KI-Update kompakt: Personalabbau, KI-Banker, KI-Chips , Batteriefertigung

Das "KI-Update" liefert drei mal pro Woche eine Zusammenfassung der wichtigsten KI-Entwicklungen.

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Inhaltsverzeichnis

Meta will rund 8000 Stellen streichen, etwa ein Zehntel der Belegschaft. Auch Mitarbeitende mit guter Leistung sollen gehen, dazu zieht der Konzern 6000 Stellenausschreibungen zurück. Microsoft setzt auf ein freiwilliges Abfindungsprogramm für Beschäftigte, deren Alter plus Firmenjahre die Summe 70 erreichen. So sollen sieben Prozent der US-Stellen wegfallen, rund 9000 Arbeitsplätze.

Offiziell sprechen die Konzerne von Effizienzgewinnen. Vermutlich finanzieren die Kürzungen aber die gewaltigen KI-Investitionen. Meta steckte allein im Vorjahr knapp 72 Milliarden Dollar in Rechenzentren und will diese Summe nun fast verdoppeln. Das übersteigt sogar das Umlaufvermögen, obwohl das Werbegeschäft Rekordzahlen schreibt. Langfristig dürften die Belegschaften kaum schrumpfen: Meta plant weiter, teure KI-Spezialisten einzustellen.

Der kanadische KI-Anbieter Cohere und das deutsche Unternehmen Aleph Alpha verschmelzen zu einer Firma. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger sprach von einem entstehenden globalen KI-Champion mit Standorten in Heidelberg und Toronto. Die gemeinsame Firma soll Regierungen, kritischen Infrastrukturen und Unternehmen ein politisches Gegengewicht zu den marktbeherrschenden Anbietern bieten.

Möglich machte den Deal Schwarz Digits, die IT-Tochter der Lidl-Kaufland-Gruppe und Anteilseigner von Aleph Alpha. Schwarz steuert Rechenkapazitäten und Dienste der eigenen Cloud Stackit bei und investiert eine halbe Milliarde Euro.

Forschende von Handshake AI, einem Geschäftszweig der Karriereplattform Handshake, und der McGill University haben neun Spitzenmodelle vor die Aufgaben von Junior-Investmentbankern gestellt. Rund 500 aktive und ehemalige Banker großer Banken wie Goldman Sachs und JPMorgan bewerteten die Resultate. Geprüft wurden konkrete Arbeitsprodukte: Excel-Modelle mit echten Formeln, PowerPoint-Präsentationen, PDF-Berichte und Word-Memos. Jedes Ergebnis musste rund 150 Einzelkriterien erfüllen.

GPT-5.4 schnitt am besten ab, fiel aber bei fast der Hälfte aller Kriterien durch. Nur 16 Prozent der Ergebnisse galten als brauchbarer Ausgangspunkt, kein einziges als abgabereif. Claude Opus 4.6 lieferte ansprechende Tabellen, trug Kennzahlen aber als feste Werte statt als Formeln ein. Die häufigsten Fehler bei GPT-5.4 betrafen Code und Formeln, gefolgt von Logikfehlern.

OpenAI hat GPT-5.5 veröffentlicht. Das Modell führt den Artificial Analysis Intelligence Index mit drei Punkten Vorsprung an und kostet über die API rund 20 Prozent mehr als der Vorgänger. Im Faktenwissen-Benchmark erreicht es mit 57 Prozent die höchste Genauigkeit aller getesteten Modelle.

Die Halluzinationsrate liegt allerdings bei 86 Prozent. Das Modell antwortet also auch dann, wenn es die richtige Antwort nicht kennt. Anthropics Claude Opus 4.7 kommt hier auf 36 Prozent, Gemini 3.1 Pro Preview auf 50 Prozent.

OpenAI sucht nach Schwachstellen in den Sicherheitsmechanismen seines neuen Modells. Forschende sollen versuchen, ChatGPT 5.5 dazu zu bringen, fünf gefährliche Fragen aus dem Bereich biologischer Gefahren zu beantworten, etwa zu Kampfstoffen oder Krankheitserregern.

Für den ersten erfolgreichen universellen Jailbreak zahlt das Unternehmen 25.000 Dollar.

Podcast: KI-Update
KI-Update

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im "KI-Update" von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.

Anthropic hat Claude Code für Neukunden im günstigen Pro-Tarif entfernt. Das Unternehmen bezeichnete den Schritt als kurzen Test mit wenigen Betroffenen und machte ihn rückgängig. Allein der Versuch zeigt aber, wie wackelig das Geschäftsmodell des Vibecoding ist, also der Idee, dass jeder per Prompt eine App entwickeln kann.

Die KI-Anbieter schreiben rote Zahlen, jeder neue Nutzer treibt die Kosten. Wer zahlende Unternehmenskunden für 100 € im Monat gewinnen will, macht Einstiegsangebote für 20 € unattraktiv. Ob OpenAI und Google nachziehen, ist offen. Lokale KI-Modelle könnten eines Tages eine Alternative sein, halten aber bisher nicht mit den Cloud-Modellen mit.

Meta erweitert die Elternaufsicht in Teen-Konten um einen Bereich für KI-Chats. Eltern sollen sehen können, über welche Themen ihre Kinder in den vergangenen sieben Tagen mit Meta AI gesprochen haben. Die Einblicke bleiben allgemein und beschränken sich auf Bereiche wie Schule, Unterhaltung und Gesundheit. Die Chatverläufe selbst bleiben verborgen.

Bei Themen wie Suizid und Selbstverletzung will Meta Warnmeldungen an Eltern senden, auch wenn die KI die Anfragen ablehnt. Reguläre Konten erlaubt das Unternehmen erst ab 13 Jahren. Die Funktion startet in den USA, Großbritannien, Australien, Kanada und Brasilien. Weitere Länder folgen im Lauf des Jahres.

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Das chinesische Start-up DeepSeek hat eine neue Modellgeneration mit veränderter Architektur, achtfach längerem Kontextfenster und nach eigenen Angaben besseren Coding- und Mathematik-Leistungen veröffentlicht. Damit setzt sich DeepSeek erneut an die Open-Source-Spitze. Experten verorten das Modell aber etwa drei bis sechs Monate hinter den weltweiten Spitzenmodellen.

Schwächen zeigt v4 beim Allgemeinwissen, wo andere Top-Modelle deutlich besser abschneiden. Der Preisvorteil bleibt erhalten: Zwar kostet das Pro-Modell mehr API-Aufrufe als der Vorgänger v3.2, liegt aber weit unter den Tarifen von OpenAI und Anthropic.

Das US-Außenministerium hat ein Telegramm an Botschaften und Konsulate verschickt, das Diplomaten auffordert, in ihren Gastländern vor chinesischen KI-Firmen zu warnen. Namentlich genannt werden DeepSeek, Moonshot und MiniMax. Vorgeworfen wird ihnen der Diebstahl geistigen Eigentums.

Im Zentrum steht die sogenannte Destillation, bei der ein schwächeres Modell anhand der Ergebnisse eines stärkeren trainiert wird. So entstünden in kurzer Zeit günstige oder kostenlose Konkurrenzprodukte, oft ohne vergleichbare Sicherheitsvorkehrungen. China wertet die Vorwürfe als gezielte Angriffe auf die eigene KI-Branche.

Der Netzteil-Spezialist Anker steigt in den Markt für KI-Beschleuniger ein, allerdings nicht für Server, sondern für winzige Endgeräte wie Headsets. Der Chip namens „Thus“ verzichtet auf starke Rechenkerne und nutzt elektrische Widerstände. „Thus“ misst nur wenige Quadratmillimeter und benötigt wenige Milliwatt.

Mit rund fünf Milliarden Berechnungen pro Sekunde liegt Thus um den Faktor 10.000 unter den KI-Einheiten in Mobilprozessoren wie Intels Core Ultra 300. Für Spezialaufgaben wie Geräuschunterdrückung bei Telefonaten reicht das laut Anker. Produziert wird in Dresden, vermutlich bei Global Foundries. Anker selbst stammt aus China.

Der Kohl-Verlag aus Kerpen soll KI-generierte Inhalte als menschliche Werke ausgegeben haben. In Arbeitsheften für den inklusiven Unterricht fand der Spiegel typische KI-Bildfehler wie deformierte Tiere, körperlose Köpfe und überzählige Finger. Die angebliche Autorin entpuppte sich als Pseudonym.

Der Verlagsleiter erklärte gegenüber heise online, die Kritik werde ernst genommen. Der Verlag hat die betroffenen Titel aus dem Programm genommen und prüft das gesamte Portfolio auf ähnliche Mängel. Künftig sollen KI-Materialien strenger geprüft werden.

Die nordrhein-westfälischen Sozialgerichte verzeichnen 2025 einen Anstieg der Eilverfahren um mehr als 55 Prozent, vordergründig zu Bürgergeld und Arbeitslosenversicherung. Eine Ursache ist laut Gerichtspräsident Jens Blüggel, dass Kläger ohne Anwalt mit KI-Hilfe erstellte Schriftsätze einreichen. Diese seien oft sehr lang, enthielten viele unergiebige Anträge und Verweise auf Urteile, die teilweise gar nicht existieren.

Es handele sich um einen bundesweiten Trend. Die NRW-Sozialgerichtsbarkeit testet selbst KI-Lösungen, um lange Schriftsätze schneller zu bearbeiten. Die Datenschutzauflagen seien dabei besonders streng.

Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen innerhalb von zwei Jahren die Hälfte aller Regierungsbereiche mit autonomer KI betreiben. Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum kündigte das Vorhaben auf X an. Gemeint sind agentische Systeme, die eigenständig analysieren, entscheiden und handeln.

KI solle ein „Exekutivpartner“ werden, der Dienste verbessert und Entscheidungen beschleunigt. Alle Bundesangestellten sollen geschult werden. Damit wären die Emirate nach eigenen Angaben die erste Regierung weltweit, die in diesem Umfang auf autonome KI setzt.

BMW arbeitet mit der Universität Zagreb daran, die Batteriezellenproduktion durch KI zu beschleunigen. Modelle analysieren Versuchsdaten und Echtzeitdaten aus der laufenden Fertigung, erkennen Muster und sagen Prozessparameter sowie Leistungsdaten voraus. Die Zahl nötiger Testreihen sinkt, der Zeitaufwand soll um die Hälfte fallen.

Eine weitere Ersparnis liegt im möglichen Wegfall der Batteriezellen-Quarantäne. Bislang werden die Zellen nach der Produktion und einer ersten Ladung unter definierten Bedingungen gelagert und geprüft, bevor sie ins Gehäuse kommen. Die KI analysiert die Zellen direkt nach der Fertigung vollständig, wodurch die Lagerung entfallen kann.

Sonys KI-Labor hat den Roboter „Ace“ vorgestellt, der professionelle Tischtennisspieler bezwingen kann. Neun Kameras und drei eigens entwickelte ereignisbasierte Sensoren erfassen Position und Rotation des Balls hunderte Male pro Sekunde. Ein achtachsiger Arm führt die Bewegungen aus, die ein per Reinforcement Learning trainiertes Modell berechnet.

Trainiert wurde Ace zunächst vollständig in einer Simulation, wobei Erkenntnisse aus der Rennspiel-KI „GT Sophy“ einflossen, die menschliche Spitzengamer in Gran Turismo schlug. Im März 2026 trat Ace gegen drei Profispieler an und schlug alle mindestens einmal.

(igr)