E-Rezept in der Schweiz wird vorangetrieben, Pflicht rückt näher

Im März 2026 wurden in der Schweiz erstmals 100.000 E-Rezepte in einem Monat ausgestellt. Bis 2029 könnte das E-Rezept verpflichtend werden.

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Arzt mit einem Tablet, darüber dgitale Symbole für KI etc.

(Bild: LALAKA / Shutterstock.com)

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Von
  • Tom Sperlich
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Ein wichtiger Meilenstein in der Digitalisierung des Schweizer Gesundheitswesens ist erreicht: Wie die Schweizer Gesundheits- und Logistikunternehmensgruppe Galenica, Mitglied der Initiative „E-Rezept Schweiz“ mitteilte, wurden im März 2026 erstmals 100.000 elektronische Rezepte in einem Monat ausgestellt. Auch in Deutschland gibt es mit den E-Rezept-Enthusiasten eine ähnliche Initiative.

Initiiert wurde „E-Rezept Schweiz“ vom Berufsverband Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH sowie dem Schweizerischen Apothekerverband pharmaSuisse. Der Anbieter von IT-Plattformen für das Gesundheitswesen Health Info Net (HIN) stellt die technischen Dienste für die ärztliche Verschreibung und Einlösung digitaler Rezepte in allen Abgabestellen bereit. Mit dem Service werden E-Rezepte signiert, registriert, eingelöst und auf ihre Gültigkeit überprüft. Persönliche Patientendaten werden dabei nicht gespeichert.

Die Akteure von „E-Rezept Schweiz“, zu denen beispielsweise auch der Schweizer Telemedizinanbieter Medgate und Redcare gehören, bekräftigen ihre Absicht, die digitale Lösung bereits vor Erlass einer möglichen gesetzlichen Verpflichtung flächendeckend einzuführen.

Über die gesetzlichen Rahmenbedingungen einer Verpflichtung zum E-Rezept debattiert derzeit noch das Schweizer Parlament. Der Nationalrat, die große Kammer des Parlaments, stimmte Mitte März 2026 für die Einführung von E-Rezepten und digitalen Medikationsplänen. Nun muss der Ständerat als zweite Kammer abstimmen. Dessen zuständige, vorberatende Kommission gab bereits grünes Licht.

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Für das Vorhaben bedarf es einer Teilrevision des Heilmittelgesetzes, welche die gesetzliche Basis für neue digitale Prozesse im Gesundheitswesen schaffen soll.

Bereits heute können digitale Verschreibungen für Heilmittel freiwillig im Rahmen eines elektronischen Medikationsprozesses ausgestellt und übertragen werden. Die notwendigen gesetzlichen Grundlagen im Heilmittelrecht bestehen bereits, wie der Bund mitteilt.

Laut E-Rezept Schweiz wurden im vergangenen Jahr bereits 470.000 Rezepte digital ausgestellt und eingelöst. Ziel der Akteure ist es jedoch, dass das E-Rezept bis 2029 schweizweit zum verpflichtenden Standard wird.

Seit 2022 entwickeln sie dafür ein sicheres QR-Code-System auf Basis des HIN-Service, welches es Ärzten ermöglicht, Rezepte digital zu signieren und zu registrieren. Patienten erhalten einen verschlüsselten QR-Code auf dem Smartphone oder als Ausdruck. Apotheken scannen diesen Code mit vorhandener Barcode-Hardware und prüfen das Rezept gegen ein sicheres Register.

Das Schweizer Modell unterscheidet sich mit seinem dezentralen Ansatz grundsätzlich von zentralen Systemen in Nachbarländern. Die Schweiz vermeidet die zentrale Speicherung vertraulicher Patientendaten. Stattdessen prüft das System lediglich den Status des Rezepts – etwa ob es bereits eingelöst wurde –, um Doppelverwendungen zu verhindern sowie Fälschungen und missbräuchliche Einlösungen zu reduzieren.

Die parlamentarisch behandelte Revision soll laut dem Bundesrat auch dabei helfen, Missverständnisse bei der Verschreibung und Einnahme von Arzneimitteln zu vermeiden. Durch einen elektronischen Medikationsplan werde das Risiko von Fehlern reduziert.

Im Rahmen dieser Revision und als weiterer Schritt in der Digitalisierung des Gesundheitswesens sollen außerdem Krankenhäuser verpflichtet werden, bei der Berechnung von Medikamentendosierungen elektronische Systeme zu verwenden.

All diese Änderungen sind Teil einer umfassenden Strategie zur Digitalisierung des Schweizer Gesundheitswesens. Dazu gehört auch die Einführung des elektronischen Gesundheitsdossiers (E-GD), das das wenig akzeptierte Elektronische Patientendossier (EPD) ablösen und ebenfalls für alle Personen mit Wohnsitz in der Schweiz verpflichtend werden soll.

(mack)