DMEA: Warken ĂĽber Datenausleitung aus der elektronischen Patientenakte und mehr
Auf der DMEA bekräftigte die Gesundheitsministerin Nina Warken die Pläne für die Erweiterung der ePA um die digitale Ersteinschätzung und die Terminvermittlung.
Nina Warken auf der DMEA 2026
(Bild: heise medien)
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat auf der Digitalmesse DMEA mehr Tempo bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens gefordert. Entscheidend sei, dass digitale Anwendungen im Alltag von Patienten und Leistungserbringern tatsächlich ankommen und einen spürbaren Nutzen bieten. Der Entwurf des bereits geleakten „Gesetzes für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen“ (GeDIG), über das derzeit innerhalb der Bundesregierung beraten wird, soll dafür den Rahmen liefern.
Die eigentliche Herausforderung liege nicht mehr im „Ob“, sondern im „Wie“ der Digitalisierung, sagte Warken. Es gehe darum, die Lücke zwischen technischen Möglichkeiten und tatsächlicher Nutzung zu schließen. „Auch die besten Ideen nützen nichts, wenn sie nicht wirklich genutzt werden.“ Digitale Anwendungen müssten intuitiv bedienbar sein, sich in bestehende Prozesse integrieren und den Arbeitsalltag erleichtern. Am Ende entscheide nicht die technische Machbarkeit, sondern die Akzeptanz, die durch Vertrauen, Verlässlichkeit und konkreten Nutzen entstehe. Mehr positive Erfahrungen mit digitalen Lösungen seien daher zentral. Warken sprach dabei auch aus persönlicher Perspektive als Patientin und gesetzlich Versicherte.
Als wichtigstes Beispiel nannte sie die elektronische Patientenakte (ePA), für die seit Anfang 2025 standardmäßig Konten für gesetzlich Versicherte angelegt sind. Die Nutzung nehme zu, dennoch gebe es „Luft nach oben“. Vor allem das Anmeldeverfahren sei vielen zu kompliziert. Dieses soll unter anderem durch das inzwischen von der Mehrheit der Krankenkassen angebotene „aktualisiertes Video-Ident-Verfahren“ verbessert werden, später auch mit der EUDI-Wallet.
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Präventionsangebote der Kassen
Außerdem kündigte Warken den Ausbau der ePA-Funktionen an. Neben Medikationsplänen oder Befunden ist eine Volltextsuche bis Ende 2026 geplant. Die ePA soll eine „echte Alltags-App“ werden. „Dazu sollen die Kassen auch ePA-Daten nutzen können, mit Einwilligung der Versicherten, die auf diesem Weg dann auch von maßgeschneiderten Präventionsempfehlungen profitieren können. Denkbar sind zum Beispiel Übersichten und Erinnerungsfunktionen zu Vorsorgeuntersuchungen und Impfempfehlungen.“ Das bezeichnete Warken als „wirklich handfeste Vorteile für die Versorgung, und auch damit wollen wir die Versicherten überzeugen.“ Darüber hinaus sollen mit der digitalen Ersteinschätzung, E‑Überweisung und Terminvermittlung eine Anbindung an die Gesundheitsversorgung hinzukommen, weshalb die Ministerin ein Primärversorgungssystem plant. Analoge Zugangswege, etwa telefonisch, sollen aber bestehen bleiben.
„Zudem wollen wir die digitalen Kommunikationswege im Gesundheitswesen nutzerfreundlicher und medienbruchrei gestalten, um die Mehrwerte der Digitalisierung auch hier optimal zu nutzen“, sagte Warken. Das gehe nicht ohne Interoperabilität. „Dazu gehört, dass wir die Funktionalität, Stabilität und Nutzerfreundlichkeit der informationstechnischen Systeme der Leistungserbringer fördern wollen.“
Konformitätsbewertungsverfahren für Datenschutz und Interoperabilität
Seit dem Start der ePA gibt es auch ein Konformitätsbewertungsverfahren für selbige, zum Nachweis grundlegender Anforderungen. „Künftig soll dieses Verfahren auch auf weitere Anforderungen ausgedehnt werden, beispielsweise auf Funktionen zum Schutz der Patientendaten. Und auch wollen wir das Recht der Patientinnen und Patienten auf Interoperabilität weiter stärken, indem Hersteller informationstechnischer Systeme zu mehr Interoperabilität verpflichtet werden. Für Versicherte würde dies mehr Souveränität über die eigenen Gesundheitsdaten und aber auch weniger Bürokratie bedeuten.“
Darüber hinaus arbeitet das Ministerium an einer erweiterten Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschung und Versorgung und die Anpassung der ePA an Vorgaben des Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS). „Am Ende dieses Jahres werden im Forschungsdatenzentrum Gesundheit ePA-Daten zur Verfügung stehen, echte medizinische Daten, die die bisherigen Abrechnungsdaten um eine völlig neue Tiefe ergänzen und so die Grundlage für wertvolle Forschungserkenntisse schaffen“, sagte Warken. Die Möglichkeiten und das Innovationspotenzial der ePA seien damit „noch lange nicht ausgeschöpft“.
Kassenbeiträge sollen nicht weiter steigen
Mit Blick auf die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung betonte Warken, dass die Beitragssatzsteigerungen zum Jahreswechsel keine „Routine“ werden dürften. „Wir wollen die fast schon zur Routine gewordenen Beitragssatzsteigerungen beenden, weil sie eine wachsende Belastung für Versicherte, Unternehmen und das ganze Land sind“, sagte sie. Digitalisierung solle dabei auch zur Entlastung beitragen. „Wir wollen nicht bei der Digitalisierung sparen, sondern durch Digitalisierung.“
(mack)