Erstes Segment des Fehmarnbelt-Tunnels ist an Ort und Stelle
Das erste Segment des Tunnels zwischen Dänemark und Deutschland ist nach einem mehrtägigen Manöver an Ort und Stelle. Jetzt fehlen noch 88.
Fehmarnbelt-Tunnel: Das erste Tunnelsegment wird vom Spezialschiff abgesenkt.
(Bild: Femern A/S)
Ein wichtiger Schritt in einem der aktuell größten Infrastrukturprojekte mit deutscher Beteiligung: Vor der dänischen Hafenstadt Rødby ist das erste Segment des Fehmarnbelt-Tunnels versenkt worden.
„Nach einem mehrtägigen Absenkvorgang liegt das erste von insgesamt 89 Betonelementen für den Fehmarnbelt-Tunnel im Tunnelgraben am Meeresboden und ist mit dem dänischen Tunnelportal verbunden“, teilte das Femern A/S mit. Das dänische Unternehmen ist der Bauherr des Projekts. Die Aktion dauerte mehrere Tage.
Bereits am Montagabend begann der Transfer des Tunnelelements vom Arbeitshafen der Fabrik, wo die Segmente gefertigt werden, zur Baustelle. FĂĽnf Schlepper brachten es zu einem Schiff, das eigens dafĂĽr konstruiert wurde, die Segmente auf den Grund der Ostsee abzusenken.
Wegen der Strömung verzögerten sich die Arbeiten jedoch. Erst am Mittwochnachmittag habe damit begonnen werden können, berichtete die Tagesschau.
Das komplexe Manöver dauerte 14 Stunden
Das Absenken des Tunnelsegments dauerte 14 Stunden. „Das ist ein sehr komplexes Manöver, das in dieser Größenordnung noch nie durchgeführt wurde“, sagte Lasse Vester von Sund & Bælt. Sund & Bælt ist die Muttergesellschaft von Femern A/S. Beide Unternehmen gehören dem dänischen Verkehrsministerium.
Der Tunnel wird aus 89 Segmenten bestehen, die in einem 12 Meter tiefen Graben auf dem Grund der Ostsee versenkt werden. Ein solches Bauteil ist 217 Meter lang und 42 Meter breit. Es wiegt 73.500 Tonnen und wird zusätzlich mit 4500 Tonnen Ballast beschwert, damit es absinkt. Es umfasst vier Röhren, je zwei für den Zug- und den Autoverkehr, sowie eine Rettungsröhre.
Die einzelnen Segmente mĂĽssen bis auf wenige Millimeter genau abgesenkt werden. AnschlieĂźend werden sie verbunden, der Graben an der jeweiligen Stelle mit Steinen und Schotter aufgefĂĽllt, um das Segment an seiner Position zu stabilisieren. Am Ende wird der Tunnel mit einer Schutzschicht aus groĂźen Steinen bedeckt sowie einer Sandschicht, um den Meeresboden wiederherzustellen.
Sund & Bælt hat bereits Erfahrung mit dem Bau von solchen Absenktunneln: Der Drogdentunnel, der Teil der im Jahr 2000 eröffneten Öresundverbindung zwischen der dänischen Hauptstadt Kopenhagen und Malmö in Schweden ist, entstand ebenfalls in dieser Bauweise. Dennoch ist dieses Projekt komplexer: „Die Elemente des Fehmarnbelt-Tunnels sind sowohl länger, schwerer als auch breiter als die Elemente, die beim Bau der Öresundverbindung verwendet wurden, und wir werden im Fehmarnbelt in deutlich tieferem Wasser arbeiten“, erläutert Vester.
Beltquerung in 7 Minuten
Der etwa 18 Kilometer lange Fehmarnbelt-Tunnel quert den Fehmarnbelt und wird künftig die Fährverbindung zwischen Puttgarden auf der deutschen Insel Fehmarn und Rødbyhavn auf der dänischen Insel Lolland ersetzen. Die Querung der Meerenge soll dann nur noch 7 Minuten mit dem Zug und 10 Minuten mit dem Auto dauern. Die Fähre braucht ohne Wartezeit etwa eine Dreiviertelstunde.
Die Eröffnung des Tunnels war für 2029 geplant. Allerdings wird sich die Fertigstellung um voraussichtlich zwei Jahre verzögern. Ein Grund ist, dass der Bau des Spezialschiffs länger dauerte als geplant. Verzögerungen gibt es zudem auf deutscher Seite: Dort soll ein Tunnel zwischen Fehmarn und dem Festland entstehen, damit der Verkehr nicht über die in den 1960er Jahren gebaute Fehmarnsund-Brücke fließt. Der 1,7 Kilometer lange Fehmarnsund-Tunnel wird jedoch nach aktuellem Stand erst Ende 2032 fertig.
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Wie bei fast allen Infrastrukturprojekten in Deutschland gab es auch gegen dieses heftige Proteste und Klagen.
(wpl)