BumpMesh: Kostenloser Browser-Tool fĂĽr 3D-Druck-Texturen von CNC Kitchen

Der YouTuber CNC Kitchen hat ein browserbasiertes Werkzeug entwickelt, das Texturen auf 3D-Modelle aufbringt – ohne CAD, ohne teure Software, ohne Account.

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BumpMesh GUI

(Bild: heise medien)

Lesezeit: 5 Min.
Inhaltsverzeichnis

Texturen auf 3D-Drucken können weit mehr als nur hübsch aussehen: Sie kaschieren Nahtlinien, verbessern die Griffigkeit und erhöhen sogar die Steifigkeit von Bauteilen. Wer das bislang umsetzen wollte, stand vor einer unschönen Wahl: Direkt in CAD modellieren, das rudimentäre „Fuzzy Skin“ im Slicer, teure Spezialsoftware wie das Materialise-Werkzeug im vierstelligen Preisbereich, oder der kostenlose Blender – das zwar alles kann, aber eine ordentliche Einarbeitungszeit fordert.

Stefan Hermann, bekannt von seinem YouTube-Channel CNC Kitchen, hat sich kurzerhand sein eigenes Tool gebaut: BumpMesh läuft vollständig im Browser, benötigt keinen Account, ist Open Source und darf auch für kommerzielle Projekte kostenlos genutzt werden.

Das Prinzip ist schnell erklärt: Man lädt ein 3D-Modell (STL, OBJ oder 3MF, ein Testwürfel existiert bereits im Programm), wählt eine Graustufentextur (farbige Bilder werden auch angenommen) als sogenannte Displacement-Map – Schwarz bedeutet keine Verschiebung, Weiß maximale. Dann stellt man ein paar Parameter ein, was durch die Echtzeitvorschau kein Problem ist und zum Experimentieren anregt. BumpMesh unterteilt das Mesh dann in sehr viel feinere Dreiecke und verschiebt deren Eckpunkte entsprechend den Helligkeitswerten der Textur.

Die Oberfläche des Werkzeugs. Auf Wunsch auch im Dark-Mode.

Für die Projektion gibt es mehrere Modi: Triplanar eignet sich für die meisten Geometrien und blendet drei entlang der Hauptachsen ausgerichtete Projektionen anhand der Flächennormalen ineinander – das klingt kompliziert, funktioniert aber für typische CAD-Teile erstaunlich gut und ohne sichtbare Nähte. Für Zylinder wie Knöpfe oder Griffe gibt es einen zylindrischen Modus, für ebene Flächen schlicht planare Projektionen.

Neben den mitgelieferten Texturen lassen sich eigene Graustufenbilder laden – idealerweise kachelbare (tileable) Texturen, damit keine sichtbaren Ränder entstehen. Eine einfache Google-Suche nach "black and white tileable texture" liefert reichlich Material neben den im Programm bereits vorhandenen.

Besonders praktisch ist die Maskierungsfunktion. Per Winkelparameter lassen sich Flächen ausschließen, die flach auf dem Druckbett liegen, Oberseiten sind oder starke Überhänge bilden – beides verträgt sich schlecht mit Texturen. Ferner gibt es eine Maskierungsfunktion, mit der man per Pinsel oder Flächenfüllung gezielt Bereiche ein- oder ausschließt. Wer beim Konstruieren bereits scharfe Kanten rund um die zu texturierende Fläche einplant, kann die Füllfunktion nutzen und ist in etwa 30 Sekunden fertig.

Mit den Pinseln kann man Griffbereiche einfach definieren.

Beim Export steuert ein Auflösungs-Schieberegler die maximale Kantenlänge der erzeugten Dreiecke – feiner bedeutet mehr Detail, aber auch größere Dateien und längere Slicing-Zeiten. Ein integrierter „Decimator“ reduziert anschließend die Anzahl der Dreiecke in flachen Bereichen, ähnlich wie die Simplify-Funktion in PrusaSlicer oder Bambu Studio. Die Standardwerte funktionieren in den meisten Fällen gut.

Wichtig: Der Browser-Tab muss während der Verarbeitung im Vordergrund bleiben, da Browser Hintergrund-Tabs drosseln und die Berechnung sonst pausiert. Eine Fortschrittsanzeige gibt Rückmeldung.

  • Nahtlinien kaschieren: Selbst eine subtile Textur lässt Schichtlinien und Nähte auf Kugeloberflächen nahezu verschwinden.
  • Griffige Oberflächen: Mikrofon- oder Werkzeuggriffe, Knöpfe oder Gehäuse lassen sich gezielt nur im Griffbereich texturieren.
  • Strukturelle Verbesserungen: Umlaufende Rippen- oder Wabenmuster auf zylindrischen Vasemode-Drucken erhöhen die Steifigkeit deutlich – das entspricht dem Prinzip, wie gestanzte Bleche stabiler werden als glatte.
  • Eigene Muster: Auch ein selbst erstelltes Logo oder ein individuelles Muster lässt sich als Displacement-Map einsetzen.

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BumpMesh ist kein Allheilmittel. Bisher lässt sich nur eine Textur pro Exportvorgang aufbringen – für mehrere Texturen auf einem Bauteil muss man das Ergebnis erneut importieren und erneut verarbeiten. Bei sehr komplexen Geometrien mit tiefen Taschen kann es an Projektionsnähten zu Artefakten kommen. Und wer zu hohe Amplituden wählt, riskiert überlappende Geometrie, die dann der Mesh-Reparatur im Slicer bedarf.

Für FDM-Drucker empfiehlt sich eine Mindestamplitude von etwa 0,3 mm, damit die Textur auch wirklich sicht- und fühlbar ist. Deckflächen nehmen Texturen generell schlechter auf als Seitenwände – hier schafft die Winkelmaske schnell Abhilfe.

BumpMesh füllt eine Lücke im 3D-Druck-Workflow: Zwischen dem groben Fuzzy-Skin-Werkzeug im Slicer und dem mächtigen Blender gab es bisher kaum brauchbare kostenlose Optionen. Für CAD-affine Maker, die schnell und unkompliziert Texturen auf Teile bringen wollen, ist es derzeit das praktischste verfügbare Werkzeug. Stefan hat es nach eigener Aussage mit etwa einer Woche Entwicklungszeit und rund 20 US-Dollar für Copilot-KI-Kosten gebaut – das Ergebnis kann sich jedenfalls sehen lassen. Der Quellcode liegt auf GitHub.

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(caw)