„The Amusement“: Deutsches VR-Adventure mit freier Bewegung im Raum angespielt

Das vom Kultursender Arte veröffentlichte VR-Adventure „The Amusement“ schickt Spieler auf eine Zeitreise ins Deutschland der 1920er Jahre.

vorlesen Druckansicht 2 Kommentare lesen
Mysteriöse Insel mit verlassenem Freizeitpark, Riesenrad und geisterhaften Gesichtern am Himmel – atmosphärische Horror-Game-Artwork bei Sonnenuntergang.

In „The Amusement“ liegen Nostalgie und Trauerbewältigung dicht beieinander.

(Bild: Arte France)

Lesezeit: 6 Min.
Von
Inhaltsverzeichnis
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Arte ist bereits seit über zehn Jahren als Produzent und Publisher von Videospielen aktiv. Zuletzt förderte der Kultursender die Entwicklung der europäischen Co-Produktion „Gloomy Eyes“ und integrierte mit „Riff Mountain“ das französische Metal-Festival „Hellfest“ in Fortnite. Die neueste Produktion, „The Amusement“, spielt sich vollständig in der Virtual Reality ab. Wir haben den Mix aus Historiendrama, Krimi und Kletterabenteuer ausprobiert.

„The Amusement“ versetzt Spielende in das Deutschland der 1920er Jahre zurück. Die 19-jährige Samantha hat einen Großteil ihrer Kindheit im Freizeitpark ihres verstorbenen Vaters verbracht. Nach dessen Tod will ihre aus England stammende Mutter den Park im deutschen Halligrooge so schnell wie möglich verkaufen. Um den Zustand der Fahrgeschäfte zu prüfen und den Wert des Parks zu schätzen, schickt sie ihre Tochter nach Deutschland.

Während Samantha die teils baufälligen Fahrgeschäfte inspiziert, die sie als Kind mit ihren Eltern so oft erlebt hat, bemerkt sie, dass in jeder Attraktion auch eine wertvolle Erinnerung an eine glücklichere Zeit weiterlebt. Doch je weiter sie vordringt, desto mehr wird ihr klar, dass die Geschichte des Parks auch dunkle Kapitel umfasst.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Google Ireland Limited) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

„The Amusement“ erinnert zu Beginn an emotional erzählte „Walking-Simulatoren“ wie „What Remains of Edith Finch“ oder „Everybody’s Gone to the Rapture“, bringt aber deutlich mehr interaktive Elemente und Rätsel mit. Spieler bewegen sich durch visuell und stilistisch herrlich umgesetzte Attraktionen, die an die historischen Luna Parks der 1920er angelehnt sind. Dabei stoßen sie gelegentlich auf alte Zeitungen oder hören Radiosendungen, die an die schwierige politische, soziale und wirtschaftliche Lage der damaligen Zeit erinnern. Die eigentliche Geschichte erzählen hauptsächlich Erinnerungsfragmente, die als kleine Schattentheater inszeniert und voll vertont sind.

Um die teils baufälligen Ruinen erkunden zu können, erweitert Samantha ihren Werkzeugkasten im Laufe des Spiels unter anderem um ein Jo-Jo, das etwa entfernte Schalter aktiviert, oder eine Greifhaken-Pistole, mit der sie Hindernisse überwindet. Dazu kommen Kletterpassagen und klassische Schalter- und Umgebungsrätsel, die etwa die richtige Anordnung von Seilbahnen oder das Finden von Schlüsseln und Sicherungen umfassen. Die Rätsel sind in der Regel einfach genug, dass der Spielfortschritt nicht ins Stocken gerät. Alte Adventure-Hasen dürften sich aber schnell unterfordert fühlen.

„The Amusement“ setzt auf eine Free-Roam-Steuerung. Das bedeutet, dass Spielende sich frei in der virtuellen Welt bewegen können. Künstliche Fortbewegung per Joystick oder Knopfdruck fällt also weg. Das soll vor allem das Risiko für Motion Sickness eliminieren, die vor allem dann in VR auftritt, wenn die Bewegung im Spiel nicht mit den realen Körperbewegungen übereinstimmt. Wer lieber im Sitzen spielt, kann allerdings jederzeit auf künstliche Fortbewegung oder eine Teleport-Funktion umstellen.

Damit Free-Roam im heimischen Wohnzimmer möglich wird, muss die Levelarchitektur auf Bewegungen in engstem Raum zugeschnitten sein. Entwickler Curvature Games gibt an, dass schon eine Spielfläche von 2 × 2 Metern ausreicht, und das können wir nach unserem Test auch bestätigen. Das Entwicklungsteam setzt dabei nicht nur auf Räume, die in etwa der Spielfläche entsprechen, sondern lotst Spieler durch enge, verwinkelte Gänge und Kammern.

Kapitel 1 besteht beispielsweise aus einem engen Heckenlabyrinth, das durch seinen cleveren Schnitt ein deutlich größeres Areal vorgaukelt, als es tatsächlich abdeckt. Wer das Labyrinth vom abschließenden Aussichtspunkt aus überblickt, wird sich wundern, wie diese Strecke im eigenen Wohnzimmer zurückgelegt werden konnte.

heise online XR-Briefing abonnieren

Jeden zweiten Montag, liefern wir Ihnen die wichtigsten Entwicklungen der XR-Branche. Damit Sie alles im Blick behalten.

E-Mail-Adresse

Ausführliche Informationen zum Versandverfahren und zu Ihren Widerrufsmöglichkeiten erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Free-Roam kann aufgrund der abgeglichenen Bewegungen im physischen und digitalen Raum auch die Immersion fördern. Beim Gehen und bei einfachen Handlungen im engen Radius um den eigenen Körper funktioniert das hervorragend. Ein Bruch entsteht allerdings dann, wenn es bei den in VR ohnehin schwer glaubhaft darstellbaren Kletterpassagen zum Sturz kommt. Einen solchen gibt es in „The Amusement“ nämlich nicht. Stattdessen friert der Spieler kurz in der Luft ein, die Umgebung wird grau und er erhält prompt die Aufforderung, in den Spielbereich zurückzukehren.

Das ist zwar nicht besonders elegant, aber ein notwendiger Kompromiss, wenn das Designprinzip dem Komfort oberste Priorität einräumt. Allerdings fehlt es dabei etwas an Konsequenz. Beim Schwingen mit der Greifhaken-Pistole kommt es beispielsweise doch zu künstlicher Fortbewegung. Zuschaltbare Vignetten – das sind dynamische schwarze Ränder, die das Sichtfeld verkleinern und so die künstliche Bewegung angenehmer machen sollen – gibt es jedoch nicht. Insgesamt ist „The Amusement“ allerdings ein gelungenes Beispiel dafür, dass mit cleverem Leveldesign überzeugende Free-Roam-Spiele auch außerhalb großer VR-Spielhallen möglich sind.

„The Amusement“ ist ein erzählerisch und atmosphärisch starkes VR-Adventure, dem man kleinere Macken in der Steuerung oder die nicht immer optimal abgemischten Stimmen gern verzeiht. Die größtenteils gelungene Free-Roam-Technik macht es ideal für Einsteiger sowie für Menschen, die in VR Probleme mit künstlicher Fortbewegung haben. Das deutsche Entwicklerstudio Curvature Games zeigt damit auch, dass es nicht immer gigantische Welten braucht, um eine überzeugende und immersive VR-Erfahrung zu gestalten.

Videos by heise

„The Amusement“ ist ab dem 16. April 2026 auf Meta Quest und PC-VR via Steam erhältlich. Der Preis liegt bei 22 Euro und die USK-Freigabe bei 12 Jahren. Die englische Sprachausgabe kann mit Untertiteln unterlegt werden. Als Textsprache ist Deutsch auswählbar.

(joe)