Linux fĂĽr Gamer: Bazzite 44 basiert auf Fedora 44

Das „Betriebssystem für die nächste Gamer-Generation“ setzt auf Fedora 44, aktualisiert die Desktop-Umgebungen und unterstützt Elgatos 4K-Capture-Karten.

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Bazzite-44-Desktop auf Notebook

(Bild: heise medien / Tim SchĂĽrmann)

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Von
  • Tim SchĂĽrmann

Videospieler erhalten mit Bazzite eine passend vorkonfigurierte und auf ihren Einsatzzweck optimierte Linux-Distribution. An Bord befindet sich neben dem Steam-Client unter anderem auch Lutris, das komfortablen Zugriff auf Retro-Spiele gewährt. Die integrierten proprietären Nvidia-Treiber kitzeln die maximale Geschwindigkeit aus entsprechenden Grafikkarten heraus, obendrein wirft die Distribution auch auf AMD-Karten HDR-Bilder auf den Monitor.

Wie die Versionsnummer bereits andeutet, basiert das neue Bazzite 44 auf Fedora 44. Als Desktop-Umgebungen stehen Gnome 50 und KDE Plasma 6.6 zur Wahl. In letztgenannter melden sich Anwender über den neuen Plasma-Login-Manager an, bei dem es sich um eine leicht modernisierte Fassung des bislang genutzten Display-Managers SDDM handelt. Apropos Plasma: Das Terminal Ptyxis gehört dort nicht mehr zum Lieferumfang. Als Alternative steht sein Kollege Konsole parat, der Container-Support bietet.

Unter der Haube werkelt ein Kernel der Open Gaming Collective (OGC). Diese Arbeitsgruppe optimiert den originalen Linux-Kernel für Videospiele. Unter anderem gewährt ein anderer Scheduler den Spielen mehr Rechenzeit. In Brazzite 44 tickt allerdings noch der eigentlich seit Kurzem veraltete Kernel 6.19. Die aktuelle Version 7.0 will das Brazzite-Team in Kürze nachreichen – dann mit dem vom Unternehmen Valve entwickelten VRAM Patchset. Das wiederum rüstet eine etwas intelligentere Speicherverwaltung nach, die auf Grafikkarten mit wenig Speicher effizienter arbeitet. Dadurch laufen einige Spiele zumindest etwas flüssiger.

Streamer dürfen ihre Schusswechsel ab sofort mit Elgatos Capture-Karten der 4K-Reihe aufzeichnen. Weitere Patches verbessern die Einbindung von Asus-Hardware und deren Verwaltung über das Werkzeug „asusctl“. Darüber freuen sich in erster Linie Spieler mit ASUS-Laptops der ROG- und TUF-Reihen, die mit dem Tool das Lüfterverhalten ändern und ihre Tastatur zum Leuchten bringen.

Für jede mögliche Kombination aus Desktop-Umgebung, unterstützter Grafikkarte und Zielsystem stellt das Bazzite-Team ein maßgeschneidertes Image bereit. Letztere sind in Bazzite 44 um rund 1 GByte geschrumpft: Die hauptsächlich für Spieleentwickler interessanten Komponenten QEMU und ROCm flogen aus den Images und sind ab sofort nur noch Teil von Bazzite-DX. Diese spezielle Bazzite-Edition richtet sich explizit an Spieleentwickler, das Kürzel DX steht entsprechend für „Developer eXperience“.

Ebenfalls nicht mehr standardmäßig dabei ist Sunshine, das Spiele an passende Moonlight-Clients streamt. Nachinstallieren lässt sich Sunshine über das Werkzeug „ujust“, das dazu im Hintergrund den Paketmanager Homebrew anwirft. Dieses häufig kurz Brew genannte Tool ist eigentlich im macOS-Universum beheimatet und bildet eine weitere Besonderheit von Bazzite.

Trotz der Abspeckmaßnahmen wiegen die ISO-Images immer noch über 7 GByte. Die haben die Bazzite-Entwickler nicht nur signiert. Um die Herkunft der enthaltenen Komponenten nachvollziehen zu können, stehen zudem passende Software Bill Of Materials (SBOMs) und die Build Attestation von GitHub bereit.

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Wie schon die Vorgänger läuft auch Bazzite 44 auf zahlreichen verschiedenen Geräten, darunter Tablets und Handhelds. Besitzer eines Steam Decks müssen allerdings noch etwas warten: Das Bazzite-Team möchte das Update auf die Version 44 erst einmal nur langsam verteilen und so Probleme bei der Mehrheit der Anwender ausschließen.

Unverbindlich ausprobieren lässt sich Bazzite 44 übrigens mit einem Image für virtuelle Maschinen. Das System entfaltet darin zwar nicht seine volle Leistungsfähigkeit, anhand von Retro- und einfachen 2D-Spielen lässt sich die Distribution jedoch recht gut testen. Bazzite benötigt in jedem Fall zwingend ein UEFI-System mit mindestens 8 GByte Hauptspeicher.

Aktuelle Linux/Unix-Versionen

Der aktuelle Stand der wichtigsten Unix- und Linux-Distributionen:

(dmk)