Nach Juniper-Übernahme: HPE will zunächst keine Abkündigung im Netzwerkportfolio
„No one will be left behind“, hieß es nach der Übernahme von Juniper durch HPE. Nun wird konkreter, wie es für die beiden Produktportfolios weitergeht.
Pre-Release HPE Juniper Networking SRX400 Firewall
(Bild: Benjamin Pfister / heise medien)
- Benjamin Pfister
Nach der Übernahme von Juniper Networks durch HPE klärte sich jetzt bei den HPE Networking Days, wie es im gemeinsamen Produktportfolio weiter geht. Die beiden separaten Portfolios hatten seit der Übernahme einige Kunden verunsichert, wie zukunftssicher Investitionen in HPE-Networking-Produkte aktuell sind. So gibt es für das Brot-und-Butter-Geschäft in Campus-Netzen im ehemaligen Juniper-Portfolio das Cloud-Netzwerkmanagementangebot Mist und HPE Aruba bietet dafür Central, das On-Premise oder in der Cloud betrieben werden kann. Sowohl Switche als auch WLAN Access Points sind jedoch bisher nicht cross-kompatibel.
Im Gespräch mit der iX-Redaktion erklärten Lars Hartmann, Vice President Sales Zentraleuropa, und Katja Herzog, Managing Director HPE Networking Deutschland, dass auf die nächsten fünf Jahre keine Abkündigung einer der beiden Plattformen angedacht ist. Beide sollen zunächst parallel betrieben werden.
Weg für Managementplattformen
Laut Aussagen von HPE Networking bauen sowohl Mist als auch Central auf einer Microservice-Architektur auf. Daher sollen Funktionen sukzessive als Mikroservices gegenseitig in die jeweils andere Plattform einfließen, sodass am Ende nahezu eine Feature-Parität bereitsteht. Für eine Übergangszeit könnte dies höhere Aufwände nach sich ziehen, dürfte aber einen validen Weg für die Kunden darstellen. Letztlich wird dann wohl alles in einer einzigen Plattform münden.
Für die übergangsweise Multi-Plattform-Strategie veröffentlicht HPE zudem eine ganze Serie an WLAN-Access-Points namens AP-72XH (AP-721H, AP-723H und AP-725H), die mit beiden Plattformen kompatibel sind. Davon ist aktuell jedoch nur der AP-723H verfügbar. Gleichzeitig sollen im nächsten Schritt auch die EX-Switche von Juniper in Central integriert werden.
AOS-CX-Serie spielt bald keine Rolle mehr im RZ
Im Campus-Netz ist somit der Weg nun deutlicher, als noch kurz nach der Übernahme. Gleichzeitig hat Juniper für die Verwaltung von Rechenzentrumsnetzen das Produkt Apstra mitgebracht. Es dient als Intent-basiertes Verwaltungstool über den gesamten Lebenszyklus und bietet APIs und Integrationen in Automatisierungs-Frameworks, wie Terraform und Ansible. Zudem ist Apstra multivendorfähig und kann neben Juniper beispielsweise auch Switche von Cisco und Arista verwalten. HPE Aruba AOS-CX Switche bleiben jedoch außen vor und es gibt bisher auch noch keine konkreten Roadmaps, dass sich daran etwas ändert.
AOS-CX Rechenzentrumsswitche können derzeit zentral über den Aruba Fabric Composer (AFC) administriert werden, wobei diese Funktionalitäten sukzessive in Central wandern sollen. Ohnehin richten sich diese Switche auch nur an Kunden mit kleineren Rechenzentren. Junipers Rechenzentrumsswitch-Serie QFX kann hingegen alle RZ-Größen abdecken. Das deutet darauf hin, dass QFX mit Apstra als Verwaltungsplattform künftig den Vorzug erhält und die AOS-CX-Serie im Rechenzentrumsumfeld perspektivisch keine Rolle mehr spielen wird.
Neues Firewallportfolio für HPE
Über den Juniper-Zukauf hat sich HPE auch das Firewallportfolio SRX einverleibt. Dieses wird nun durch die SRX-4XX-Serie erweitert, die für Zweigstellen oder kleinere Standorte geeignet ist, aber das volle Feature-Set von SRX enthält. Bereits in diesem Jahr sollen SRX 400 und 440 lieferbar sein.
iX konnte ein Pre-Release der SRX 400 betrachten, die über 8 × 1G Kupfer verfügt, wobei zwei davon PoE+-Unterstützung bieten. Zusätzlich bietet sie auch zwei SFP-Einschübe. Alle Ports beherrschen MACsec-Verschlüsselung, Secure Boot, TPM 2.0 und können über Mist, Security Director oder CLI verwaltet werden.
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Die 400er hat gemäß Präsentation von HPE einen L3/L4-Durchsatz von 1,2 Gbit/s und L7-Durchsatz von 0,9 Gbit/s. Die SRX 440 hat die gleichen physischen Ports, bietet jedoch einen höheren L3/L4-Durchsatz von 1,75 Gbit/s und L7-Durchsatz von bis zu 1,25 Gbit/s. Diese Modelle dürften vom Leistungsspektrum her viele klassische HPE Aruba Kunden ansprechen, sodass HPE dort nun als „One-Stop-Shop“ im Netzwerk für Switching, Routing und Firewall-Funktionen dienen kann.
(axk)