Telekom kündigt eigene ePA an: Noch mehr Vielfalt im Markt und offene Fragen
Mehr Wettbewerb bei der elektronischen Patientenakte. Die Telekom will als weiterer ePA-Anbieter einsteigen.
Noch ist die Telekom-ePA nicht da.
(Bild: Deutsche Telekom / GettyImages / Natee Meepian; Montage: Evelyn Ebert Meneses)
Anlässlich des „Future Health Day“ der Telekom hat Gottfried Ludewig, dort Leiter Public und Health, die Ambitionen des Konzerns bekräftigt und vorangegangene Gerüchte bestätigt: Mit einer eigenen „souveränen Patientenakte“ will das Unternehmen künftig selbst als Anbieter für die elektronische Patientenakte (ePA) auftreten. Ludewig, der früher die Abteilung für die Digitalisierung des Gesundheitswesens im Bundesgesundheitsministerium leitete, stellte die Lösung als nächsten Schritt für eine stärker vernetzte Versorgung dar.
Konkrete Details zum Stand der Entwicklung bleiben jedoch vage. Zwar befinde sich die ePA im Zulassungsverfahren bei der Gematik, wie weit sie tatsächlich ist, dazu macht die Telekom keine genauen Angaben und auch die Gematik äußert sich nicht zu den Zulassungsverfahren.
Neben den bisherigen Aktensystemen von IBM sowie dem Konsortium Rise und Bitmarck befindet sich mindestens ein weiteres Angebot in aktuellen Tests mit der Gematik. Für die AOK arbeitet die Beratungsgesellschaft EY mit weiteren Anbietern an einem neuen System, das sich derzeit in einer Testphase befindet. EY hat sich von IBM als Unterauftragnehmer gelöst. Viele Details – etwa zum konkreten Aufbau, Zeitplan oder künftigen Betrieb – sind jedoch auch hier bislang unklar.
Ob andere Krankenkassen diesem Beispiel folgen, ist offen. Zwar betonen die Kassen regelmäßig, ihre Verträge neu auszuschreiben und zu überprüfen, doch ob es einen flächendeckenden Wechsel weg von bestehenden Anbietern geben wird, ist noch nicht klar. Gleichzeitig dürfte der Druck wachsen, Gesundheitsdaten eher deutschen IT-Dienstleistern anzuvertrauen, – nicht zuletzt wegen kritischer Nachfragen und geopolitischer Entwicklungen. Aufgrund der Entwicklungen in den USA steht vor allem IBM in der Kritik. Die wiederholten technischen Probleme der Vergangenheit, könnten ihr übriges tun.
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Die Entwicklung bedeutet „noch mehr Vielfalt“, wie Lucas Auer vom Verbraucherzentrale Bundesverband im Digital-Health-Podcast von heise online zu einem weiteren Aktensystemanbieter kommentierte. Noch vermisse der Großteil der Menschen, „den spürbaren Nutzen dieser ePA“, so Auer. Für viele sei sie bislang „nicht viel mehr als ein digitaler Aktenordner“. Mehr Anbieter änderten daran zunächst wenig.
Hinzu kommt die wachsende Komplexität. Unterschiedliche Plattformen, Betreiber und technische Ansätze erschweren Interoperabilität und Integration. Immer wieder haben Störungen und Probleme bei der Datenmigration gezeigt, dass noch nicht alles einwandfrei läuft.
(mack)