Als Festplatten noch riesig waren: Die Quantum Bigfoot wird 30 Jahre alt

Vor knapp 30 Jahren brachte Quantum die Bigfoot auf den Markt. Die 5,25-Zoll-Festplatte sollte ein sterbendes Format retten, scheiterte damit aber krachend.

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Eine Quantum-Bigfoot-Festplatte auf einem Tisch

(Bild: heise medien)

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Festplatten gibt es heute praktisch nur noch im 3,5-Zoll-Format für Desktops und Server sowie als 2,5-Zoll-Variante in USB-Gehäusen. In den 1980er-Jahren dominierten 5,25-Zoll-Laufwerke den PC-Markt, in den 90ern aber kamen immer mehr Laufwerke im kleineren 3,5-Zoll-Format auf den Markt. Vor 30 Jahren startete Quantum mit der Bigfoot-Reihe einen letzten ambitionierten Versuch, dieses ausladende Format im Consumer-Bereich am Leben zu halten. Anfangs ging die Rechnung sogar auf, am Ende aber siegten Physik und Ökonomie.

Quantum brachte die erste Bigfoot-Generation 1996 auf den Markt, erste Erwähnungen finden sich im PC Magazine vom 14. Mai 1996. Die CY-Serie drehte mit gemächlichen 3600 Umdrehungen pro Minute, bot Kapazitäten ab 1,2 GByte und kostete je nach Modell 225 bis 370 US-Dollar. Sie sprach ATA-2 mit einer Schnittstellengeschwindigkeit von 16,6 MByte/s und brauchte rund 15 Millisekunden für den Zugriff. Schon hier setzte Quantum auf 128 KByte Cache sowie auf damals moderne Funktionen wie logische Blockadressierung (Logical Block Addressing, LBA) und Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology (SMART) im Consumer-Segment.

1998 folgte die TX-Serie mit 4000 U/min, ATA-66 und Kapazitäten bis 12 GByte, 1999 die TS-Serie mit bis zu 19,2 GByte auf drei Scheiben. Die TS verfügte zudem über ein Shock Protection System, galt aber als laut. Als OEM-Platte landete die Bigfoot in PCs von Compaq, HP Aptiva und IBM.

Die Idee hinter dem 5,25-Zoll-Format: Größere Scheibenflächen erlauben hohe Kapazitäten bei vergleichsweise niedriger Datendichte und damit günstigerer Fertigung. Genau dieser Vorteil schmolz jedoch dahin. 3,5-Zoll-Platten holten bei der Datendichte rasch auf und boten gleiche oder höhere Kapazitäten zu sinkenden Preisen. Gleichzeitig stießen die großen Scheiben an physikalische Grenzen. Bei 7200 U/min und mehr verbiegen sie sich durch Fliehkräfte, die Köpfe legen auf der Suche nach den Daten längere Wege zurück, die größere Masse treibt Stromverbrauch, Wärme und Geräuschpegel nach oben. Die Bigfoot blieb deshalb bei 4000 U/min stehen und erreichte trotz ATA-66 nur rund 813 KByte/s, während die 3,5-Zoll-Konkurrenz schon bei 1170 KByte/s lag.

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Hinzu kamen veränderte Rahmenbedingungen: Notebooks etablierten 2,5 Zoll-Laufwerke und Server setzten konsequent auf 3,5 Zoll. Quantum stellte die Bigfoot-Serie Ende 1999 ein. Die letzte 5,25-Zoll-Festplatte überhaupt war die Seagate Elite 47 mit 47 GByte und SCSI-Anschluss für Server, die 1997 angekündigt wurde.

Die Bigfoot war ein technisch interessanter Sonderweg, der sich kurzfristig rechnete und langfristig scheitern musste. Quantum demonstrierte ungewollt, dass Datendichte das entscheidende Kriterium ist, nicht Scheibengröße. Heutige 3,5-Zoll-HDDs mit Helium-Füllung und Heat Assisted Magnetic Recording (HAMR) speichern mittlerweile bis zu 44 TByte und erreichen mehr als 300 MByte/s in den Außenzonen. Bei den Zugriffszeiten sind sie allerdings immer noch nicht weit von den damaligen Werten entfernt und für viele Anwendungen wurden sie bereits von SSDs abgelöst, die ohne mechanische Teile funktionieren.

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