GhostBSD 26.1: FreeBSD-Desktop mit XLibre und ZFS-Snapshots
GhostBSD 26.1 integriert FreeBSD 15.0p2, setzt auf XLibre und bietet verbesserte Hardware-UnterstĂĽtzung sowie ZFS-Snapshots.
(Bild: Durch J0hnTV/shutterstock.com)
- Michael Plura
GhostBSD, quasi das MATE/Xfce/Gershwin-basierte Ubuntu der FreeBSD-Welt, übernimmt mit Version 26.1-15.0p2 alle Neuerungen und Verbesserungen von FreeBSD 15.0 Patchlevel 2. Dazu gehören Kernel-Erweiterungen, Sicherheitsfixes, ein aktualisiertes Toolset und besserer Hardware-Support. Da es aus Industrie und beispielsweise dem Sovereign Tech Fund in den letzten Jahren deutliche finanzielle Unterstützung gab, machte FreeBSD große Fortschritte in der Entwicklungsumgebung selbst. FreeBSD-Anwender merken das deutlich, beispielsweise bei Notebooks, deren WLAN-Treiber nun wesentlich besser und performanter funktionieren. GhostBSD 26.1 profitiert als vorkonfiguriertes Desktop-System gerade davon naturgemäß besonders. Als Live-System, gestartet von einem USB-Stick, ist GhostBSD 26.1 auf einer deutlich größeren Hardware-Basis einsetzbar als zuvor – auch wenn es noch weit von der Universalität von Windows oder GNU/Linux entfernt ist.
Sichtbare und unsichtbare Neuerungen
Unter dem Live-System oder nach der geführten und einfachen Installation von GhostBSD dürften typische BSD-Anwender relativ schnell ein Terminal-Fenster für administrative Aufgaben starten. Hier setzt GhostBSD 26.1 auf die moderne zsh, die für ehemalige Nutzer der csh, tcsh, ksh oder bash einige neue Funktionen bietet. Wer die Paketverwaltung im Terminal via pkg(8) nicht mag, kann unter GhostBSD als grafische Alternative die Software Station benutzen. Sie unterstützt nun auch die mächtigen FreeBSD-Funktionen wie ein Boot-Environment als Backup bei Versions-Upgrades. Durch Optimierungen bei der Paketsuche arbeitet Software Station spürbar schneller als zuvor. Dank integrierter ZFS-Snapshots kann man nach misslungenen Updates/Upgrades über einen Neustart einfach die vorherige Version des Systems starten.
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GhostBSD 26.1 fühlt sich nun auch in größeren Unternehmensstrukturen wohl, die den Zugang zum Netzwerk per WPA2-Enterprise regeln. Statt wie beim Personal-WPA2 für den Home- und SOHO-Bereich mit lediglich einem Zugangspasswort für alle, können bei WPA2-Enterprise der Schutz sensibler Daten und ein höheres Maß an Sicherheit durch die individuelle Authentifizierung pro Nutzer (zum Beispiel über RADIUS) gewährleistet werden. Um Firmennetze über ein VPN zu erreichen, können darüber hinaus VPNs via WireGuard im grafischen NetworkMGR konfiguriert werden.
Xlibre statt Wayland
GhostBSD 26.1 ist wie angekündigt auf XLibre als standardmäßigen Display-Server umgestiegen. In ersten Tests funktioniert die Kombination von GhostBSD, XLibre und MATE, Xfce und sogar Gershwin bereits recht gut. Auf einem älteren ThinkPad W520 produzierte XLibre mit MATE manchmal Grafik-Glitches. Trotzdem: Das angestaubte Xorg ist Dank Red Hats Agenda, es zugunsten der eigenen Linux/systemd/Wayland/GNOME-Monokultur sterben zu lassen, keine Option mehr, laut einem Bericht über den Fall XLibre. Und Wayland unterstützt nach rund 18 Jahren Entwicklung immer noch nicht alle Funktionen und läuft aufgrund der Linux-Zentrierung unter den BSDs sowieso (noch) nicht problemlos.
(Bild:Â Michael Plura / heise medien)
Bei GhostBSD wird Wayland trotzdem regelmäßig evaluiert und wird mit Sicherheit als Alternative wählbar, wenn es irgendwann befriedigend funktioniert. Abgesehen davon ist es für die gesamte Open-Source-Welt gut, dass es eine mittlerweile einigermaßen gepflegte Alternative in Form von XLibre gibt und jeder Benutzer frei für sich selbst entscheiden kann, was er einsetzen möchte. Dennoch gibt es erstaunlich scharfe Kritik von den Wayland-Fans im Netz, sobald XLibre auch nur erwähnt wird.
Fazit und VerfĂĽgbarkeit
Eine detaillierte Liste aller Neuerungen, Erweiterungen und Bugfixes dokumentiert die GitHub-Seite des GhostBSD-Projektes. Alles in allem etabliert sich GhostBSD 26.1 in seiner kleinen Nische als schicke und einsteigerfreundlich vorkonfigurierte Alternative zu Windows, GNU/Linux und macOS. Wer einmal in die BSD- oder genauer FreeBSD-Welt schnuppern will, kann das mit GhostBSD 26.1 sehr bequem machen. Und die Entwickler freuen sich immer über Feedback und Unterstützung – denn ganz problemlos läuft GhostBSD 26.1 nicht immer. Das offizielle GhostBSD 26.1-15.0p2 MATE-ISO-Image (4,7 GByte) sowie die Community-ISO-Images für den Xfce- und den „preview“ Gershwin-Desktop liegen ab sofort auf der Projektseite zum kostenlosen Download bereit.
Siehe auch:
- GhostBSD bei heise download
(fo)