Umdenken im Weißen Haus: Trump-Administration erwägt mehr KI-Aufsicht

Die Trump-Administration erwägt, eine staatliche Aufsicht über neue KI-Modelle einzuführen. Das wäre eine Kehrtwende gegenüber der bisherigen KI-Politik.

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Weißes Haus in Washington hinter einem Zaun, mit US-Flagge auf dem Dach und blauem Himmel im Hintergrund.

(Bild: Sergey-73/Shutterstock.com)

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Das Weiße Haus ließ der heimischen KI-Entwicklung bislang weitgehend freie Hand. Ein Kurs, der nun offenbar neu bewertet wird: Die Trump-Administration erwägt die Einrichtung einer KI-Arbeitsgruppe, die aus Tech-Führungskräften und Regierungsvertretern bestehen und mögliche Aufsichtsmechanismen für Künstliche Intelligenz entwickeln soll, berichtet die New York Times. Die Zeitung beruft sich auf namentlich nicht genannte US-Beamte sowie mit den Beratungen vertraute Personen. Demnach hätten Vertreter des Weißen Hauses entsprechende Pläne bereits in der vergangenen Woche mit Führungskräften von Anthropic, Google und OpenAI erörtert.

Zu den diskutierten Maßnahmen gehört auch ein formales staatliches Prüfverfahren für neue KI-Modelle, das der Regierung frühzeitigen Zugang zu den Systemen verschaffen soll, ohne aber deren Veröffentlichung zu blockieren. Sollte die Trump-Administration tatsächlich eine Vorabprüfung einführen, dürfte die Arbeitsgruppe auch festlegen, welche Behörden daran beteiligt werden, heißt es im Bericht.

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Eine Schlüsselrolle könnten demnach die NSA, das Cyber-Koordinationsbüro im Weißen Haus und der nationale Geheimdienstdirektor (DNI) übernehmen. Zudem könnte die Arbeitsgruppe klären, ob das von der Biden-Regierung geschaffene „Center for AI Standards and Innovation“ eingebunden wird, das unter Trump weitgehend ins Abseits geraten ist.

Bislang war die KI-Politik des Weißen Hauses auf Deregulierung und einen schnellen Ausbau der heimischen KI-Industrie ausgerichtet, um im KI-Wettlauf mit China nicht ins Hintertreffen zu geraten. Zu den ersten Schritten der Trump-Administration gehörte die Rücknahme einer Biden-Regelung, nach der KI-Unternehmen Sicherheitstests für besonders leistungsfähige Modelle durchführen und sicherheitsrelevante Informationen an die Regierung melden sollten. Ausgerechnet im Bereich Cybersicherheit stößt dieser Kurs nun offenbar an Grenzen. Das jüngste Umdenken soll laut Quellen der New York Times auf die Sorge vor politischen Folgen eines verheerenden, KI-gestützten Cyberangriffs zurückgehen.

Anfang April stellte Anthropic das Cybersecurity-Modell Mythos vor, das besonders effektiv im Finden und Ausnutzen von Sicherheitslücken ist und deshalb nur ausgewählten Partnern zugänglich gemacht wurde, darunter auch US-Regierungsstellen und Sicherheitsbehörden. Diese sollten damit Schwachstellen in kritischer Software finden und beheben. Laut New York Times hatte auch die NSA (National Security Agency) Vorabzugriff auf Mythos. Die sicherheitspolitische Bedeutung von Mythos dürfte dazu beigetragen haben, dass die Trump-Regierung trotz des laufenden Konflikts zwischen Anthropic und dem Pentagon erneut das Gespräch mit dem Unternehmen suchte.

Das Weiße Haus bezeichnete Berichte über eine mögliche staatliche KI-Aufsicht als Spekulation. Etwaige politische Ankündigungen werde Trump selbst machen, heißt es gegenüber der New York Times.

(tobe)