Wettlauf um Superrechner: Deutschland startet Quantencomputer-Wettbewerb

Mit einem Millionen-Förderprogramm will das Forschungsministerium bis 2030 zwei fehlerkorrigierte Quantenrechner auf europäischem Spitzenniveau realisieren.

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(Bild: Bartlomiej K. Wroblewski / Shutterstock.com)

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Die technologische Souveränität Deutschlands soll künftig auch auf atomarer Ebene gesichert werden. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat dazu die offizielle Förderrichtlinie für die „Quantum Computing Competition“ (QCC) veröffentlicht. Der Wettbewerb ist Teil der Hightech-Agenda der Bundesregierung. Sein Ziel: Bis 2030 sollen mindestens zwei neue Quantencomputer zur Verfügung stehen, die sich auf europäischem Spitzenniveau bewegen. Im Fokus steht die industriegeführte Spitzenforschung. Adressiert werden vor allem Start-ups und etablierte Firmen, um die Lücke zwischen theoretischer Exzellenz und praktischer Anwendung zu schließen.

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) begründet die Auslobung der QCC mit der Tragweite der Technologie, die weit über reine Rechenleistung hinausgehe. Quantencomputer gelten als Schlüsseltechnologie und versprechen Durchbrüche in Feldern, die für herkömmliche Supercomputer bislang kaum erreichbar sind. So könnten solche Systeme laut Bär die Entwicklung von Medikamenten beschleunigen oder komplexe Verkehrsströme in Echtzeit steuern. Vielversprechend für die Tech-Branche sei der erwartete Synergieeffekt mit Künstlicher Intelligenz: Neue Ansätze beim maschinellen Lernen könnten durch die Quantentechnologie einen erheblichen Leistungsschub für KI-Modelle erfahren.

„Für unsere Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität müssen wir international vorne dabei sein“, erläutert Bär. Sie ist überzeugt: Mit der QCC „sind wir auf dem Weg zum Top-Quantentechnologieland“. Gemeinsam mit deutschen Quanten-Unternehmen werde der Bund den entscheidenden Schritt machen. Der Fokus liegt dabei nicht mehr nur auf der Grundlagenforschung, sondern auf dem Etablieren messbarer Erfolgsparameter für technologisch exzellente Hardware made in Germany.

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Der Wettbewerb ist technologieoffen gestaltet und setzt auf Vielfalt statt auf eine frühzeitige Festlegung. Gefördert werden Projekte in den drei derzeit am weitesten fortgeschrittenen Technologieplattformen: Supraleiter, neutrale Atome sowie Ionenfallen. Damit deckt das Ministerium ein breites Spektrum ab, um die jeweils spezifischen Vorteile der unterschiedlichen physikalischen Ansätze zu nutzen. Ein Schwerpunkt der Förderung liegt auf dem Überwinden der größten Hürde der aktuellen Hardware-Generation: der Fehleranfälligkeit. Geschaffen werden sollen die technischen Voraussetzungen für fehlerkorrigiertes Quantencomputing und gleichzeitig Pilotlinien für die Produktion.

Das Antragsverfahren ist zweistufig angelegt und wird über einen Projektträger abgewickelt. Interessenten müssen zunächst Projektskizzen bis zum 11. Mai einreichen, bevor in einer zweiten Phase die förmlichen Förderanträge folgen. Die Fördersummen liegen zwischen 20 und 55 Millionen pro Firma beziehungsweise Verbundprojekt. Mit diesem Vorgehen will das BMFTR sicherstellen, dass Deutschland den Anschluss an die Weltspitze hält und seine Position als Standort für Quantentechnologien festigt.

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