Trump entlässt Mitglieder des US-Wissenschaftsgremiums

US-Präsident Donald Trump hat mehrere Mitglieder des National Science Board entlassen. Das Gremium entscheidet über die Verwendung staatlicher Forschungsmittel.

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Weißes Haus in Washington D.C., Frontansicht mit Säulen, US-Flagge, Garten und Zaun im Vordergrund bei Tageslicht

(Bild: ChiccoDodiFC/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Das Weiße Haus entließ am Wochenende mehrere Mitglieder des National Science Board. Die Mitglieder erhielten eine Nachricht, in der es hieß, ihr Amt werde „im Namen von Präsident Donald Trump“ mit sofortiger Wirkung beendet, schreibt die Washington Post. Das Gremiumsmitglied Keivan Stassun gab gegenüber der Zeitung an, er habe persönlich von etwa einem Drittel der Mitglieder eine entsprechende Bestätigung erhalten. Wie viele Mitglieder des Wissenschaftsgremiums tatsächlich entlassen wurden und ob sie ersetzt werden, ist derzeit noch unklar. Das Weiße Haus äußerte sich bislang nicht dazu und nannte auch keine Gründe für die Abberufungen.

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Die Kritik aus dem demokratischen Lager ließ nicht lange auf sich warten. Die führende Demokratin im Wissenschaftsausschuss des US-Repräsentantenhauses, Zoe Lofgren, warf Präsident Trump vor, Wissenschaft und amerikanische Innovation weiter zu schädigen. Auch einige der abberufenen Mitglieder äußerten sich bereits. „Ich bin zutiefst enttäuscht, auch wenn mich das nicht wirklich überrascht“, sagte der Forscher Willie E. May der New York Times. „Mit wachsender Besorgnis habe ich den systematischen Abbau der wissenschaftlichen Beratungsstrukturen dieser Regierung verfolgt, und das National Science Board ist lediglich das jüngste Opfer.“

Das Gremium wurde 1950 mit der National Science Foundation (NSF) eingerichtet, einer unabhängigen US-Bundesbehörde mit einem Jahresbudget von rund 9 Milliarden US-Dollar, die Grundlagenforschung und wissenschaftliche Infrastruktur in den USA fördert. Das National Science Board steuert die strategische Ausrichtung der NSF, wacht über wissenschaftliche Standards, genehmigt Forschungsprogramme und berät den Präsidenten sowie den Kongress in Fragen der Wissenschafts- und Forschungspolitik. Viele heute verbreitete Technologien wie MRT-Geräte, Mobilfunk und LASIK-Augenchirurgie gehen auf von der NSF geförderte Forschung zurück.

Das National Science Board besteht aus 24 Mitgliedern, die aus Wissenschaftlern und Ingenieuren aus Hochschulen und Industrie stammen, sowie dem NSF-Direktor. Sie werden vom Präsidenten für sechs Jahre ernannt. Das Amt des Direktors ist seit etwa einem Jahr unbesetzt, nachdem der frühere Direktor zurückgetreten war. Sein Rückzug fiel in eine Phase erheblicher politischer und finanzieller Unsicherheit bei der NSF: Der Haushaltsentwurf des Präsidenten für das Jahr 2026 sah eine Kürzung des NSF-Budgets um rund 55 Prozent vor. Der Kongress lehnte diesen Vorschlag jedoch weitgehend ab. Auch für das Jahr 2027 schlägt das Weiße Haus erneut tiefe Einschnitte bei der NSF vor.

Ähnliche Entwicklungen gab es zuletzt auch bei anderen wissenschaftsnahen Institutionen. Berichte beschreiben wachsenden politischen Druck auf Forschungseinrichtungen. Experten warnen vor den langfristigen Folgen für Innovation und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der USA, sollten sich diese Entwicklungen fortsetzen.

(tobe)