Kopfkissen warnt gehörlose Menschen in der Nacht bei Einbrüchen und Feuer

Gehörlose Menschen können in der Nacht etwa durch Feuer bedroht sein. Akustische Warnsignale können sie aber nicht wahrnehmen. Ein Vibrationskissen kann helfen.

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Mann zieht schwarzen smarten Kissenbezug über ein Kopfkissen.

(Bild: Nottingham Trent University)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Ein Wissenschaftsteam der Nottingham Trent University (NTU) hat einen Kissenbezug entwickelt, der gehörlose Menschen nachts durch Vibration etwa bei einem Einbruch oder Feueralarm weckt und alarmiert. Die Alarme von externen Alarmsystemen erhält das Kopfkissen über ein verknüpftes Mobiltelefon.

Die meisten erhältlichen Nacht-Alarmsysteme für gehörlose Menschen sind unter dem Kopfkissen platziert und fallen recht groß aus, sodass sie beim Schlafen stören können. Die von den Wissenschaftlern der NTU entwickelte Elektronik ist dagegen dünn und flexibel. Sie steckt in einem Bezug, der über ein Standard-Kopfkissen gezogen wird. Darüber kommt dann der normale Kopfkissenbezug.

Eingebaut sind vier kleine haptische Aktuatoren mit einer Größe von 3,4 mm × 12,7 mm. Sie sind in eine garnartige Struktur eingebettet und an der Unterseite des Bezugs angebracht, sodass sie sich nicht auf der Schlafseite des Kissens befinden und beim Schlafen stören können.

Über einen Mikrocontroller ist ein Smartphone drahtlos an die Elektronik angebunden. Externe Hausalarmanlagen, die mit dem Smartphone kommunizieren, können so ihre Alarmierungen direkt an den smarten Kopfkissenbezug senden. Das System unterscheidet dabei die unterschiedlichen Alarme, etwa für Einbruchsversuche und Feuer. Auch Anrufe werden erkannt und gegebenenfalls von der Alarmierung ausgeschlossen. Bei einer Alarmierung werden jeweils unterschiedliche Vibrationsmuster je nach Art des Notfallsignals ausgegeben, die von einem gehörlosen Menschen entsprechend interpretiert werden. Die Vibrationen sollen sehr intensiv ausfallen und auch Tiefschläfer aus dem Schlaf reißen können, heißt es von den Forschern.

Die Wissenschaftler haben bei der Entwicklung des Alarm-Kissenbezugs mit Nutzern aus der Gehörlosengemeinschaft zusammengearbeitet und deren Vorschläge berücksichtigt. Nach Angaben der Forscher haben auch intensive Haltbarkeitstests stattgefunden. Der Bezug mit integrierter Elektronik überlebte dabei auch Waschgänge in einer Waschmaschine.

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Die Wissenschaftler arbeiten nun an einer Weiterentwicklung des Systems und suchen derzeit einen Industriepartner, der das Produkt herausbringen möchte.

Der smarte Kissenbezug und die dahinterstehenden Forschungsarbeiten haben die NTU-Forscher auf der ACM CHI-Konferenz (Association for Computing Machinery) Mitte April vorgestellt.

(olb)