Mainframe-Exit für viele Großunternehmen „physisch und finanziell unmöglich“

Marktforscher von Gartner warnen davor, die Fähigkeiten generativer KI-Tools beim Mainframe-Ausstieg zu überschätzen.

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Ein IBM-Mainframe in einem Rechenzentrum

(Bild: IBM)

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Das Versprechen von KI-Anbietern, den Abschied von Mainframes und Legacy-Code zu beschleunigen, sollte man laut einer neuen Analyse der Marktforscher von Gartner skeptisch betrachten. „Mehr als 70 Prozent der im Jahr 2026 gestarteten Projekte zur Abkehr vom Mainframe werden die angestrebten Vorteile nicht erzielen, da die Fähigkeiten generativer KI-Tools überschätzt werden“, prognostizieren sie in ihrer Analyse, die der iX-Redaktion vorliegt.

Unter Investoren sei derzeit verbreitet, die KI-Fähigkeiten zum alleinigen Maßstab für die Gesundheit eines Unternehmens zu machen. Das sei einer von mehreren Faktoren, die Firmen aktuell dazu verleiten, KI auch da einzusetzen, wo sie gar nicht sinnvoll ist. Die Gartner-Analysten warnen aber, dass die meisten Mainframe-Ausstiegsprojekte zu Kostenüberschreitungen führen könnten und obendrein auch die geschäftliche und betriebliche Kontinuität gefährden.

Auch das Feld der KI-Dienste für Mainframe-Exits werde sich deutlich lichten, schätzt Gartner. „Bis 2030 werden 75 Prozent der Anbieter, die auf dem Markt für den Mainframe-Ausstieg tätig sind, entweder ihre Geschäftsmodelle umstellen oder vom Markt verschwinden“, lautet hier die Prognose.

Die Zukunft des Mainframes sehen die Marktforscher hingegen deutlich positiver. Trotz des Trends zu cloud-nativen Architekturen sei der Mainframe nach wie vor die führende Plattform für bestimmte geschäftskritische Anwendungen. Dank einzigartiger, integrierter Funktionen könnten diese Systeme mit „unübertroffener“ Resilienz, Sicherheit, Hochverfügbarkeit und Transaktionsintegrität glänzen.

Wegen dieser Eigenschaften hätten sich auf der Mainframe-Plattform über Jahrzehnte hinweg gewaltige Mengen an Transaktionsdaten angesammelt. Deren Volumen und komplexe Vernetzung machten eine vollständige Migration für die meisten Großunternehmen ohnehin „physisch und finanziell unmöglich“.

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Entsprechend geht man bei Gartner von einem nachlassenden Drang zum Mainframe-Abschied aus. Stattdessen setzen die Unternehmen auf moderate Modernisierungen. Generative KI könne dabei hilfreich sein, etwa um technische Schulden leichter zu erfassen oder den Support zu verbessern. Bei einer automatisierten Konvertierung von Legacy-Code zeige KI hingegen erhebliche Einschränkungen.

Das Thema des Legacy-Mainframes kam zuletzt durch eine in verschiedene Richtungen wogende Angst an den Börsen auf, welche Branchen und Geschäftsmodelle wohl als Nächstes durch KI disruptiert werden. Eine Ankündigung des Anbieters Anthropic, dass Claude Code zeitraubende Prozesse zur Modernisierung von COBOL-Quellcode erheblich beschleunigen könne, ließ im Februar den Aktienkurs von IBM hart absacken.

Allerdings verdient IBM nicht nur mit Support für Alt-Systeme – die im April vergangenen Jahres vorgestellten z17-Mainframes erzielten rekordverdächtige Umsätze, teilte das Unternehmen im Januar bei den Zahlen zum vierten Quartal 2025 mit. Zudem hatte das Unternehmen 2023 auch schon ein eigenes KI-Tool zur effizienteren Übersetzung von COBOL zu Java vorgestellt.

(axk)