Google schließt KI-Deal mit Pentagon

Google hat den umstrittenen KI-Deal mit dem US-Verteidigungsministerium offenbar abgeschlossen. Zuvor hatten KI-Experten des Unternehmens Kritik geäußert.

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Google-Logo über einem Gebäudeeingang

(Bild: Schager/Shutterstock.com)

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Google geht den umstrittenen KI-Deal mit dem US-Verteidigungssministerium offenbar ein – trotz des Widerstands von über 600 seiner KI-Experten. Das berichtet das Nachrichtenportal The Information unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Damit darf das Pentagon Googles KI-Modelle zukünftig für „jeden rechtmäßigen, staatlichen Zweck“ nutzen – auch für geheime militärische Aufgaben.

Mit der Unterzeichnung des Vertrags ist Google das nächste der marktführenden US-amerikanischen KI-Unternehmen, das seine KI-Modelle dem Pentagon vollumfänglich zur Verfügung stellt. In den vergangenen Monaten waren OpenAI und xAI bereits ähnliche Verträge mit dem Pentagon eingegangen. Deren führende KI-Modelle dürfen mittlerweile auf geheimdienstlich klassifizierten Netzwerken betrieben werden.

Zuvor hatten sich über 600 führende KI-Experten von Google noch gegen den bevorstehenden Vertragsabschluss gewehrt. Sie forderten Konzernchef Sundar Pichai in einem Schreiben auf, den Einsatz von Googles KI-Modellen für geheime militärische Zwecke abzulehnen. Schließlich könne Google bei einer geheimen Nutzung seiner KI-Technik nicht verhindern, dass sie vertragswidrig eingesetzt werde, erklärten die KI-Experten, darunter viele des Forschungslabors Google DeepMind.

„Wir möchten, dass KI der Menschheit zum Vorteil gereicht, sie nicht in unmenschlicher oder extrem schädlicher Weise eingesetzt sehen“, schreiben die besorgten Mitarbeitenden. „Das umfasst tödliche autonome Waffen und Massenüberwachung, geht aber darüber hinaus.“

The Information zufolge enthält der Vertrag zwischen Google und dem Pentagon zwar eine Klausel, die den Einsatz von Googles KI-Systemen für die Massenüberwachung im Inland und für autonome Waffensysteme ohne menschliche Aufsicht ausschließt. Die Vereinbarung räumt Google allerdings keine Rechte ein, operative Entscheidungen der Regierung zu kontrollieren oder gar Einspruch zu erheben. Faktisch wäre der uneingeschränkte Einsatz von Googles KI-Modellen für militärische Zwecke damit ermöglicht.

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Der Nachrichtenagentur Reuters erklärte Google, Regierungsbehörden sowohl bei geheimen als auch nicht geheimen Operationen zu unterstützen. Das Unternehmen verpflichte sich aber weiterhin dazu, KI-Technologie nicht für die inländische Überwachung oder autonome Waffen einzusetzen.

„Wir sind der Ansicht, dass die Bereitstellung eines API-Zugangs zu unseren kommerziellen Modellen, einschließlich der Google-Infrastruktur, unter Einhaltung branchenüblicher Praktiken und Bedingungen einen verantwortungsvollen Ansatz zur Unterstützung der nationalen Sicherheit darstellt“, erklärte ein Sprecher von Google gegenüber Reuters.

Laut dem Reuters-Bericht äußerte das Pentagon, kein Interesse daran zu haben, KI-Systeme zur Massenüberwachung oder für menschenunabhängige Waffensysteme einsetzen zu wollen. Man wolle KI nur „rechtmäßige Zwecke“ nutzen. Was das Ministerium allerdings als legal einstuft, wandelt sich. In jüngster Vergangenheit etwa griffen die USA wiederholt zivile Boote vor der Küste Venezuelas an. Die Boote sollen mutmaßlich Drogen geschmuggelt haben.

KI-Technologie soll in den vergangenen Monaten außerdem mehrfach für Einsätze des US-Militärs genutzt worden sein. Bei der Ergreifung des ehemaligen venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro soll KI den Einsatz unterstützt haben. Und auch im Iran-Krieg verdichten sich die Hinweise darauf, dass Palantirs KI-System Maven Smart System (MSS) bereits genutzt wurde, um Ziele für Militärschläge auszuwählen. Eine fehlerhafte Einschätzung des KI-Systems könnte dabei der Grund für den tödlichen US-Luftschlag am 28. Februar auf eine iranische Schule in Minab gewesen sein (rah)