KI ein „Kind Gottes“? Anthropic-Treffen mit mehreren Kirchenleuten
Angestellte von Anthropic haben mit Kirchenleuten darüber gesprochen, wie die KI-Technik ins christliche Weltbild passt. Andere Religionen sollen folgen.
(Bild: stockwerk-fotodesign/Shutterstock.com)
Anthropic hat Ende März eine Veranstaltung mit mehr als einem Dutzend führender Persönlichkeiten aus der katholischen und protestantischen Kirche durchgeführt, in der es unter anderem darum ging, ob die KI-Technik Claude als „Kind Gottes“ angesehen werden kann. Das hat die Washington Post jetzt unter Berufung auf vier Personen öffentlich gemacht, die daran teilgenommen haben. Vorrangig sei es bei der zweitägigen Veranstaltung darum gegangen, wie „die moralische und spirituelle Entwicklung“ des KI-Chatbots in Bezug auf die Beantwortung komplexer und unvorhersagbarer ethischer Fragen gesteuert werden könne. Diskutiert worden sei auch, wie die KI-Technik mit Nutzenden umgehen soll, bei denen die Gefahr besteht, dass sie sich selbst verletzen.
KI mit Bewusstsein?
Der Gipfel zeige, dass man bei Anthropic bereit sei, „weiterhin Ideen außerhalb des Mainstreams des Silicon Valleys nachzugehen“, während sich das KI-Unternehmen aufgrund der Leistungsfähigkeit der eigenen Technik zu einem der einflussreichsten Akteure im KI-Wettrennen entwickelt, meint die Zeitung. Es soll sich demnach nur um den Auftakt zu weiteren Treffen dieser Art gehandelt haben, bei dem auch Vertreter und Vertreterinnen anderer Religionen und philosophischer Traditionen angehört werden sollen. Verantwortlich ist demnach das Team für „Interpretierbarkeit“, das die innere Funktionsweise von KI erforscht.
Manche Angestellte von Anthropic würden wirklich ungern die Möglichkeit ausschließen wollen, „dass sie ein Wesen erschaffen, dem gegenüber sie eine moralische Verantwortung haben“, zitiert die Zeitung einen Teilnehmenden. Andere bei Anthropic würden dieser Einschätzung widersprechen. Die Debatten schienen einigen leitenden Angestellten von Anthropic zudem schwer zuzusetzen, „wenn sie daran gedacht haben, wie weit alles schon gegangen ist und wohin es ihrer Meinung nach noch führen könnte“, zitiert die Washington Post weiter. Sie weist aber darauf hin, dass der Gedanke, dass KI eine Art von Selbstbewusstsein entwickelt hat, im Silicon Valley nur von einer Minderheit geteilt werde.
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Einige der Teilnehmenden haben sich demnach vor der Veranstaltung gefragt, ob es Anthropic dabei darum gegangen sei, politische Allianzen zu schmieden. Im Nachgang hätten sie aber den Eindruck geteilt, dass es tatsächlich darum gegangen sei, Hilfe dabei zu bekommen, KI hilfreicher zu machen. Anthropic steht seit Wochen im Zentrum einer heftigen Auseinandersetzung mit der US-Regierung, die die KI der Firma inzwischen als Lieferkettenrisiko für die nationale Sicherheit eingestuft hat. Hintergrund ist die Weigerung von Anthropic, dem US-Verteidigungsministerium die eigene Technik vollkommen ohne Beschränkungen zur Verfügung zu stellen. Der Streit wird jetzt vor Gericht ausgetragen.
(mho)