprüfungen.
Stabilität Telematikinfrastruktur
In der Vergangenheit hatte es immer wieder Kritik an der Stabilität der Telematikinfrastruktur gegeben. Besonders kritisch sind Störungen beim E-Rezept-Fachdienst, den ebenfalls IBM betreibt. Auf Presseanfragen von heise online reagierte das Unternehmen bisher nicht. Bislang ist IBM der Aktensystemhersteller für die meisten Versicherten, zu den Kunden gehören unter anderem die AOKen und die Techniker Krankenkasse sowie die Barmer. Laut Informationen von dfg haben nahezu alle betroffenen Kassen ihre Verträge gekündigt oder neu ausgeschrieben.
Immer wieder Probleme
Bereits der Start der „ePA für alle“ am 15. Januar 2025 war IBM nur unter großem Druck gelungen. Sowohl Bitmarck als auch IBM hatten immer wieder Kompatibilitätsprobleme. Bei der AOK Bayern kam es beim Übertragen von Patientenakten bei Kassenwechseln zu Problemen. Akten wurden bei der Migration zwischen Kassen zwischenzeitlich gelöscht. Ende März hieß es von der Krankenkasse gegenüber heise online, dass der Prozess der Wiederherstellung der Akten noch laufe.
(mack)