Studie: Wie KI-Nutzung die Problemlöse-Fähigkeit verschlechtert

KI-Assistenten sollen ihre Nutzer leistungsfähiger machen. Eine Studie legt jedoch nahe, dass sie Fähigkeiten ihrer Nutzer eher untergraben könnten.

vorlesen Druckansicht 34 Kommentare lesen
Menschliches Gehirn in KI-Optik

(Bild: metamorworks / Shutterstock.com)

Lesezeit: 3 Min.
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Sich von KI-Assistenten Aufgaben direkt erledigen zu lassen, kann sich negativ auf Problemlösefähigkeit und mentale Ausdauer auswirken. Das geht aus einer Studie eines Forschungsteams der Universitäten Oxford, MIT, UCLA und Carnegie Mellon hervor. Demnach habe sich in den Versuchen der Effekt schon nach kurzen Arbeitssitzungen mit KI von rund 10 Minuten gezeigt: Sobald nämlich die KI entzogen wurde, hätten die Probanden deutlich eher bei Aufgaben aufgegeben und schlechtere Ergebnisse erzielt als die Personen in einer Kontrollgruppe, die von vornherein keine KI verwenden durfte.

Allerdings schränken die Forscher ein, dass es davon abhänge, wie die KI genutzt werde: Die Verschlechterungen stellten sich dann ein, wenn Probanden sich die Lösung ihrer Aufgaben direkt generieren ließen. Bei einer Verwendung von KI zur Hilfestellung oder zur Klärung von Fragen sei kein Nachteil zu beobachten gewesen. Allerdings habe mit 61 Prozent die Mehrheit der Probanden die direkte KI-Lösung bevorzugt.

Das Forschungsteam untersuchte dabei sowohl die Auswirkungen auf mathematische Problemlösefähigkeit als auch aufs Leseverständnis. Im ersten Experiment wurden dafür 354 Personen zufällig auf die Gruppe mit anfänglicher KI-Nutzung und die Kontrollgruppe ohne KI verteilt. Zu lösen waren zunächst 12 Bruchrechenaufgaben, die KI-Gruppe konnte dafür GPT-5 als Assistent nutzen.

Danach folgten drei weitere Aufgaben, bei denen die KI plötzlich abgeschaltet war. Die bisher höhere Lösungsrate der KI-Gruppe stürzte in dieser Phase deutlich ab und lag mit einem Mittelwert von 57 Prozent klar unter dem der Kontrollgruppe (73 Prozent). Auch die Rate, in der Aufgaben übersprungen wurden, lag bei der KI-Gruppe mit 20 Prozent deutlich höher als die 11 Prozent der Kontrollgruppe.

Videos by heise

Ein zweiter Versuchsdurchgang mit 667 Teilnehmern bestätigte im Wesentlichen den Effekt, dass die Leistung der KI-Gruppe nach KI-Entzug abfiel und die Abbruchrate anstieg. Die Lösungsrate lag ohne KI dann mit 71 Prozent unter den 77 Prozent der Kontrollgruppe.

Ein dritter Versuch mit 201 Probanden, bei dem es um Leseverständnis ging, führte ebenfalls zu dem Effekt: Ohne KI war die KI-Gruppe mit 76 Prozent schlechter als die Kontrollgruppe (89 Prozent) und brach mit 8 Prozent häufiger Aufgaben ab (Kontrollgruppe 1 Prozent). Die Forscher folgern daraus, dass die beobachteten Negativauswirkungen von KI-Assistenz sich nicht auf bestimmte Aufgaben beschränken, sondern eine allgemeine Folge KI-gestützter Problemlösung sind.

Laut den Forschern werfe das dringliche Fragen auf, welche Auswirkungen die tägliche Nutzung von KI auf die mentalen Fähigkeiten ihrer Anwender hat. Sie warnen, dass die auf kurzfristige Nützlichkeit optimierten Systeme genau die menschlichen Fähigkeiten untergraben könnten, die sie unterstützen sollen. Andere Studien haben bereits nahegelegt, dass KI-Nutzung die Fähigkeit zum kritischen Denken beeinträchtigen könnte.

(axk)