Starker Anstieg bei Antennensuchläufen in Schweizer Mobilfunknetzen

Behördlich angeordnete Überwachungsmaßnahmen sind 2025 in der Schweiz weiter gestiegen. Der Großteil davon betrifft Antennensuchläufe in Mobilfunkzellen.

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Schweizer Flagge im digitalen Gewand

(Bild: muhammadtoqeer / Shutterstock.com)

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Von
  • Tom Sperlich

Wie eine aktuelle Statistik des schweizerischen Dienstes Überwachung Post- und Fernmeldeverkehr (Dienst ÜPF) zeigt, wurden im Jahr 2025 in der Schweiz rund 40 Prozent mehr Überwachungsmaßnahmen angeordnet als im Vorjahr. Dies geht aus einer Medienmitteilung des Bundes hervor. Die Überwachungen geschehen entweder im Auftrag der Schweizer Strafverfolgungsbehörden oder des Nachrichtendiensts des Bundes (NDB).

Die stark gewachsene Zahl basiert vor allem auf einer Zunahme der sogenannten Antennensuchläufe. Ein Antennensuchlauf umfasst die rückwirkende Erfassung aller an einem bestimmten Standort angefallenen Netzzugänge und Kommunikationsversuche, welche über die Mobilfunkzellen innerhalb eines ausgewählten Zeitraumes liefen. So gab es im Jahr 2025 in 19.091 Zellen einen Antennensuchlauf, was einer Zunahme von etwa 69 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht (2024: 11.290). Die Fallzahlen liegen im Jahr 2025 fast 23 Prozent über denjenigen des Vorjahres.

Ansonsten liegt die Zahl der Maßnahmen nach einem starken Wachstum im Vorjahr nur leicht über dem Niveau von 2024. So ist etwa die Zahl der Echtzeitüberwachungen mit 1878 gerade mal um drei Prozent gewachsen (2024: 1818). Die Anzahl der rückwirkenden Überwachungen liegt mit 6531 um 382 über dem Vorjahr (2024: 6149, +6 Prozent), die Notsuchen sind mit 1287 um rund fünf Prozent gestiegen (2024: 1223). Die Anzahl der Fahndungen hat sich sogar gegenüber dem Vorjahr mehr als halbiert.

Eine starke Zunahme wurde bei der Zahl der Auskünfte an Strafverfolgungsbehörden vermeldet. Im Jahr 2025 nahmen diese um etwa 32 Prozent zu. Es wurden 44.836 komplexe Auskünfte (etwa Ausweiskopien oder Vertragsdaten) geliefert (ein Anstieg von 39 Prozent gegenüber 2024). Außerdem wurden 480.245 einfache Auskünfte (Telefonbuch- oder IP-Adressen-Abfragen) angefragt (2024: 385.630) und 650.034 einfache Auskünfte erteilt (2024: 495.119).

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Der Nachrichtendienst des Bundes ordnete im Jahr 2025 ebenfalls deutlich mehr Überwachungen an: 334; Auskunftsgesuche wurden 39.130 gestellt (49.393 erteilte Auskünfte). Im Jahr davor waren es 106 Überwachungen bzw. 12.789 Auskunftsgesuche (15.241 erteilte Auskünfte).

Fast 45 Prozent aller Überwachungen 2025 (Echtzeit- und rückwirkende Überwachungen) betrafen Vermögensdelikte – ein Anstieg um 45 Prozent gegenüber 2024. Auch in Deutschland nimmt die digitale Überwachung zu: Beim BKA hat sich die Zahl der polizeilichen Gesichtserkennungs-Suchläufe im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. In der Schweiz kamen 24 Prozent der Überwachungsmaßnahmen bei Delikten gegen Leib und Leben zum Einsatz (+75 Prozent gegenüber 2024) sowie fast drei Prozent aufgrund von Verbrechen und Vergehen gegen die Freiheit (+50 Prozent). Um zehn Prozent nahmen Maßnahmen zu Betäubungsmitteldelikten zu (8 Prozent Anteil). Sehr stark zugenommen haben Maßnahmen wegen Sexualdelikten (2 Prozent), die um über 124 Prozent angestiegen sind.

Stark rückläufig ist die Zahl der Einsätze spezieller IT-Mittel. Einsätze von GovWare – also staatlicher Überwachungssoftware – sanken auf vier Fälle (12 im Jahr 2024). In Deutschland hingegen verzeichneten Strafverfolger zuletzt eine steigende Zahl von Staatstrojaner-Einsätzen. Besondere technische Geräte (IMSI-Catcher) kamen 151 Mal zum Einsatz (2024: 171). Diese wurden größtenteils bei Notsuchen nach vermissten Personen (62) und schweren Betäubungsmitteldelikten (45) eingesetzt.

(mki)