Online-Shooter „Last Flag“ geht in die Hände der Community
Der Online-Shooter „Last Flag“ scheitert an niedrigen Spielerzahlen. Anstatt den Stecker zu ziehen, wollen die Entwickler das Spiel der Community überlassen.
(Bild: Night Street Games)
Es ist eine Nachricht mit Wiedererkennungswert: Weil ein neuer Online-Shooter kein großes Publikum erreicht, soll er nach nur wenigen Wochen abgeschaltet werden. Das Finanzierungsmodell solcher Spiele bedeutet oft, dass Entwickler ein Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende vorziehen. Doch beim Hero-Shooter „Last Flag“ passiert etwas anderes: Er soll spielbar bleiben, obwohl ihn aktuell kaum jemand spielt.
„Last Flag“ ist am 14. April erschienen und wurde laut dem inoffiziellen Steam-Tracker SteamDB beim Launch von bis zu 560 Personen gleichzeitig gespielt. Zuletzt sank diese Zahl auf 60. Das ist realistisch betrachtet keine Basis, um einen Live-Service-Betrieb mit kontinuierlichen Updates und neuen Inhalten zu finanzieren.
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„Wir wollen unser Spiel nicht töten“
Die Entwickler von Studio Night Street Games, das von Imagine-Dragons-Frontmann Dan Reynolds und seinem Bruder Mac Reynolds gegründet wurde, gehen damit in einem Steam-Beitrag offen um: Die Spielerzahlen seien nicht auf dem Niveau, um eine Weiterentwicklung des Spiels über die bisher geplanten Inhalte hinaus zu rechtfertigen. Es sollen also noch ein paar Updates kommen, die sich bereits in Entwicklung befinden – danach wollen sich die Entwickler zurückziehen.
Doch im Gegensatz zu vielen anderen gescheiterten Live-Service-Games soll das offenbar nicht das komplette Ende bedeuten: Man wolle den Community-Support ausbauen, schreibt Night Street Games auf Steam. Die Spieler sollen in die Lage versetzt werden, das nächste Kapitel von „Last Flag“ selbst zu schreiben. Wie genau das passieren soll, geht aus dem Steam-Post noch nicht hervor. Die Kernbotschaft ist aber recht klar: „Last Flag“ soll trotz Entwicklungsaus spielbar bleiben. „Wir wollen unser Spiel nicht töten – wir wollen es der Community übergeben, die uns hierher gebracht hat.“
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Live-Service-Titel oft sehr kurzlebig
Bei Online-Spielen handelt es sich oft um sogenannte Live-Service-Titel: Spiele, deren Monetarisierungsmodell auf den langfristigen Verkauf von In-Game-Items ausgelegt ist. Damit das funktioniert, müssen solche Spiele eine gewisse Nutzerbasis erreichen und behalten. Bleiben die Spieler gleich am Anfang weg, kann es schwer sein, das Ruder noch herumzureißen. Bleiben die Spieler weg, finden die verbleibenden Fans keine Multiplayer-Partien mehr, geben kein Geld mehr aus und verlassen das Spiel schließlich. Derweil fallen für Entwickler laufende Kosten für den Server-Betrieb und die Weiterentwicklung an. Junge Live-Service-Spiele stehen deshalb oft kurz nach dem Launch schon wieder vor dem Aus. Vor Kurzem ist das etwa dem Shooter „Highguard“ passiert.
Dass „Last Flag“ spielbar bleiben kann, liegt möglicherweise am für Online-Spiele ungewöhnlichen Preismodell: Der Online-Shooter wird für 12 Euro verkauft, ist also im Gegensatz zu vielen Konkurrenten kein Free2Play-Titel. Mikrotransaktionen, Battle Passes und andere kaufbare Ingame-Gegenstände gibt es in dem Shooter außerdem nicht – das Spiel soll sich rein über die Verkäufe finanzieren. Das bedeutet für die Entwickler: „Last Flag“ muss nicht unbedingt kontinuierlich weiterentwickelt werden, um zumindest etwas Umsatz zu generieren.
Wie die Zukunft von „Last Flag“ genau aussehen soll, ist aber unklar. Noch ist etwa nicht bekannt, ob Night Street Games langfristig eigene Server betreiben will oder auf Community-Server setzt, um den Online-Shooter langfristig am Leben zu halten.
(dahe)