Australiens Social-Media-Bann: Jugendliche haben sich nicht aussperren lassen

Australische Jugendliche hat der Social-Media-Bann nicht wirksam von den Plattformen ausgesperrt. Die Politik mĂĽsse mehr tun, als nur ein Verbot auszusprechen.

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Kinder malen auf dem Boden, vor ihnen ein Macbook

(Bild: Natalia Deriabina / Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Silberkugeln gelten als effektive Munition gegen Werwölfe, Vampire und andere übernatürliche Wesen. Das wissen wir aus zahlreichen Geschichten. In Australien sollte der „Social-Media-Ban“ die effektive Silberkugel gegen die schädliche Social-Media-Nutzung von Jugendlichen sein. Diese Kugel sei allerdings ein „Fake“ und habe das Problem nicht wirklich behoben. Das erklärte die australische Politikerin Sarah Hanson-Young im Gespräch mit Konstantin Peveling vom Branchenverband Bitkom während der diesjährigen Bitkom-Bildungskonferenz.

Die australische Senatorin der Grünen-Partei (Australian Greens) schilderte, dass trotz des seit 10. Dezember 2025 geltenden Social-Media-Verbots ein Großteil der unter 16-Jährigen immer noch auf den großen Social-Media-Plattformen unterwegs sei. Der Bann betreffe nicht jedes Social-Media-Angebot, für den Moment aber die größten und bekanntesten wie Instagram, Threads und Facebook von Meta, und auch Snapchat, X, YouTube, Kick, Twitch, TikTok und Reddit.

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Dass es überhaupt einen Social-Media-Bann in Australien gebe, sei auf zwei Faktoren zurückzuführen. Sowohl besorgte Eltern als auch Beobachtungen in Schulen hätten dazu geführt, die Politik zum Handeln zu bringen. Laut Hanson-Young habe sich die Regierung allerdings für die denkbar einfachste Lösung entschieden, die nicht die gewünschten Ergebnisse hervorgebracht habe. Statt Jugendliche effektiv von bestimmten Social-Media-Plattformen auszuschließen, hätten diese genügend Möglichkeiten gefunden, das Verbot zu umgehen oder Ausweichangebote ausfindig zu machen. Die großen Plattformen müssen zwar mit Strafgeldern in Millionenhöhe rechnen, wenn sie Heranwachsende unter 16 Jahren nicht richtig ausschließen, in Anbetracht der Milliardengewinne sei das aber nicht wirksam oder abschreckend genug.

Während Jugendliche also vermeintlich ausgeschlossen von Social Media sind, sind sie dort immer noch unterwegs und weiterhin Algorithmen und Inhalten ausgesetzt, auf die sie womöglich noch nicht richtig vorbereitet wurden. Statt nur eines Verbots, so Hanson-Young, müssten mehr Maßnahmen gleichzeitig wirken. Dazu gehören aus ihrer Sicht eine entschiedene Kritik am Design der Plattformen und politischer Druck, damit aus „Addiction by design“ endlich „Safety by design“ wird. Zudem müssten Heranwachsende in Bildungseinrichtungen und auch im Elternhaus Medienbildung erfahren, damit sie online-resilient werden. In den australischen Schulen werde zwar gelehrt, wie bestimmte Tools oder auch künstliche Intelligenz genutzt werden können, der kritische Umgang – die „Media Literacy“ – werde aber eher von Nichtregierungsorganisationen und Vereinen vermittelt. Hier sei wieder die Regierung am Zug.

Hanson-Young zeigte sich während des vorab aufgezeichneten Gesprächs reichlich unzufrieden mit der aktuellen Lage. Sie erklärte, dass „Big Tech“ eigentlich gerade seinen „Big Tobacco Moment“ haben müsse. Dafür müssten Politikerinnen und Politiker allerdings auch mehr fordern und umsetzen als ein leicht zu umgehendes Verbot ohne empfindliche Strafen. Sich nur auf das Verbot zu verlassen, bedeute auch, dass Heranwachsende mit 16 Jahren völlig unvorbereitet auf gefährliche Online-Mechanismen und -Inhalte stoßen könnten. Sie bevorzuge deshalb eine andere Herangehensweise an das Problem und machte dies mit einem Beispiel aus dem australischen Alltag deutlich. Statt australische Kinder vom Schwimmenlernen und Schwimmen im Meer abzuhalten, bringe man es ihnen bei und zeige ihnen die sicheren, überwachten Zonen zwischen den Fahnen am Strand. Diese Gestaltung der Begleitung und des Schutzes sei auch für den Umgang mit Social Media der richtige Weg.

(kbe)