Etherpad 2.7.0: Kollaborativer Web-Editor ohne Cloud-Zwang
Etherpad 2.7.0 ersetzt Abiword durch LibreOffice für DOCX-, ODT- und PDF-Konvertierung und bringt viele Bugfixes.
(Bild: at.yaya/Shutterstock.com)
Mit Version 2.7.0 des quelloffenen Echtzeit-Editors Etherpad ersetzen die Entwickler das in die Jahre gekommene Abiword durch LibreOffice als Konverter für Import und Export von DOCX-, ODT- und PDF-Dateien. Als Nebeneffekt beherrscht Etherpad den DOCX-Export nun ohne zusätzliche Werkzeuge ab Werk. Wer von einer älteren Version migriert, muss in der settings.json zwingend den Pfad zur soffice-Binary von LibreOffice eintragen – sonst bleibt die Konvertierung stecken. Daneben bringt das Release Komfortfunktionen für den Timeslider, mehr Kontrolle für Pad-Ersteller, Härtung in der Software-Lieferkette und eine lange Liste an Bugfixes.
Etherpad ist ein in Node.js geschriebener, selbst hostbarer Web-Editor für kollaboratives Schreiben in Echtzeit – funktional vergleichbar mit Google Docs, aber unter Apache-2.0-Lizenz und ohne Cloud-Zwang. Über ein Plugin-System lässt sich Etherpad um Authentifizierung, zusätzliche Exportformate oder Editorfunktionen erweitern.
Timeslider und Pad-Defaults
Der Timeslider, mit dem sich die Bearbeitungshistorie eines Pads als Replay abspielen lässt, zeigt jetzt Zeilennummern an und erlaubt es, die Wiedergabegeschwindigkeit zu verändern – schneller oder langsamer als in Echtzeit. Neu ist außerdem, dass der Ersteller eines Pads dessen Standardeinstellungen vorgibt und damit mehr Kontrolle über die initiale Konfiguration erhält. Wer mehrere Etherpad-Instanzen unter derselben Domain betreibt, kann Kollisionen zwischen Session-Cookies künftig über ein konfigurierbares Cookie-Präfix vermeiden.
Für Plugin-Entwickler gibt es den neuen Hook aceRegisterLineAttributes, mit dem sich eigene Zeilenattribute über Enter- und Zeilenumbruch-Operationen hinweg erhalten lassen. Damit verlieren etwa Plugins, die Absätze als Zitat oder Aufgabe markieren, ihre Auszeichnung beim Drücken der Eingabetaste nicht mehr. Für schnelle Erstinstallationen liefert das Projekt einen One-Line-Installer mit. Die Docker-Images stehen zusätzlich zu Docker Hub nun auch in der GitHub Container Registry (GHCR) bereit. Das npm-Publishing von Core und Plugins läuft jetzt über OIDC Trusted Publishing – langlebige API-Tokens entfallen damit, was die Sicherheit der Lieferkette erhöht.
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Bugfixes von der Datenbank bis zur Eingabe
Das Update umfasst zahlreiche Bugfixes: Etherpad liefert jetzt wieder die Datenbanktreiber für Postgres, MySQL & Co. mit; frische Installationen scheiterten zuletzt häufig schon an der Datenbankverbindung. Nach einem Reconnect schreibt Etherpad ausstehende Changesets nun sofort weg, statt sie stillschweigend zu verwerfen. Auf stark frequentierten Pads sollen zudem die sporadischen „mismatched apply“-Fehler der Vergangenheit angehören.
Die maximale Nachrichtengröße in Socket.IO steigt auf 10 MByte, sodass auch große Pastes nicht mehr am Limit scheitern. Daneben behebt das Release zahlreiche Detailprobleme rund um nummerierte Listen, Copy-&-Paste-Formatierungen, Eingaben über Tottasten sowie ESM/CJS-Interop im Settings-Modul, das zuletzt die Plugin-Kompatibilität gestört hatte. Auch an der Barrierefreiheit hat das Team gearbeitet, etwa mit besserer Screenreader-Unterstützung und aria-live-Meldungen. Die vollständigen Release Notes stehen im GitHub-Repository des Projekts bereit.
(fo)