KI-Update kompakt: OpenAI, Google, GitHub Copilot, Talkie

Das "KI-Update" liefert drei mal pro Woche eine Zusammenfassung der wichtigsten KI-Entwicklungen.

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Inhaltsverzeichnis

OpenAI hat seine Leitlinien überarbeitet. Aus der Charter von 2018, die eine allgemeine künstliche Intelligenz zum Wohle aller versprach, sind die "Principles" geworden. CEO Sam Altman wählt darin einen persönlicheren, zugleich politischeren Ton. Das Unternehmen wendet sich rhetorisch gegen die Konzentration von Macht bei wenigen Konzernen, verteidigt jedoch zugleich seine eigenen milliardenschweren Investitionen in Rechenzentren und Chips als Voraussetzung für KI im großen Maßstab.

Wirtschaftliche Fragen rücken in den Vordergrund. Die Principles versprechen "universellen Wohlstand" und werfen Fragen nach Verteilung, Automatisierung und der Rolle des Staates auf. Die einst zentrale AGI-Vision tritt zurück, KI erscheint nun als Werkzeug, das Arbeit, Bildung und Verwaltung bereits heute verändert. Parallel löst OpenAI seine Bindung an Microsoft. Die Umsatzbeteiligung von 20 Prozent wird gedeckelt und entfällt 2030 ganz, Exklusivrechte enden, Dienste dürfen künftig auch über Amazon oder Google laufen. Gestrichen ist auch die Klausel, die Microsoft bei Erreichen einer AGI ein Kündigungsrecht eingeräumt hätte.

OpenAI hat im ersten Quartal 2026 laut Wall Street Journal und The Information seine internen Vorgaben fĂĽr Umsatz und Nutzerwachstum verfehlt. Als Hauptgrund gilt der Druck der Konkurrenz. Googles Gemini gewinnt Marktanteile, Anthropic legt besonders bei Programmierung und Firmenkunden zu.

Zugleich belasten hohe Ausgaben das Budget. Altman hat das Unternehmen auf künftige Ausgaben für Rechenzentren von 600 Milliarden Dollar verpflichtet. Intern soll dies bereits zu Diskussionen führen. Auch über das Tempo des geplanten Börsengangs gehen die Ansichten in der Führung auseinander.

In Oakland hat der Prozess von Elon Musk gegen OpenAI begonnen. Der MitgrĂĽnder wirft dem Unternehmen vor, gegen die GrĂĽndungsvereinbarung verstoĂźen zu haben. Damals sei vereinbart worden, eine allgemeine kĂĽnstliche Intelligenz zum Wohle der Menschheit zu entwickeln. Mit der Umwandlung in eine teilweise gewinnorientierte Struktur sei dieser Grundsatz gebrochen. Musk hatte OpenAI vor dem ChatGPT-Hype verlassen und versucht seither, den Strategiewechsel zu unterlaufen.

Am Dienstag begann die Befragung Musks selbst. Er schilderte seinen Werdegang und erklärte, ein Gespräch mit Larry Page von Google habe ihn zur Gründung von OpenAI bewogen. Page habe ihm gesagt, das Überleben einer KI sei wichtiger als das der Menschheit. Der Prozess ist auf drei Wochen angesetzt. Auch Sam Altman und Microsoft-CEO Satya Nadella sollen aussagen. Microsoft hat mit milliardenschweren Investitionen den Strategiewechsel maßgeblich vorangetrieben.

Die "Kommission KI und Wettbewerb" hat 20 Empfehlungen veröffentlicht, wie Deutschland bei künstlicher Intelligenz aufholen könnte. Vorgeschlagen wird unter anderem ein unabhängig geleiteter Staatsfonds für "Deutsches Zukunftskapital" nach singapurischem Vorbild. KI in Gesundheit und Pflege soll bevorzugt gefördert werden.

Strittiger ist die Empfehlung, öffentliche Stellen sollten als "Ankerkunden für europäische KI-Infrastruktur" auftreten. Rechtlich ist unklar, ob der Staat europäische oder deutsche Anbieter gezielt bevorzugen darf. Google hat gerade Vergabebeschwerde gegen die Ausschreibung für eine souveräne Verwaltungscloud eingelegt. Ob die Empfehlungen umsetzbar sind, bleibt offen.

Kriminelle setzen zunehmend künstliche Intelligenz ein. Mit zehn Sekunden Audiomaterial aus sozialen Medien lassen sich täuschend echte Stimmkopien Angehöriger erzeugen. Die Hemmschwelle, Geld zu überweisen, sinkt rapide, wenn am Telefon scheinbar der eigene Enkel um Hilfe bittet.

Europa ist wegen seines Wohlstands und einer alternden Bevölkerung ein bevorzugtes Ziel solcher Betrügereien, warnt Interpol in einem neuen Report. Die Behörde fordert Gesellschaft und Tech-Konzerne auf, Schutzräume statt Stigmen zu schaffen.

Podcast: KI-Update
KI-Update

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im "KI-Update" von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.

Die EU-Kommission hat vorläufige Ergebnisse ihres Prüfverfahrens gegen Google vorgelegt. Untersucht wird, ob das Unternehmen konkurrierende KI-Assistenten auf Android fair behandelt. Künftig sollen Nutzer konkurrierende KI-Dienste über ein eigenes "Weckwort" aktivieren können.

EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera erklärte, die Maßnahmen würden Android-Nutzern mehr Auswahl bei KI-Diensten bieten, auch bei Angeboten, die mit Googles eigener KI konkurrieren. Im Januar hatte die Kommission Google sechs Monate Frist gesetzt, technische Hürden für Mitbewerber abzubauen.

Google hat trotz Protest aus der Belegschaft einen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium geschlossen. Künftig darf das Pentagon Googles KI-Modelle für jeden "rechtmäßigen, staatlichen Zweck" nutzen, einschließlich geheimer militärischer Operationen. Ähnliche Verträge bestehen bereits mit xAI und OpenAI. Anthropic hatte sich verweigert, weil das Unternehmen Massenüberwachung und autonome Waffensysteme ablehnt.

Der Vertrag enthält zwar eine Klausel, die solche Einsätze ausschließt. Bei Geheimoperationen kann Google jedoch nicht kontrollieren, wofür seine Systeme tatsächlich genutzt werden. Über 600 leitende KI-Fachleute des Konzerns hatten Sundar Pichai in einem offenen Brief aufgefordert, geheime Militäreinsätze abzulehnen. Der CEO folgte dem nicht.

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Meta bereitet die Rückabwicklung der zwei Milliarden Dollar schweren Übernahme von Manus vor. Chinas oberste Wirtschaftsbehörde hatte den bereits abgeschlossenen Kauf untersagt. Das auf agentische KI spezialisierte Start-up wurde 2022 in China gegründet und verlegte 2025 seinen Hauptsitz nach Singapur.

Peking wertete die Übernahme als Versuch, die technologische Basis des Landes auszuhöhlen, verhängte Ausreiseverbote gegen die Gründer und setzte eine Frist von wenigen Wochen. Für Meta ist die Umsetzung schwierig, da die Technologie bereits in eigene Systeme integriert wurde und Investoren ihre Renditen erhalten haben.

Meta hat eine Vereinbarung mit dem US-Start-up Overview Energy System geschlossen, um frĂĽhzeitig Zugang zu Solarstrom aus dem Weltraum zu erhalten. Das Konzept "Space-based Solar Power" sieht Satelliten mit Solarpaneelen vor, die Sonnenlicht in Strom umwandeln.

Mit dem Strom soll Laserlicht im nahen Infrarotspektrum erzeugt werden, das ĂĽber eine spezielle Optik auf Solaranlagen am Boden gerichtet wird. So sollen die Anlagen auch bei Dunkelheit Strom liefern. FĂĽr Meta ist dies neben Atomenergie ein weiterer Weg, den steigenden Energiehunger seiner KI-Infrastruktur zu decken.

GitHub stellt zum 1. Juni die Tarife für Copilot auf Verbrauchsabrechnung um. Bisher hatten Kunden ein festes Kontingent an Premium-Anfragen, unabhängig von ihrem Umfang. Künftig zählt der tatsächliche Token-Verbrauch, teurere Modelle kosten mehr Credits. Code-Vorschläge in den kostenpflichtigen Tarifen bleiben gratis, ein eingeschränkter kostenloser Tarif besteht weiter.

Vor allem agentisches Coding wird teurer, weil KI-Agenten immer komplexere Aufgaben ĂĽbernehmen.

Rund 35 Prozent aller neu veröffentlichten Websites sind KI-generiert oder zumindest KI-assistiert entstanden. Das ergab eine Studie von Forschenden des Imperial College London und der Stanford University, die mit dem Internet Archive zusammenarbeiteten.

Eine verbreitete Sorge erwies sich als unbegrĂĽndet: Zwischen KI-Anteil und Falschinformationsrate fanden die Forscher keinen statistisch signifikanten Zusammenhang. Auch das Verschwinden individueller Schreibstile oder fehlende Verlinkungen konnten nicht nachweisen lassen. Zur Sorge gibt jedoch die abnehmende Vielfalt im Netz Anlass.

Rund zwei Drittel der 16- bis 39-Jährigen haben schon einmal mit einer KI über psychische Probleme gesprochen. Das ergab eine repräsentative Befragung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention. Meist geht es um Alltagsbelastungen, doch auch mehr als ein Drittel der Menschen mit diagnostizierter Depression nutzt Chatbots, um über ihre Erkrankung zu sprechen.

Viele dieser Angebote sind nicht für therapeutische Zwecke entwickelt und stoßen bei akuten Krisen an Grenzen. Belastbare Studien zu Nutzen oder Schaden fehlen bislang. Wer digitale Hilfe sucht, sollte auf geprüfte Angebote zurückgreifen, etwa zugelassene digitale Gesundheitsanwendungen, die ärztlich verordnet und von der Krankenkasse bezahlt werden.

Ein Forschungsteam um den KI-Entwickler Alec Radford hat ein Sprachmodell ausschlieĂźlich mit Texten vor 1931 trainiert. Das System namens Talkie antwortet konsequent aus der Perspektive des frĂĽhen 20. Jahrhunderts.

Beim Training kämpften die Forscher mit Qualitätsproblemen historischer Quellen und mit ungewollt durchsickernden modernen Informationen aus Neuauflagen oder Katalogdaten. Vereinzelt schnappte das Modell so Details über Roosevelt oder die Vereinten Nationen auf. Wissenschaftlich nützlich ist Talkie für Generalisierungstests. Da heutige Modelle das gesamte Internet kennen, lässt sich kaum prüfen, ob sie Probleme wirklich neu lösen oder die Antwort schon kennen.

Der Computerhersteller Lenovo und der chinesische Anbieter WeRide wollen in den kommenden Jahren 200.000 autonom fahrende Fahrzeuge auf die Straße bringen. Dazu zählen Robotaxis, Lieferwagen, Busse und Straßenkehrmaschinen. Die Kooperation wurde auf der Auto China 2026 vereinbart.

WeRide gehört bereits zu den großen Anbietern autonomer Taxidienste in China. Lenovo bringt Stärken in intelligenter Datenverarbeitung sowie globale Fertigungs- und Lieferkettenkapazitäten ein und stellt eine KI-Computing-Infrastruktur für den Flotteneinsatz bereit.

SĂĽdafrikas Regierung hat den Entwurf einer nationalen KI-Strategie zurĂĽckgezogen. Das Papier enthielt Verweise auf nicht existierende Quellen und war offenbar mindestens teilweise von einer KI verfasst. Kommunikations- und Digitalminister Solly Malatsi nannte den Vorfall ein "inakzeptables Versehen" und kĂĽndigte Konsequenzen fĂĽr die Verantwortlichen an.

Halluzinierte Quellenangaben in KI-generierten Texten sind seit der breiten VerfĂĽgbarkeit der Technik bekannt. Dass eine ganze KI-Strategie aus einem Chatbot stammt, ist jedoch ein Novum und mindestens ironisch. "Das ist eine Lektion, die wir mit Demut annehmen", sagte Malatsi.

(igr)