Vom 360-Grad-Video zur 3D-Welt: Insta360 kooperiert mit Splatica

Der Kamerahersteller Insta360 und das Softwareunternehmen Splatica kooperieren, um kurze 360-Grad-Videos in fotorealistische und begehbare 3D-Szenen zu wandeln.

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Auf seiner Webseite stellt Splatica einige Beispiele für volumetrische, digitale Replikas in Form von 3D-Rundgängen vor.

(Bild: Splatica)

Lesezeit: 3 Min.
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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Der chinesische Hersteller von 360-Grad-Kameras Insta360 und das Londoner Softwareunternehmen Splatica gehen gemeinsame Wege: Beide Firmen haben eine strategische Partnerschaft angekĂĽndigt, um aus kurzen Rundumvideos 3D-Szenen zu rekonstruieren.

Hinter dem sperrigen Begriff „3D Gaussian Splatting“ (kurz 3DGS) steckt ein noch recht neues Verfahren, mit dem sich aus normalen Videoaufnahmen erstaunlich fotorealistische, dreidimensionale und begehbare Szenen berechnen lassen.

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Die Splatica-Software war zunächst für virtuelle Rundgänge, Ortsbesichtigungen und Filmvorbereitung gedacht. In seinem LinkedIn-Profil nennt Splatica hochwertige digitale Abbilder realer Orte für virtuelle Produktion und Location-Scouting. Auf der Website betont das Unternehmen inzwischen den Schwerpunkt Robotik und Physical AI.

3D-Szenen dienen in Simulationsumgebungen wie Isaac Sim und Omniverse zum Training von Robotern in digitalen Kopien echter Umgebungen. Gaussian-Splats werden beispielsweise in Simulationen fĂĽr selbstfahrende Autos oder Flugroboter und im Training von Physical AI fĂĽr die Robotik eingesetzt, etwa wenn ein Roboter lernen soll, sich durch Lagerhallen, BĂĽros oder Wohnungen zu bewegen.

Wer bisher solche 3D-Inhalte erstellen wollte, musste tief in die Tasche greifen und viel Zeit mitbringen. Mehrkamera-Aufbauten, manuelle Photogrammetrie oder Laser-Scanner-Setups führten oft zu unvollständigen Daten, langen Verarbeitungszeiten und hohen technischen Hürden. Mit der Partnerschaft von Insta360 und Splatica soll der Aufwand deutlich sinken: ein kurzes 360-Grad-Video aufnehmen, die Datei hochladen und die Plattform alles automatisch erledigen lassen.

Zunächst nimmt man ein kurzes 360-Grad-Video mit einer Insta360-Kamera, zum Beispiel der X5, oder der Drohne Antigravity A1 auf. Die Onlineplattform von Splatica verwandelt das Material anschließend in 3DGS-Szenen und digitale Zwillinge. Sie ist auf Geschwindigkeit und Einfachheit ausgelegt und soll in fünf Minuten das aufgenommene Material umwandeln. Splatica nutzt dabei die volle Kugelabdeckung für mehr Vollständigkeit und visuelle Detailtreue.

Die fertige Umgebung steht bereit fĂĽr interaktive Webbetrachter, VR-Umgebungen und den Export fĂĽr Unity, Unreal Engine, Nvidia Isaac Sim und Omniverse. Auf der von Antigravity betriebenen Website zeigen die Partner eine Umgebung der Ruinenstadt Pompeji als Beispiel.

Auf der Website zur 360-Grad-Drohne Antigravity kann man ein 3D-Modell der Ruinen von Pompeji virtuell betrachten.

Der Splatica-Dienst kostet zum Einführungspreis im günstigsten Abo 34,95 US-Dollar, regulär 49,95 US-Dollar im Monat und verarbeitet zu diesem Tarif fünf Minuten Material. Das Unternehmen verlangt für zusätzliche Verarbeitung 25 Cent pro Sekunde. Höhere Kontingente kosten rund 100 beziehungsweise 200 US-Dollar pro Monat.

Laut Antigravity-Website gibt es im Rahmen der gemeinsamen Aktion rund um Project Eternal für die ersten 1000 Teilnehmer eine komplette Szene gratis. Das Projekt läuft seit 24. April 2026.

(akr)