EU-Anbieter schnĂĽren gemeinsames Notsystem bei Cloudabschaltung

Was tun, wenn der Cloudanbieter des Vertrauens in der EU nicht mehr verfĂĽgbar ist? Auf dieses Szenario wollen mehrere EU-Unternehmen nun eine Antwort geben.

vorlesen Druckansicht 11 Kommentare lesen
Ein Regenschirm schĂĽtzt ein Hochhaus vor einer Gewitterwolke.

(Bild: iX)

Lesezeit: 3 Min.
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

SUSE, Elemento Cloud, Cubbit und StorPool Storage versprechen mit ihrer Notfallwiederherstellungslösung für Cloudnutzer eine europäische Antwort auf das vieldiskutierte Szenario einer möglichen Abschaltung von US-Clouddiensten. Lösungen aus dem rein europäischen Cloud-IT-Stack sollen sicherstellen, dass dieser Moment nicht zum Ende der Betriebstätigkeit führen müsse, so das Versprechen der vier Unternehmen. Die Planung für ein normales Ausfallszenario soll dabei dazu führen, dass auch im Extremfall des Kill-Switches der Betrieb nicht über längere Zeit unterbrochen werden müsste.

Cubbit, das sich unter anderem als S3-kompatible Objektspeicher-Alternative positioniert, kooperiert schon länger mit dem Anbieter von Cloudverwaltungsmöglichkeiten Elemento Cloud. Linux-Pionier SUSE bringt Expertise in Open-Source-Software für Geschäftskunden ein. Und StorPool aus Bulgarien ist als vierter Partner Teil des nun vorgestellten Projekts, der sich unter anderem auf die Nutzung von Standardhardware für softwaredefinierte Speicherlösungen spezialisiert hat, die hochperformant sein sollen.

Mit der nun angekündigten gemeinsamen Initiative soll daher ein Einstieg in Ausstiegsszenarien aus anderen Cloud-Systemen einfacher werden. Mit dem „Sovereign Disaster Recovery Pack“ solle „ein konkreter, betrieblicher Bedarf“ befriedigt werden, schildert Cubbit-Co-CEO Alessandro Cillario die Idee. Diesen Bedarf hätten einige große EU-Unternehmen zuvor geäußert. Ein SUSE-Vertreter erklärte, man wolle zeigen, dass Europa nicht nur über die Komponenten, sondern auch über den „kompletten, betriebskritischen Stack“ verfüge. Weitere Unternehmen sollen in den kommenden Wochen ihre Dienste ebenfalls in das Produkt der nun angekündigten Zusammenarbeit integrieren können, kündigten die Unternehmen an.

Videos by heise

Zuletzt hatten unter anderem Angriffe auf AWS-Rechenzentren in der Golfregion die Frage der Datensicherheit im Katastrophenfall noch einmal anders akzentuiert. Die seit längerem laufende Debatte dreht sich sonst vor allem um mögliche Unabhängigkeit europäischer Infrastrukturen von Anbietern mit Hauptsitz in den USA. Lösungen zur Weiterbetriebsfähigkeit von cloudbetriebenen Anwendungen und Verfügbarkeit von in Cloudspeichern gelagerten Daten auch im Katastrophenfall können zudem je nach anwendbarer Regulierung auch gesetzlich vorgeschrieben sein.

Die Anbieter kündigten ihr gemeinsames Vorgehen zum „European Data Summit“ der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Berlin an. Dort diskutierten Vertreter von Politik, Behörden, Unternehmen, Forschern und Nichtregierungsorganisationen auch über mögliche Lücken im europäischen Regulierungsrahmen. Insbesondere im Gesetz über Digitale Märkte (DMA) identifiziert eine anlässlich der Veranstaltung veröffentlichte Studie Nachbesserungsbedarf. Cloud-Angebote als Kombination aus Speicher- und Diensteangeboten sollten stärker der wettbewerblichen Kontrolle unterliegen, so das Fazit einer Studie im Auftrag der KAS.

(axk)