KI-Update kompakt: Hannover Messe, Rechenleistung, Polizei-Daten, Ring-Kameras

Das "KI-Update" liefert drei mal pro Woche eine Zusammenfassung der wichtigsten KI-Entwicklungen.

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Inhaltsverzeichnis

65 Prozent der deutschen Industriebetriebe nutzen Künstliche Intelligenz bereits in der laufenden Produktion. Damit liegt Deutschland über dem europäischen Schnitt von 56 Prozent, so eine Studie des IT-Konzerns Cisco unter mehr als 1000 Führungskräften. Am weitesten verbreitet sind KI-Assistenten: Drei von vier deutschen Industrieunternehmen setzen sie ein oder experimentieren damit. Ziel sind höhere Produktivität und niedrigere Kosten. Laut Cisco-Vertriebsleiter Christian Korff rechnen sich KI-Investitionen oft schon nach zwei Jahren.

Parallel startete am Sonntagabend die Hannover Messe mit Brasilien als Partnerland, eröffnet von Bundeskanzler Friedrich Merz und Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. KI, Robotik und Rüstung prägen das Programm.

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat einen Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt vorgelegt. Ein neuer Paragraf 184k im Strafgesetzbuch soll die unbefugte Herstellung und Verbreitung intimen Bildmaterials verbieten. Ein zusätzlicher Paragraf 201b stellt den per Computerprogramm erzeugten Anschein eines tatsächlichen Geschehens unter Strafe, wenn er das Ansehen einer lebenden oder verstorbenen Person erheblich schädigen kann.

Vorgesehen sind bis zu zwei Jahre Haft, bei Abbildungen von Kindern und Jugendlichen auch mehr. „Nicht die Betroffenen sollen verstummen, sondern die Täter“, sagte Hubig.

Google koppelt seinen Fotodienst enger an das Bildmodell Nano Banana 2. Über die Funktion „Personal Intelligence“ greift Gemini auf gespeicherte Bilder zu, erkennt anhand von Tags und Personenmarkierungen Familienmitglieder und Haustiere und schlägt passende Referenzbilder vor. Ein Prompt wie „Gestalte mein Traumhaus“ soll genügen, um eine Szene mitsamt Familie zu erzeugen. Nutzer können die Quellbilder einsehen und per Text nachbessern.

Personal Intelligence lässt sich optional auch mit Gmail, Kalender, Drive, YouTube und Maps verknüpfen, was Google ein sehr vollständiges Bild seiner Nutzer liefert. Trainingsdaten sollen die privaten Fotos laut Google nicht werden. In Europa ist die Funktion bisher nicht verfügbar; in den USA startet sie für zahlende Abonnenten der Tarife AI+, Pro und Ultra.

OpenAI hat mit GPT-Rosalind ein Modell speziell fĂĽr Biologie, Wirkstoffsuche und translationale Medizin vorgestellt, benannt nach der DNA-Forscherin Rosalind Franklin. Es soll Forschende bei Evidenzsynthese, Hypothesen und Experimentplanung unterstĂĽtzen und so die frĂĽhen Phasen der Medikamentenentwicklung verkĂĽrzen, die in den USA ĂĽblicherweise zehn bis 15 Jahre dauern.

Ăśber ein neues Life-Sciences-Plug-in fĂĽr Codex erreicht das Modell mehr als 50 wissenschaftliche Tools und Datenquellen. Nach GPT-5.4-Cyber fĂĽr IT-Sicherheit ist es das zweite spezialisierte Frontier-Modell.

Anthropic hat mit Claude Design ein KI-Werkzeug für Layouts, Prototypen, Präsentationen und Webseiten vorgestellt. Das experimentelle Tool basiert auf dem neuen Modell Claude Opus 4.7 und erscheint als Research Preview von Anthropic Labs. In Demos generiert es etwa eine Webseite mit Hintergrundanimation.

Nutzer können nach dem ersten Prompt Kommentare hinterlegen, im Chat über das Design diskutieren oder per KI-generierten Schiebereglern Abstände, Farben und Layout anpassen. Verfügbar ist das Tool ohne Aufpreis für Abonnenten der Pläne Pro, Max, Team und Enterprise.

Podcast: KI-Update
KI-Update

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im "KI-Update" von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.

Die Nachfrage nach Rechenleistung wächst schneller als die Infrastruktur. Anthropic erreichte zwischen Mitte Januar und Anfang April nur 98,95 Prozent Verfügbarkeit seiner Programmierschnittstelle, während in der Cloud-Branche 99,99 Prozent als Standard gelten.

Der Retool-Gründer David Hsu wechselte deshalb auf OpenAI, obwohl er Claude bevorzuge. Anthropics annualisierter Umsatz stieg in wenigen Monaten von 9 auf über 30 Milliarden Dollar. OpenAI stellt seine Video-App Sora ein, um Kapazität für Coding- und Enterprise-Produkte freizumachen; die Token-Nutzung in der API kletterte zwischen Oktober und März von 6 auf 15 Milliarden pro Minute.

Forschende der University of Colorado, des Gwangju Institute of Science and Technology und von Google koppeln eine Ray-Ban-Meta-Brille per Smartphone-App mit Googles Gemini und dem Open-Source-Agenten OpenClaw. Die Brille streamt Bild und Ton an die KI, die antwortet oder Aufgaben in Browser, E-Mail oder Kalender anstößt.

In einer Studie mit zwölf Personen war VisionClaw je nach Aufgabe bis zu 37 Prozent schneller als Vergleichssysteme. In einer zweiten Studie sammelten vier Autoren über Wochen 555 Alltagsinteraktionen. Die Stichproben sind klein, und Google ist sowohl an der Studie beteiligt als auch dabei, eigene KI-Brillen vorzubereiten.

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Bettina Gayk, Landesbeauftragte für Datenschutz in Nordrhein-Westfalen, kritisiert das Training von KI mit Polizeidaten. Diese Daten seien weder neutral noch fehlerfrei, sie enthielten Verdachtsmomente, Fehlinterpretationen und veraltete oder eigentlich zu löschende Einträge. Im Dezember 2025 änderte das Land sein Polizeigesetz, sodass die Polizei eigene Daten zum KI-Training nutzen darf. Parallel weitet sie den Einsatz der Analyse-Software Palantir aus, die in NRW unter dem Namen DAR läuft.

Gayk nennt die gesetzliche Grundlage „global-galaktisch“ geregelt: Der Einsatz sei pauschal erlaubt, ohne klar festzulegen, welche Daten verwendet werden dürften. Auch Daten zu Zeugen, Anwälten oder Anzeigenerstattern könnten einfließen. Daraus könne die KI Muster ableiten, die Unbeteiligte ins Visier rücken. Gayk kündigte Gespräche mit dem Landeskriminalamt und eine Prüfung im laufenden Betrieb an.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat entschieden, dass die KI-Umwandlung eines fremden Fotos in einen Comic nicht automatisch das Urheberrecht verletzt. Geklagt hatte eine Tierfotografin, deren Unterwasserbild eines tauchenden Hundes ein früherer Partner per KI in eine Comic-Abbildung verwandelte. Das Gericht wies die Klage ab: Das Motiv selbst sei nicht geschützt, und schutzfähige Elemente wie Bildausschnitt, Perspektive, Belichtung und Schärfe übernehme die KI-Variante nicht.

Das Gericht stützte sich auf ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshofs, wonach es auf wiedererkennbar übernommene kreative Elemente ankommt, nicht auf den Gesamteindruck. KI-Erzeugnisse selbst seien nur dann urheberrechtlich geschützt, wenn der Mensch erkennbar kreative Entscheidungen treffe. Die Auswahl eines KI-Vorschlags oder allgemeine Prompts genügen dafür nicht.

Amazon bringt die Funktion „Bekannte Gesichter“ seiner Ring-Kameras nach Deutschland. Aktiviert speichert die Kamera zunächst alle gut sichtbaren Gesichter im Blickfeld. Nutzer können sie benennen, ansonsten verfallen die Daten nach einer Weile. In der App meldet die Kamera dann etwa, dass die Großmutter vor der Tür steht.

Datenschützer kritisieren, dass die Erkennung auf alle Personen im Blickfeld laufe. Theoretisch müssten Nutzer jede gefilmte Person um Erlaubnis fragen, in der Praxis dürfte das selten geschehen. Auch eine Kontrolle, ob Gesichtsdaten nach einer Anfrage wirklich gelöscht werden, ist kaum möglich. Die in den USA angebotene Funktion „Search Party“, die Bilder mehrerer Ring-Kameras zur Suche nach entlaufenen Haustieren bündelt, ist für Deutschland weder verfügbar noch angekündigt. Kritiker fürchten, sie könnte auch Personen verfolgen.

DeepL bringt mit „Voice-to-Voice“ eine Echtzeit-Sprachübersetzung auf den Markt und tritt damit gegen Googles Angebot an. Nutzer sprechen in ihrer Sprache, der Empfänger hört eine Übersetzung. Einsetzbar ist das in virtuellen Meetings, persönlichen Gesprächen und über eine API in Kundenkanälen. Zum Start unterstützt das Kölner Unternehmen über 40 Sprachen, darunter alle 24 offiziellen EU-Sprachen.

(igr)