Langzeitverträge: Speicherhersteller binden Großkunden für Jahre

Immer mehr Speicherhersteller verlangen Langzeit-Abkommen. Sandisk offenbart Hintergründe zu Milliardengarantien.

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Mehrere SSDs nebeneinander vor weißem Hintergrund

(Bild: Sandisk)

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Die größten Speicherhersteller der Welt nutzen die aktuelle Lieferkrise, um Langzeitverträge mit Großkunden abzuschließen. Bis zu fünf Jahre statt der bisher üblichen 12 Monate laufen immer mehr aktuelle Abkommen, die Arbeitsspeicher, NAND-Flash für SSDs und Festplatten betreffen. Sie untermauern, dass die Industrie mit einem anhaltend hohen Bedarf rechnet, angetrieben durch KI-Rechenzentren. Ein Platzen der Blase ist nicht in Sicht.

Zuletzt hat der NAND-Flash und SSD-Hersteller Sandisk in vor Analysten über sogenannte Long-Term Agreements (LTAs) gesprochen. Allein drei im vergangenen Quartal neu geschlossene Abkommen sehen über die nächsten Jahre eine Mindestabnahmemenge im Wert von rund 42 Milliarden US-Dollar vor. Das entspricht derzeit fast zwei Jahresumsätzen; 2024 wäre es der Umsatz von sechs Jahren gewesen.

Die drei Verträge binden ein Drittel von Sandisks Produktionsmenge im Geschäftsjahr 2027, das zur Kalenderjahresmitte beginnt. Im jetzt laufenden Quartal sind bereits zwei weitere Abkommen hinzugekommen, weitere sollen folgen. Kunden dürften primär Cloud-Hyperscaler wie Google, Microsoft und Meta sein, wobei Sandisk keine konkreten Namen nennt. Je mehr solche Lieferabkommen mit Betreibern von Rechenzentren zustande kommen, desto weniger Speicher bleibt für Endkunden übrig.

Außer zunehmenden Mindestabnahmemengen definieren LTAs typischerweise Preisrahmen, allerdings mit Spielraum: Sollten die Preise industrieweit nachgeben, hätten Kunden Verhandlungsspielraum, andersherum der Hersteller.

Langzeitverträge haben einen stabilisierenden Effekt: Wenn jetzt alle Speicherhersteller solche Abkommen abschließen, sinkt die Preisvolatilität. Die Preise dürften daher auf einem hohen Niveau verweilen.

Kann der Hersteller nicht genügend Speicher liefern oder will ein Kunde weniger kaufen als vereinbart, drohen Strafzahlungen. Fünf Kunden haben Sandisk zusammen Sicherheitsgarantien von mehr als 11 Milliarden US-Dollar gegeben. Vor der Speicherkrise hätte das 1,5 Jahresumsätzen entsprochen.

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Der Marktbeobachter Trendforce verweist auf verschiedene Berichte, wonach auch die DRAM-Riesen Samsung, SK Hynix und Micron verstärkt auf Fünfjahresverträge wechseln. Hier sind neben Hyperscalern auch Hersteller von KI-Beschleunigern Kunden, etwa AMD und Nvidia. Sie kaufen insbesondere High-Bandwidth Memory (HBM). Es soll ähnliche Schutzmechanismen geben wie bei Sandisk.

Die Festplattenhersteller Seagate und Western Digital bestätigten bereits, fürs Jahr 2026 ausverkauft zu sein und immer mehr Lieferabkommen für die Jahre 2027 und 2028 abzuschließen. Die Deals dürften hier künftig ähnliche Ausmaße annehmen wie bei NAND-Flash und DRAM. Der Konkurrent Toshiba äußert sich nur nicht öffentlich zu Verkäufen, weil das Unternehmen inzwischen wieder privat geführt wird.

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