Ruby Central: Neustart nach Sponsorenverlust und Community-Krise
Ruby Central hat nach Sponsorenverlust finanzielle Probleme. Dazu kommt ein heftiger Disput mit der Ruby-Community. Lösen will man beides durch Reformen.
(Bild: Lightspring/Shutterstock.com)
- Manuel Masiero
Ruby Central befindet sich seit Beginn dieses Jahres in einer finanziellen Schieflage und reagiert jetzt mit einer Reihe kostensparender und struktureller Maßnahmen. Von der geschäftsführenden Direktorin Shan Cureton hat sich die gemeinnützige Organisation der Ruby-Community genauso getrennt wie vom CFO, der PR-Agentur und mehreren externen Auftragnehmern. Die monetäre Misere begann bereits 2025 durch den Wegfall von Sidekiq, einem der wichtigsten Sponsoren.
In einem weiteren Sanierungsschritt plant Ruby Central, seinen Verwaltungsrat in ein ehrenamtliches Mitarbeitergremium umzustrukturieren. Damit berichten die Vorstandsmitglieder künftig nicht mehr an einen Geschäftsführer, sondern übernehmen nun gemeinsam mit Teams aus Freiwilligen und angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern direkt Aufgaben und Verantwortlichkeiten.
Die RubyConf soll es auch zukĂĽnftig geben
Finanziell konsolidieren will sich Ruby Central auch durch das Neuverhandeln von Verträgen, ausgeweitete Fundraising-Aktivitäten sowie durch den Start der Initiativen Ruby Alliance und Project DREAM (Driving Ruby's Evolution to AI Maturity). Künftig soll es zudem ein Ausbildungsprogramm geben, um eine neue Generation von Ruby-Mitwirkenden anzulernen. Gleichzeitig habe man dafür gestimmt, die RubyConf beizubehalten, deren Ausrichter Ruby Central ist und die im Juli dieses Jahres das nächste Mal stattfindet.
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In der Ruby Alliance will Ruby Central Unternehmen versammeln, die RubyGems, das offizielle Paketsystem für Ruby, sowie das Ruby-Ökosystem durch finanzielle Unterstützung und Entwicklungszeit stärken sollen. Project DREAM zielt unter anderem darauf ab, KI-Tools und -Workflows leichter in Ruby-Anwendungen zu integrieren und Probleme zu identifizieren, die den Einsatz von Ruby in Entwicklungsumgebungen limitieren. Außerdem soll es dazu dienen, die Ruby-Unterstützung in APIs und SDKs auszuweiten.
Friedensangebot an die Ruby-Community
Mit seinem Maßnahmenpaket will Ruby Central auch verlorengegangenes Vertrauen der Ruby-Community zurückgewinnen. Zwischen beiden Parteien bestehen derzeit starke Misstöne. Nach dem Wegfall des Sponsors Sidekiq Anfang 2025 war Ruby Central finanziell praktisch abhängig von Shopify, einem weiteren großen Sponsor. Angeblich auf dessen Drängen übernahm Ruby Central im September 2025 die vollständige Kontrolle über RubyGems und das in Ruby integrierte Abhängigkeitsmanagement-Tool Bundler, beides bis dato von der Community gepflegte Open-Source-Projekte. Nach diesem Vorfall sprach die Community von einer „feindlichen Übernahme“.
Aktuell legt es Ruby Central nicht auf weitere Konflikte an. Man glaube an das Motto „MINASWAN“ („Matz is nice and so we are nice“), erklären die Vorstandsmitglieder von Ruby Central, Jey Flores und Ran Craycraft, in der offiziellen Mitteilung. Damit spielen sie auf den höflichen Ton des Ruby-Erfinders Yukihiro „Matz“ Matsumoto an und betonen, dass man kein Interesse an einem Dauerstreit habe. Gleichzeitig verstehen sie ihren Statusbericht als Einladung zum Mitmachen und rufen die Ruby-Community zur aktiven Teilnahme auf.
(mro)