Unitrees humanoider G1-Roboter arbeitet auf japanischem Flughafen

Der G1-Roboter soll Aufgaben in der Gepäckabfertigung am Flughafen Tokio-Haneda übernehmen und menschliches Personal bei der Arbeit unterstützen.

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G1-Roboter tanzt.

Bisher ist der humanoide G1-Roboter hauptsächlich für seine akrobatischen und tänzerischen Fähigkeiten bekannt, nun soll er am Flughafen arbeiten.

(Bild: Unitree Robotics / Screenshot)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Der humanoide Roboter G1 des chinesischen Robotikherstellers Unitree Robotics hat auf dem Haneda Airport in Tokio bei Japan Airlines ein neues Aufgabenfeld gefunden. Der eigentlich für schwere Arbeiten eher ungeeignete Roboter wird dort derzeit testweise in der Gepäckabfertigung eingesetzt, um menschliches Personal zu unterstützen, schreibt der Guardian. Bald soll der G1 Aufgaben dauerhaft übernehmen.

Rund 60 Millionen Passagiere werden jährlich am Flughafen Tokio-Haneda abgefertigt. Dabei fällt viel Gepäck und auch Fracht an, die bewegt werden müssen. Auf dem japanischen Arbeitsmarkt herrscht jedoch aufgrund der überalterten Gesellschaft Mangelware an Arbeitskräften im erwerbsfähigen Alter. Kaum jemand mag noch die teils schwere und belastende Arbeit verrichten.

Um die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter von Japan Airlines zu verbessern, setzt die Fluglinie auf den humanoiden G1-Roboter, der körperlich schwere Arbeit Hand in Hand mit den menschlichen Arbeitern verrichten soll. Die sicherheitsrelevanten Arbeiten sollen jedoch weiterhin von Menschen erledigt werden, betont die Airline. Konkret geht es um den Umgang mit Gepäck, Fracht und Ausrüstung, die häufig unter Zeitdruck verwaltet und abgefertigt werden müssen.

Dass dafür ein G1-Roboter eingesetzt wird, ist allerdings verwunderlich, denn er ist mit 1,32 m relativ klein, wiegt lediglich 35 kg und kann entsprechend nur mit leichten Objekten bis zu 3 kg pro Arm umgehen. Das scheint eigentlich nicht optimal zu sein, um ihn für schwere Arbeiten einzusetzen. Auch der kleine Akku von lediglich 9000 mAh lässt den Roboter nicht besonders lange durchhalten: Nach maximal zwei Stunden muss er gewechselt werden. Offensichtlich scheint das jedoch auszureichen, um den Roboter sinnvoll am Flughafen einsetzen zu können.

Bisherige Versuche, den Gepäckabfertigungsbetrieb an Flughäfen mit Robotern zu automatisieren, sind weitgehend fehlgeschlagen. Der Grund: Auf spezielle Aufgaben ausgerichtete Roboter können nicht flexibel genug in dynamischen Umgebungen eingesetzt werden. Humanoide Roboter können aufgrund ihrer ausgeprägten Wahrnehmungssensorik und ihrer Künstlichen Intelligenz (KI) auch auf unvorhersehbare Ereignisse reagieren und sicher mit menschlichen Arbeitskräften kollaborativ arbeiten. Der humanoide Aufbau begünstigt ihren Einsatz in für Menschen gemachten Arbeitsumgebungen. Anpassungen an die Arbeitsinfrastruktur müssen so nicht vorgenommen werden.

Die Umsetzung und die Integration des G1-Roboters in die Flughafenumgebung erfolgen in Kooperation mit dem japanischen Internetunternehmen GMO Internet Goup. Dazu erstellten die Projektingenieure einen digitalen Zwilling des G1 und bildeten mittels Motion-Capture- und Videodaten menschliche Arbeitsweisen nach. In der virtuellen Umgebung erlernt der Roboter durch Reinforcement Learning, die angedachten Aufgaben immer besser und vor allem unter unterschiedlichen Bedingungen durchzufĂĽhren. Die Trainingsdaten werden auf den echten Roboter ĂĽbertragen und angepasst. Der G1 kann dann die Aufgaben in realen Umgebungen erledigen.

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Ab Mai soll der G1 in der Gepäckabfertigung eingesetzt werden. Bisher wurden lediglich einzelne Tests durchgeführt. Die Einführung des humanoiden Roboters erfolge jedoch schrittweise. Es sollen weiterhin geeignete Arbeiten gefunden werden, die der Roboter dann selbstständig unter Beachtung von Sicherheitsbestimmungen durchführt. Die Anwendung des Roboters werde durchgängig evaluiert, um ihn nur in Bereichen einzusetzen, wo er auch sinnvolle Aufgaben durchführen kann. Das Projekt mit GMO ist zunächst auf zwei Jahre angelegt.

(olb)