Körperlos auf dem Coachella?
KI-Influencer können nicht auf das Coachella-Festival gehen. Schaut man auf Instagram, sieht das anders aus. Von KI-Avataren und Promis
Screenshot eines Beitrags auf Instagram mit einem KI-Bild.
(Bild: grannyspills / Instagram)
In den kommenden Tagen findet das letzte von zwei Wochenenden des Coachella Festivals statt – ein Sammelbecken für Promis, Influencer und Content-Creator in der kalifornischen Wüste. Doch nicht alle Medienschaffenden sind wirklich vor Ort. Laut dem US-Nachrichtenportal The Verge stammen immer mehr Social-Media-Beiträge von KI-Influencern, also virtuellen Persönlichkeiten.
Die mit KI-Tools manipulierten Bilder zeigen die vermeintlichen Influencer neben bekannten Promis, wie sie vor einer der Bühnen tanzen oder auf dem Festivalgelände posieren. Auch wenn die makellose Inszenierung der Bilder auffällt: Viele der KI-Fotos wirken echt. Das liegt nicht nur daran, dass die Qualität von KI-basierter Bildgenerierung immer besser wird. Die Hintergründe der KI-Fotos vom Coachella vermitteln auch deshalb Glaubwürdigkeit, weil sie oft real existierende Gebäude oder Szenerien des Festivalgeländes abbilden.
Tausende, teils Millionen Follower
Die Beiträge der KI-Influencer vom Coachella binden viel Aufmerksamkeit. Dem Instagram-Account Granny Spills, einer makellos gestylten KI-Oma, folgen Stand April 2026 mehr als zwei Millionen Menschen. In den vergangenen Tagen veröffentlichte der Account mehrere Bilder und Videos, die vermeintlich vom diesjährigen Coachella stammen. Fotos, auf denen die KI-Oma mit Stars wie Justin Bieber oder Kylie Jenner posiert, sammelten mehrere hunderttausend Likes.
Andere bekannte KI-Influencer auf Instagram versammeln zwar im Vergleich zur KI-Oma weniger Anhänger. Mit jeweils mehreren hunderttausend Followern erreichen ammarathegoat, miazelu oder anazelu aber ein breites Publikum in den sozialen Netzwerken.
Keine Kennzeichnung der KI-Inhalte
Problematisch ist, dass viele der mittels KI generierten oder manipulierten Inhalte nicht als solche gekennzeichnet werden. Die Bildunterschriften der Coachella-Beiträge etwa geben keinerlei Hinweise auf die Nutzung von KI. Nur in den Bios, den Beschreibungstexten der genannten Instagram-Accounts, finden sich gelegentlich Anhaltspunkte. Den meisten Instagram-Nutzerinnen und Nutzern dürften die mit KI-erstellten Coachella-Beiträge aber wahllos in den Feed gespült werden – dort, wo die Hinweise nicht zu sehen sind.
AI-Slop wird zum Problem
AI-Slop, zu Deutsch KI-Schrott, flutet mittlerweile das Internet. Schätzungen zufolge sind ein bis zwei Fünftel der online veröffentlichten Inhalte inzwischen nicht mehr menschengemacht . Dabei verschlingt die Produktion von KI-Content nicht nur große Mengen an Energie. Die auf Sichtbarkeit optimierten KI-Inhalte binden Aufmerksamkeit, die online veröffentlichten, menschlichen Kreativerzeugnissen dann fehlt.
KI-generierte Inhalte tragen außerdem erheblich dazu bei, dass das Vertrauen in seriöse Medien erodiert. In Deutschland sorgte zuletzt ein Vorfall im ZDF-„heute journal“ für Aufsehen, bei dem ein Beitrag mit einer KI-Szene und aus dem Zusammenhang gerissenem Videomaterial gesendet wurde. Auch im Kontext der Ergreifung von Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte im vergangenen Januar verbreiteten sich KI-generierte Fotos des entführten venezolanischen Ex-Machthabers in den sozialen Netzwerken. Einige Medienhäuser übernahmen die Bilder daraufhin im Rahmen ihrer Berichterstattung, ohne sie vorher ausreichend geprüft zu haben.
(rah)