GameStop will sich um den Faktor 2,5 verwässern
Harter Tobak fĂĽr bisherige GameStop-Anleger: Zur Finanzierung der angedachten eBay-Ăśbernahme will die Firma 1,5 Milliarden Aktien schaffen.
(Bild: TierneyMJ / Shutterstock.com)
Die Handelskette GameStop lässt nach einer Woche die Katze aus dem Sack: Die geplante eBay-Übernahme geht tatsächlich mit einer extremen Verwässerung der GameStop-Aktie einher. Das Unternehmen will die maximale Anzahl autorisierter Aktien laut Mitteilung an die US-Börsenaufsicht von einer Milliarde auf 2,5 Milliarden anheben. Dazu benötigt die Firma eine mehrheitliche Zustimmung der Anleger, die GameStop auf der Jahreshauptversammlung am 12. Juni einholen will.
Die Verwässerung zeigt, wie unausbalanciert die angedachte Übernahme ist. Nach dem heutigen Absturz der eigenen Aktie ist GameStop keine zehn Milliarden US-Dollar mehr wert. eBay steht dagegen bei einer Marktkapitalisierung von knapp 48 Milliarden US-Dollar. Die Übernahme würde GameStop 56 Milliarden US-Dollar kosten, plus die Übernahme von rund 3,4 Milliarden US-Dollar Schulden.
Die Hälfte der Kosten will GameStop über ein Aktienpaket finanzieren: eBay-Anleger sollen GameStop-Aktien im Wert von 28 Milliarden US-Dollar erhalten. Diese Summe bezieht sich auf den Wert vor der Zusammenlegung beider Unternehmen, sollte der Deal durchgehen.
Hohe Risiken
Da eine zeitnahe Kursexplosion der GameStop-Aktie unrealistisch ist, will die Firma die Differenz durch neue Aktien wettmachen. Der Clou: Durch die Herausgabe an eBay-Anleger muss GameStop die neuen Aktien nicht an der Börse verkaufen, um die eigene Marktkapitalisierung aufzublähen.
Das Unterfangen funktioniert allerdings nur, wenn bisherige GameStop-Anleger nicht massenweise aus Angst vor der Verwässerung ihre Anteile verkaufen. Mit der Schaffung von bis zu 1,5 Milliarden neuer Aktien plus Herausgabe weiterer zuvor autorisierter Papiere sinkt immerhin der bisherige Anteil am Unternehmen. Nach der Übernahme würde das neue gemeinsame Unternehmen mehrheitlich den bisherigen eBay-Anlegern gehören, befände sich aber unter der Führung von GameStop.
Tatsächlich ausgegeben hat GameStop bisher knapp 449 Millionen Aktien. Fast 269 Millionen weitere Aktien sind unter anderem für einen „CEO Performance Award“ und als Kaufoption für frühere Anleger reserviert. Der Rest steht offen.
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Der CEO-Performance-Award steht derweil in der Kritik, weil er die eBay-Übernahme ursächlich antreiben könnte. Cohen bekommt keinerlei Vergütung außer von leistungsbasierten Aktienpaketen, die sich an der Marktkapitalisierung und den Geschäftsergebnissen messen.
Das komplette Paket umfasst Optionen auf knapp 172 Millionen Aktien zu einem Kaufpreis von je 20,66 US-Dollar. Die ersten zehn Prozent kann Cohen ausführen, wenn GameStop 20 Milliarden US-Dollar wert ist und EBITDA im Wert von zwei Milliarden US-Dollar aufsummiert. EBITDA steht für Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände). Die Aufsummierung kann über mehrere Quartale hinweg stattfinden.
Nach der ersten Tranche muss die Marktkapitalisierung zur AusfĂĽhrung in Schritten von 10 Milliarden US-Dollar steigen, das EBITDA-Ergebnis in Schritten von einer Milliarde US-Dollar.
Mit der eBay-Übernahme würde Cohen die Marktkapitalisierung auf einen Schlag auf mehr als 50 Milliarden US-Dollar hochkatapultieren. eBay gibt keine EBITDA-Ergebnisse an; der Gewinn vor Steuern ging zuletzt aber Richtung einer Milliarde US-Dollar. Nach nicht einmal zwei Jahren hätte Cohen folglich schon die Hälfte seiner Performance-Ziele erreicht. Für ihn winken potenzielle Milliardengewinne.
(mma)