Musk vs. OpenAI: KI-Firma verdankt dem Milliardär angeblich fast alles

In Oakland muss ein Gericht jetzt klären, ob Elon Musk durch das Vorgehen von OpenAI betrogen wurde. Dafür durfte der Milliardär am Dienstag lange aussagen.

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Elon Musk

(Bild: Press Connect/Shutterstock.com)

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Im viel beachteten Rechtsstreit zwischen Elon Musk und der Führung von OpenAI hat der Milliardär seinen Vorwurf wiederholt, dass das Vorgehen des KI-Unternehmens einen gefährlichen Präzedenzfall setzen würde. „Es ist nicht in Ordnung, eine Wohltätigkeitsorganisation zu stehlen, das ist meine Meinung“, zitiert Bloomberg eine von Musks Aussagen aus der Befragung am Dienstag. Sollte OpenAIs Abschied vom nicht profitorientierten Vorgehen genehmigt werden, werde das „als Vorwand dienen, um jede gemeinnützige Organisation in Amerika auszuplündern“, behauptete er demnach noch. Ansonsten ging es vor allem um Musks Version der Gründungsgeschichte von OpenAI und KI-Konzepte wie AGI, also „Artificial General Intelligence“. Am Mittwoch soll er weiter befragt werden.

Laut den Zusammenfassungen hat Musk den Großteil seiner anfänglichen Aussage damit zugebracht, von seinem Weg in die USA und seinen Unternehmensgründungen zu erzählen. Als es um OpenAI ging, habe er behauptet, dass er die entscheidende Kraft bei der Gründung des KI-Labors gewesen ist, und zwar als Reaktion auf ein Gespräch mit dem Google-Gründer Larry Page. Der habe auf die Frage, ob KI die Menschheit nicht vernichten könnte, nur mit der Schulter gezuckt, für ihn habe nur das Überleben von KI gezählt, zitiert The Verge. Das sei verrückt gewesen, meinte Musk demnach und: „Er hat mich als Speziesist bezeichnet, weil ich für den Menschen bin.“ Laut dieser Version wurde OpenAI also gezielt gegründet, um Google daran zu hindern, bei der KI-Entwicklung zu viel Macht zu bekommen.

Auf die Entstehung von OpenAI hat Musk demnach entscheidenden Einfluss genommen: „Ich hatte die Idee, habe den Namen gefunden, die wichtigsten Leute rekrutiert, ihnen alles beigebracht, was ich weiß, und die gesamte Startfinanzierung bereitgestellt. Ansonsten nichts.“ Er habe das Labor profitorientiert gründen können, das aber absichtlich nicht gemacht, zitiert ihn The Verge weiter. Später hat er demnach aber eingestanden, dass es schon damals durchaus Gespräche über eine Profitorientierung gab, nur zu anderen Bedingungen, als jene, die später realisiert wurden. Musk scheine das Gericht also überzeugen zu wollen, dass er einer Umwandlung zugestimmt hätte, nur eben nicht genau der, zu der es nach seinem Ausscheiden gekommen ist.

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In dem Verfahren (Az. 4:24-cv-04722) geht es um eine Klage, die Elon Musk vor zwei Jahren gegen seine ehemaligen Geschäftspartner eingereicht hat. Der Milliardär war drei Jahre lang im Vorstand von OpenAI, ist aber ausgeschieden, bevor die KI-Firma mit ChatGPT den aktuellen KI-Hype ausgelöst und später ein gewinnorientiertes Tochterunternehmen gegründet hat. Er wirft den Verantwortlichen vor, damit gegen die Gründungsvereinbarung verstoßen zu haben, in der festgelegt wurde, dass OpenAI eine sogenannte Artificial General Intelligence (AGI) zum Wohle der Menschheit entwickeln würde und nicht zur Gewinnmaximierung Einzelner. Als AGI wird ein KI-System bezeichnet, das jede intellektuelle Aufgabe wie ein Mensch verstehen und ausführen kann.

Die zuständige Richterin Yvonne Gonzalez Rogers hat Musk und die Gegenseite in Person von OpenAI-CEO Sam Altman und von Greg Brockman, dem Präsidenten der KI-Firma, noch aufgefordert, nicht zu viel auf Social Media zu posten, berichtet Bloomberg noch. Dem haben demnach alle drei zugestimmt. Laut der Nachrichtenagentur AP wird nicht nur davon ausgegangen, dass die beiden ebenfalls aussagen werden, auch Microsoft-CEO Satya Nadella soll demnach vor Gericht erscheinen. Musk dürfte am Mittwoch von der Verteidigung befragt werden. Nebenbei hat er vor Gericht noch behauptet, dass er pro Woche 80 bis 100 Stunden arbeitet, keine Ferien macht und weder Ferienhäuser noch Jachten besitzt.

(mho)