Weder Bio- noch Technosignatur: Neue Methode zur Suche nach Außerirdischen

Die Suche nach Außerirdischen konzentriert sich bislang auf individuelle Exoplaneten. Nun schlägt ein Team vor, nach Mustern bei deren Verteilung zu fahnden.

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Verschiedene Sterne und Planeten

(Bild: NASA)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Bei der Suche nach außerirdischen Zivilisationen sollten wir uns weniger auf individuelle Exoplaneten konzentrieren, sondern einander nahe Himmelskörper nach statistisch auffälligen Mustern und Ähnlichkeiten abklopfen. Das meint zumindest eine Forschungsgruppe aus Japan, die ihre alternative Methode jetzt vorgestellt hat. Die beruht auf genau zwei Voraussetzungen: Wenn Außerirdische zwischen Sternsystemen reisen und Planeten abseits ihrer Heimat nach ihren Vorlieben verändern können, dann sollten wir auffällige Gruppierungen von einander ähnlichen Exoplaneten finden. Ein sich so herauskristallisierender Zusammenhang zwischen Eigenschaften und Positionen von Exoplaneten wäre „ein zuverlässiges Indiz für Leben“, das durch nur wenige False-Positives verfälscht wäre.

Wie Harrison Smith vom Institute of Science Tokyo und Lana Sinapayen von den Sony Computer Science Laboratories in Kyoto erklären, beruht die Suche nach außerirdischem Leben bislang vor allem auf sogenannten Bio- oder Technosignaturen. Bei ersteren handelt es sich etwa um Spuren von chemischen Stoffen, die nur biologisch produziert werden können. Das ist aber enorm schwierig, nicht zuletzt, weil es oft eben doch nicht-biologische Entstehungsprozesse gibt. Als Technosignaturen werden Spuren von außerirdischer Technik bezeichnet, die beruhen aber stark auf unseren eigenen Annahmen zur Natur und zum Verhalten von intelligentem Leben. Und die müssen nicht korrekt sein.

Wenn sich Leben nicht zwischen verschiedenen Welten ausbreitet, gibt es keinen Zusammenhang zwischen der Position und Zusammensetzung – andernfalls schon (rechts).

(Bild: Smith et.al)

Um diese Einschränkungen zu umgehen, habe man eine „fundamental andere Idee“ verfolgt. Statt auf einzelnen Exoplaneten nach Spuren von Leben zu suchen, könnte man Leben möglicherweise „anhand seiner kollektiven Auswirkungen auf viele Planeten nachweisen“. Die beiden sprechen von einer „agnostischen Biosignatur“, für die es nicht nötig ist, „im Detail zu wissen, woraus Leben besteht oder wie es funktioniert“. Stattdessen gehe man nur davon aus, dass sich Leben zwischen Planeten ausbreiten kann – etwa durch die sogenannte Panspermie – und intelligentes Leben in der Lage sein dürfte, planetarische Umgebungen im Laufe der Zeit zu verändern. Dabei geht es um das sogenannte Terraforming.

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Sollte es außerirdisches Leben geben und es sich über seinen Heimatplaneten hinaus ausbreiten, würden sich „nachweisbare statistische Zusammenhänge zwischen der Lage von Planeten und ihren beobachtbaren Merkmalen“ ergeben. Konkret heißt das, einander nahe Exoplaneten müssten einander ähnlicher sein, als es der Fall wäre, wenn sie sich alle komplett unabhängig voneinander entwickelt hätten. Dabei geht es nicht darum, dass es auf ihnen allen etwa eine an Sauerstoff reiche Atmosphäre gibt. Damit ist diese Methode nicht auf die Modellierung biologischer Prozesse angewiesen, sondern beruht nur auf Statistik: „Leben könnte nachweisbar sein, ohne seine chemischen Prozesse verstehen zu müssen.“ Noch gibt es eine solche Analyse nicht, die beiden stellen ihre Arbeit in The Astrophysical Journal vor.

(mho)