Hannover Messe

Hannover Messe verliert Besucher: Künftige Auflage verkürzt sich

Die Hannover Messe schloss 2026 mit weniger Besuchern und wird kürzer. Die Landespolitik streitet über den künftigen Kurs.

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Ein Roboter reicht auf der Hannover Messe einem Menschen eine Packung Müsli.

Der Roboter Armar-7 des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) versuchte auf der Hannover Messe, eine Müslipackung zu greifen, ließ sie jedoch fallen.

(Bild: Robin Ahrens / heise medien)

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Die Hannover Messe stellt sich nach einem deutlichen Besucherrückgang im Jahr 2026 neu auf. Im kommenden Jahr verkürzt sie sich auf vier statt bisher fünf Tage, und zwar vom 5. bis 8. April 2027. Das teilte die Deutsche Messe AG am letzten Ausstellungstag mit. In diesem Jahr besuchten rund 110.000 Menschen die Industriemesse, das sind 13.000 weniger als im Vorjahr. Auch die Zahl der Aussteller ging zurück, und zwar um ein Viertel. Im Mittelpunkt der Fachmesse standen Künstliche Intelligenz, Automatisierung, Robotik und erstmals auch Rüstungstechnik.

Die Messe begründete den Besucherrückgang unter anderem mit Warnstreiks im Flug- und Nahverkehr, die die Anreise erschwert hätten. Rund 40 Prozent der Gäste seien aus dem Ausland gekommen. Auch einige heise-Redakteure nahmen an den Warnstreiktagen Montag und Dienstag lieber das Fahrrad, da der Großteil des Nahverkehrs stillstand und sich vor dem Messegelände Staus bildeten.

In einem Statement gegenüber der dpa sieht Messe-Chef Jochen Köckler die künftige Verkürzung als eine konsequente Weiterentwicklung für mehr Effizienz und Nähe zur Industrie. Auch der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, Benedikt Hüppe, sieht in der Kürzung auf die vier besucherstärksten Tage von Montag bis Donnerstag einen konsequenten Schritt für einen klareren Fokus.

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Die AfD kritisierte die Entwicklung: „Die diesjährige Hannover Messe war kein Aufbruchssignal, sondern ein Stresstest - und dieser fällt ernüchternd aus“, sagte der AfD-Landtagsabgeordnete Omid Najafi der dpa. Nicht einmal die Hälfte der Messehallen sei belegt gewesen. „Das ist nicht Verdichtung, das ist Rückbau.“

Kritik kam auch von der CDU im Landtag. Fraktionschef Sebastian Lechner äußerte Besorgnis über den Standort Hannover und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Niedersachsen hält 50 Prozent der Anteile an der Deutschen Messe AG. Lechner forderte ein Zukunftskonzept für die Messe, auch mit Blick auf ihre Größe. Zudem brachte er einen strategischen Investor ins Spiel, der neben Kapital auch Know-how einbringen solle. Der Landesregierung warf er vor, nicht entschlossen genug zu handeln: „Auf mich wirkt es so, dass es noch keine Grundsatzentscheidung gibt, wo die Messe hin will“, sagte Lechner.

Die Landesregierung widersprach der Kritik. Politisch sei die Messe ein „voller Erfolg“ gewesen, so ein Regierungssprecher. Als Beleg dafür verwies er unter anderem auf den Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und den des Präsidenten des Partnerlands Brasilien, Luiz Inácio Lula da Silva, sowie auf zahlreiche Gespräche zu internationalen Handelsbeziehungen. Zugleich räumte die Landesregierung ein, dass sich die wirtschaftlichen Herausforderungen negativ auf die Zahl der Besucher und Aussteller ausgewirkt hätten. Ein Zukunftskonzept und die weitere Ausrichtung der Messe würden im Aufsichtsrat der Messegesellschaft beraten, so der Regierungssprecher. Im Aufsichtsrat sitzen unter anderem Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) und Umweltminister Christian Meyer (Grüne).

Vom Wirtschaftsministerium hieß es, alle Beteiligten seien sich darüber im Klaren, dass Handlungsbedarf bestehe. Ein Konzept sei in Vorbereitung. Sobald die Planungen abgeschlossen seien, solle darüber informiert werden: „Da braucht sich Herr Lechner wirklich keine Sorgen zu machen, dass die Messe nicht im Fokus dieser Landesregierung steht“, so das Wirtschaftsministerium gegenüber der dpa.

Bei unseren Besuchen auf der Hannover Messe wurde vor allem die Robotik als treibendes Thema sichtbar. An kaum einer Ecke marschierte oder rollte kein Roboter durch die Gänge. Bis die humanoiden Exemplare in der Fertigung helfen können, sind aber noch einige Hürden zu nehmen. Auch Exoskelette für leichteres Heben und die KI-gestützte Diagnose von Hautkrankheiten wurden in Hannover vorgestellt. Im kommenden Jahr ist Spanien das Partnerland der Messe.

(jpw)