Lime will an die Nasdaq: Börsengang soll Schuldenlast senken
Uber-Partner Lime drängt an die Börse: Der Micromobility-Anbieter muss hohe Schulden abbauen und sieht im Börsengang einen möglichen Ausweg.
(Bild: Antonello Marangi/Shutterstock.com)
Lime hat bei der US-Börsenaufsicht SEC Unterlagen für einen Börsengang eingereicht. Wie viele Aktien zu welchem Preis ausgegeben werden sollen, ist noch offen. Laut Financial Times wird eine Bewertung von rund 2 Milliarden Dollar angestrebt. Das Unternehmen plant eine Notierung an der Nasdaq unter dem Ticker „LIME“.
Der Umsatz des Unternehmens wuchs in den vergangenen Jahren deutlich: von 522 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 auf 687 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 und 887 Millionen US-Dollar im Jahr 2025. Dennoch ist Lime weiterhin unprofitabel. Der Nettoverlust lag 2023 bei 122 Millionen US-Dollar, 2024 bei 34 Millionen US-Dollar und 2025 bei 59 Millionen US-Dollar.
In den SEC-Unterlagen weist Lime darauf hin, seit der Gründung jedes Jahr Nettoverluste verbucht zu haben und möglicherweise keine nachhaltige Profitabilität erreichen zu können. Zugleich rechnet das Unternehmen mit steigenden Ausgaben.
Videos by heise
Für Lime ist der Börsengang auch ein Weg, finanziellen Druck abzubauen. Ende März 2026 verfügte das Unternehmen laut SEC-Unterlagen über 261 Millionen US-Dollar frei verfügbare Barmittel. Dem stehen innerhalb von zwölf Monaten fällige Zahlungen aus Anleihen und Krediten von rund 846 Millionen US-Dollar gegenüber. Lime räumt ein, dafür derzeit nicht genug Liquidität zu haben. Ohne Börsengang oder andere Finanzierung bestünden „erhebliche Zweifel an der Fortführung des Geschäfts“. Die Erlöse sollen unter anderem zur Rückzahlung von Schulden dienen. Weitere Mittel sind für Betrieb, Investitionen und mögliche Zukäufe vorgesehen.
Micromobility bleibt ein riskantes Geschäft
Lime wurde 2017 gegründet und vermietet E-Scooter und E-Bikes für Kurzstrecken. Das Unternehmen mit Sitz in San Francisco ist laut eigenen Angaben in rund 230 Städten in 29 Ländern aktiv und zählte 2025 etwa 19 Millionen Fahrer. Geführt wird Lime von Wayne Ting, einem früheren Uber-Manager.
Die Verbindung zu Uber ist auch darüber hinaus eng: 2020 führte Uber eine Finanzierungsrunde über 170 Millionen US-Dollar an, im Zuge derer Lime Ubers Micromobility-Geschäft Jump übernahm. Laut SEC-Unterlagen hält Uber mehr als 5 Prozent an Lime. Auch operativ ist die Partnerschaft wichtig: Lime-Fahrzeuge erscheinen in fast allen gemeinsamen Märkten als Buchungsoption in der Uber-App. 2025 entfielen rund 14,3 Prozent von Limes Umsatz auf Buchungen über diese Partnerschaft.
Lime strebt den Börsengang in einer Branche an, die weiter unter Druck steht. In den SEC-Unterlagen beschreibt das Unternehmen die Shared-Micromobility-Branche als jung, fragmentiert und stark reguliert. Der Betrieb hängt oft von kommunalen Genehmigungen ab. Hinzu kommen Preisdruck sowie hohe Kosten für Wartung, Ersatz, Diebstahl und Vandalismus. Für Investoren bleibt damit die Frage, ob Lime aus steigenden Umsätzen dauerhaft Gewinne machen kann.
Der Börsengang ist alles andere als eine Erfolgsgarantie. Das zeigt der Fall Bird: Der einstige Lime-Rivale ging 2021 mit einer Bewertung von 2,3 Milliarden US-Dollar an die Börse, aber musste Ende 2023 nach hohen Verlusten Insolvenz anmelden.
(tobe)