Seltene Erden: Abhängigkeit von China sinkt langsam

Deutschland hat 2025 wieder mehr Seltene Erden importiert. EU-weit kommt etwa die Hälfte der wertvollen Metalle aus China und ein Viertel aus Russland.

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Hand hält ein Stück Metall

(Bild: Phawat / Shutterstock.com)

Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Enrico Giardina
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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die deutsche Wirtschaft hat im vergangenen Jahr nach vorläufigen Zahlen rund 5500 Tonnen Seltene Erden im Wert von 77,6 Millionen Euro importiert. Das entspricht laut Mitteilung des Statistischen Bundesamts einem Anstieg von rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der chinesische Anteil an den Importen ist dabei von 65 Prozent im Vorjahr auf nun 55 Prozent gesunken.

Seltene Erden wie Neodym, Dysprosium und Terbium sind für die deutsche Industrie unverzichtbar. Die Metalle werden unter anderem zwingend für den Bau von Windkraftanlagen, die Herstellung von Auto-Katalysatoren und die Produktion optischer Spezialgläser benötigt. Da der Abbau der Metalle in Deutschland und der restlichen Europäischen Union kaum stattfindet, ist die Wirtschaft hier stark auf Importe angewiesen.

Auf den Plätzen zwei und drei der deutschen Importstatistik folgen wie im Jahr zuvor Österreich und Estland. An historische Höchstwerte kommen die aktuellen Zahlen aber nicht heran: Im Jahr 2018 wurden noch 9700 Tonnen Seltene Erden importiert. Das sind 76 Prozent mehr als 2025.

In der gesamten Europäischen Union wurden 2025 laut Eurostat 15.100 Tonnen Seltene Erden importiert. Auch hier ist China mit 47 Prozent Hauptlieferant, gefolgt von Russland (26 Prozent) und Malaysia (23 Prozent).

Bei bestimmten Materialien ist die Abhängigkeit noch stärker: So stammen 97 Prozent der in die EU importierten Lanthanverbindungen direkt aus der Volksrepublik. In Deutschland wird der Rohstoff vor allem für Auto-Katalysatoren, hochwertige Kameralinsen und bei der Benzinherstellung gebraucht.

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Obwohl der Anteil der Importe Seltener Erden aus China leicht gesunken ist, bleibt die Abhängigkeit weiterhin hoch. Das EU-Parlament drängt deshalb auf stärkere Bemühungen, die europäische Ressourcenversorgung autonomer aufzustellen, da China seine marktbeherrschende Stellung als „Waffe“ nutze. Die Abgeordneten verlangen deshalb den Abbau Seltener Erden auf eigenem Gebiet sowie strategische Partnerschaften mit Drittländern.

Im Oktober vergangenen Jahres hatte China Exportkontrollen auf Seltene Erden verschärft. Obwohl diese später zunächst ausgesetzt wurden, hatte der Schritt für große Unsicherheit in der europäischen Wirtschaft gesorgt. Die Europäische Handelskammer in China warnte deshalb kürzlich ebenfalls vor den wirtschaftlichen Folgen der Abhängigkeit von China. Die chinesische Regierung könne der europäischen Wirtschaft „beispiellosen Schaden“ durch ihr Exportkontrollsystem zufügen, wenn sie das wolle.

Auch andere Länder ergreifen Maßnahmen, um ihre Abhängigkeit von China zu reduzieren. Die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump etwa arbeiten an Rohstoffreserven, um sich so gegen Engpässe und Preisschwankungen bei Seltenen Erden abzusichern. Auch nutzte Trump die vom russischen Angriffskrieg geprägte Situation der Ukraine, um mit dem Land ein lukratives Abkommen für seine Bodenschätze abzuschließen. Japan hofft derweil, ab 2027 auf eigenem Hoheitsgebiet Seltene Erden abbauen zu können und untersucht dafür derzeit die Tiefsee.

Bis solche Vorkommen allerdings aufbereitet und nutzbar sind, können Jahrzehnte vergehen. Auch die Frage, ob sie zunächst überhaupt wirtschaftlich abgebaut werden können, ist oftmals offen, wie das Beispiel der Ukraine zeigt.

(hag)