KI-Update kompakt: Hannover Messe, Googles Strike Team, Mythos, Image 2.0

Das "KI-Update" liefert drei mal pro Woche eine Zusammenfassung der wichtigsten KI-Entwicklungen.

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Inhaltsverzeichnis

Zum Auftakt der Hannover Messe forderte Bundeskanzler Friedrich Merz, die industrielle KI aus dem „zu engen Korsett“ des europäischen AI Act zu lösen. Auf der Messe selbst dominiert die Industrial Automation. Konzerne wie SAP, Siemens, Beckhoff oder Lenovo nutzen Roboter als anschauliche Demonstratoren, obwohl sie selbst keine bauen. Sie liefern die Infrastruktur in Form von Industrie-PCs, Lagerverwaltung oder digitalen Zwillingen.

Bei den Robotern selbst dominieren chinesische Hersteller wie Unitree, Galbot oder Pudu. Die meisten Humanoiden bewegen sich trotz Physical-AI-Training nicht autonom, sondern werden ferngesteuert. Eine Ausnahme ist Agile Robots aus München, das mit dem Agile One seinen ersten Humanoiden vorstellt. Er wird in Deutschland produziert, das KI-Training läuft in der Industrial AI Cloud von Telekom und Nvidia. In Halle Forschung zeigte das DFKI das Projekt MedGenAI. Ein Diffusion-Transformer-Modell erzeugt synthetische Bilder von Hautkrankheiten, um Verzerrungen in den Trainingsdaten dermatologischer Diagnose-KI auszugleichen. Sogenannte Counterfactuals, minimale Bildveränderungen, prüfen zudem die Robustheit medizinischer Modelle.

Siemens hat auf der Hannover Messe den Eigen Engineering Agent vorgestellt. Er zerlegt komplexe Aufgaben in Einzelschritte, erstellt Steuerungsprogramme, konfiguriert Anlagen und prüft die Ergebnisse selbst, bevor er sie dem Ingenieur vorlegt. Fachkräfte sollen damit zwei- bis fünfmal schneller arbeiten.

Getestet wurde der Agent laut Siemens mit mehr als 100 Unternehmen, etwa bei der Programmierung von Steuerungen und der Konfiguration von Geräten. Der Name spielt auf die deutsche Wendung an, sich etwas zu eigen zu machen, sowie auf Eigenwerte aus der linearen Algebra.

Google hat laut einem Bericht von The Information ein internes Strike Team gebildet, das die Programmierfähigkeiten der Gemini-Modelle verbessern soll. Intern wächst bei Google DeepMind die Überzeugung, dass Anthropics Tool Claude Code voraus ist. Anthropic schreibt nach eigenen Angaben fast seinen gesamten Code mit KI-Hilfe, bei Google sind es bisher rund die Hälfte.

Geleitet wird die Einheit vom früheren Cheftrainer der Gemini-Modelle, auch Mitgründer Sergey Brin ist eingebunden. Im Fokus stehen länger laufende Aufgaben wie das Verstehen ganzer Codebasen. Bessere Coding-KI gilt dabei als Zwischenschritt zu Systemen, die sich selbst weiterentwickeln können.

El Salvadors Präsident Nayib Bukele übergibt Teile der Patientenversorgung an Googles KI-Agenten Gemini. Im Mittelpunkt steht die App DoctorSV. Nutzer legen eine Patientenakte an und tragen Symptome ein. Das System wertet die Daten aus, vereinbart Arzttermine, empfiehlt Untersuchungen und überwacht die Behandlung.

Die Ankündigung erfolgt kurz nach der Entlassung von 7.700 Beschäftigten im Gesundheitswesen. Bukele hatte bereits mit Elon Musk den Einsatz des Chatbots Grok in öffentlichen Schulen vereinbart und mit Google Cloud eine langjährige Vereinbarung geschlossen.

Google hat zwei neue Recherche-Agenten auf Basis von Gemini 3.1 Pro vorgestellt. Die Standardversion Deep Research ist auf Geschwindigkeit ausgelegt, die Max-Variante auf Gründlichkeit. Sie erhält mehr Rechenzeit, um iterativ zu suchen und Berichte zu verfeinern, etwa für nächtliche Hintergrundaufgaben. Über das Model Context Protocol lassen sich eigene Datenquellen anbinden.

Googles Vergleich mit der Konkurrenz ist allerdings nicht ganz transparent. Das Unternehmen ließ OpenAIs stärkstes Suchmodell GPT-5.4 Pro außen vor, und für Anthropics Opus 4.6 nennt der Hersteller selbst höhere Werte als Google in seinen Grafiken angibt.

Podcast: KI-Update
KI-Update

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im "KI-Update" von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.

Anthropics besonders leistungsfähiges Modell Claude Mythos Preview soll laut einem Bloomberg-Bericht binnen Stunden nach der Vorstellung von Unbefugten erreicht worden sein. Eine Discord-Gruppe, die sich auf den Zugriff auf nicht öffentlich freigegebene KI-Modelle spezialisiert hat, soll teils über einen Drittanbieter, teils durch Erraten der Internetadresse Zugang erlangt haben. Eigenen Angaben zufolge ging es nicht um Cyberangriffe, sondern um Erkundung der Fähigkeiten.

Anthropic hatte Mythos als so gefährlich eingestuft, dass nur ausgewählte IT-Sicherheitsfirmen Zugang erhalten sollen. Mozillas Firefox-Team gehört dazu und schloss im jüngsten Update 271 Lücken, die mit Hilfe von Mythos gefunden wurden. Anthropic prüft den Vorgang, spielt ihn aber als reines Drittanbieter-Problem herunter.

Meta installiert auf den Systemen seiner US-Mitarbeiter eine Tracking-Software, die Mausbewegungen, Klicks und Tastenanschläge aufzeichnet. Gelegentlich werden auch Screenshots erstellt. Die Daten dieser Model Capability Initiative sollen KI-Agenten antrainieren, die Arbeitsaufgaben autonom ausführen.

Es gehe nicht um Ăśberwachung oder Leistungsbeurteilung, versichert ein Sprecher. In der EU dĂĽrfte das Vorgehen gegen die DSGVO verstoĂźen, in den USA ist es legal.

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OpenAI hat GPT Image 2 veröffentlicht. Das Modell denkt vor der Bilderzeugung nach und kann dabei das Internet durchsuchen. Der Denkmodus ist zahlenden Kunden vorbehalten und liefert bis zu acht Bilder pro Prompt, in denen Figuren, Objekte und Stil konsistent bleiben. OpenAI zeigte komplette Manga-Seiten und Designentwürfe für ganze Häuser.

Auch ohne Denkmodus verbessert sich die Darstellung von kleinem Text, Symbolen und Bedienoberflächen. Über die Programmierschnittstelle kostet ein Bild zwischen unter einem Cent und rund 21 Cent, je nach Auflösung und Qualität.

Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier hat eine strafrechtliche Untersuchung gegen ChatGPT eingeleitet. Wäre der Chatbot ein Mensch, würde er wegen Mordes angeklagt. Ein 20-Jähriger hatte im vergangenen Jahr an der Florida State University zwei Menschen getötet und sechs verletzt.

Eine Auswertung der Chatlogs ergab laut Uthmeier, dass ChatGPT dem Täter Ratschläge zur Wahl von Waffe und Munition sowie zu Uhrzeit und Tatort gegeben hatte, um die Opferzahl zu maximieren. Geprüft wird nun, ob OpenAI strafrechtlich verantwortlich gemacht werden kann.

Auf der Berliner Fachmesse DMEA bekräftigte Gesundheitsministerin Nina Warken den Ausbau der elektronischen Patientenakte. KI soll fester Bestandteil werden, dafür braucht es bessere strukturierte und interoperable Daten. Das Forschungsdatenzentrum Gesundheit, das bereits Daten aller gesetzlich Versicherten enthält, soll künftig auch ePA-Daten aufnehmen.

Auch Krankenkassen sollen KI mit Versichertendaten nutzen können. Der europäische Gesundheitsdatenraum soll EU-weit Daten zugänglich machen. KI-Reallabore, auch eines der Bundesdatenschutzbeauftragten für Krankenkassen, sollen den Umgang erproben und schnelle Korrekturen erlauben.

Ein Team des Mount Sinai Hospital in New York hat geprüft, wie zuverlässig Radiologen und KI-Modelle Deepfakes von Röntgenbildern erkennen. Selbst wenn die Ärzte gezielt auf Fälschungen achteten, lag ihre Trefferquote bei nur 75 Prozent. Auch keines der getesteten KI-Modelle erkannte die synthetischen Aufnahmen verlässlich.

Da heute ein einfacher Prompt genĂĽgt, um KnochenbrĂĽche oder Tumore zu erfinden, empfehlen die Autoren spezielle Schulungen, digitale Signaturen oder unsichtbare Wasserzeichen sowie Detektoren fĂĽr den klinischen Alltag.

Beim Musikstreamingdienst Deezer werden knapp 75.000 KI-generierte Songs pro Tag hochgeladen, fast viermal so viele wie vor einem Jahr. Deezer kennzeichnet erkannte KI-Musik und schlieĂźt sie von Empfehlungen aus. Entsprechend gehen 85 Prozent der Streams solcher Tracks auf Bots zurĂĽck.

Hintergrund ist offenbar das Abschöpfen von Tantiemen aus dem gemeinsamen Vergütungspool. Erst kürzlich bekannte sich ein Mann in den USA schuldig, mit KI-Songs und Bot-Streams mehr als acht Millionen Dollar erschlichen zu haben.

(igr)