Wetterstation für Onlinewette manipuliert? Météo-France erstattet Anzeige
Auf Polymarket kann man darauf wetten, welche Höchsttemperatur an einem bestimmten Ort erreicht wird. In Paris hat dafür womöglich jemand nachgeholfen.
(Bild: zhu difeng / Shutterstock.com)
In Frankreich untersuchen die Behörden anomale Temperaturmessungen an einer Wetterstation am Flughafen von Paris, die wohl mit Wetten auf einer Onlineplattform zusammenhängen. Das berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf den staatlichen Wetterdienst Météo-France. Dabei gehe es um Messdaten vom 6. und 15. April, die jeweils am Abend für wenige Minuten außergewöhnliche Temperaturanstiege von 4 beziehungsweise 5 Grad und parallel einen drastischen Abfall der Luftfeuchtigkeit zeigen. Insgesamt wurden durch die Temperaturen Wetten im Gesamtwert von rund 1,4 Millionen US-Dollar entschieden, mutmaßlich zugunsten von jemandem, der die Messung manipuliert hat. Den Manipulationsvorwurf erhebt Météo-France demnach in einer eingereichten Anzeige.
Immer mehr Kritik an Polymarket & Co.
Auf Internetportalen wie Polymarket kann man auf das Eintreten bestimmter Ereignisse wetten. In dem konkreten Fall geht es wohl um Wetten, bei denen Nutzer und Nutzerinnen darauf tippen, ob an einem bestimmten Ort an einem bestimmten Tag eine genannte Temperatur überschritten wird oder nicht. Die Plattformen stehen schon länger in der Kritik, weil es immer wieder Hinweise auf den Einsatz von Insiderwissen gab. Mitte Februar wurden in Israel zwei Personen angeklagt, die mit internen Informationen aus dem Militär auf das Eintreten bestimmter Ereignisse Wetten auf Polymarket abgeschlossen haben sollen. Anfang des Jahres hat ein Account auf der Plattform 400.000 US-Dollar eingenommen, weil er richtig getippt hatte, dass der venezolanische Präsident Nicolás Maduro nicht mehr lange im Amt sein würde.
(Bild: Meteociel.fr)
Laut Bloomberg hat ein Account am 15. April mehr als 21.000 US-Dollar Gewinn gemacht, als er getippt hat, dass die Maximaltemperatur am Flughafen von Paris höher ausfallen wird als 18 Grad Celsius. Die dafür nötigen 19 Grad Celsius wurden im Laufe des Tages aber nicht erreicht und um 19 Uhr war die Temperatur an der Messstation dann unter 18 Grad gefallen. Zwischen 21:12 und 21:30 Uhr stieg die gemessene Temperatur dann aber von 16,3 Grad Celsius auf 21,9 Grad Celsius, bevor sie innerhalb von Minuten wieder auf 16 Grad abgesunken ist. Einen ähnlichen Ausschlag hat es bereits am 6. April gegeben, wie sich für beide Tage auf Meteociel.fr nachvollziehen lässt.
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Welche Manipulation der Wetterdienst vermutet, schreibt Bloomberg nicht. Die Messdaten zur Temperatur und der Luftfeuchtigkeit ließen sich aber beispielsweise durch einen Föhn erklären, der in Richtung des Thermometers gehalten wurde. Bloomberg erklärt, dass die Messungen der Wetterstation von großer Bedeutung für den sicheren Flugbetrieb am Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle seien. Diese Daten werden für die Auswahl der genutzten Start- und Landebahnen sowie die Planung des Treibstoffverbrauchs genutzt. Falsche Daten könnten gefährliche Konsequenzen haben. Der Wetterdienst hat demnach zuerst die Sensordaten und die Technik selbst untersucht, bevor die Polizei eingeschaltet wurde. Polymarket hat sich zu dem Verdacht nicht geäußert.
(mho)