Die Ära der Akkus, Teil 2
Für Elektroautos war das Erdbeben in Japan eine Art Werbecoup. Während Benziner wegen Spritmangels nicht fuhren, surrten die Stromer munter durch die Trümmer. Akkus verringern die Gefährdung unser Stromzivilisation durch Naturkatastrophen.
- Martin Kölling
Für Elektroautos war das Erdbeben in Japan eine Art Werbecoup. Während Benziner wegen Spritmangel nicht fuhren, surrten die Stromer munter durch die Trümmer. Akkus verringern die Gefährdung unser Stromzivilisation durch Naturkatastrophen.
Das Bild war eindrucksvoll: In der Trümmerwüste, die der Tsunami im März hinterlassen, steht im Hintergrund ein Schiff auf einem Hausdach – und im Vordergrund ein rot-weiß lackiertes Elektroauto von Mitsubishi Motors, der "i MiEV". "Desasterhilfe" hatte Mitsubishi darauf geklebt und damit einen ungeheuren Werbecoup gelandet. Selbst die "New York Times" griff das Thema auf: Während die Benziner wegen Spritmangel zu Immobilien wurden, surrten Stromer munter durch die Landschaft. Sie konnten sogar den Anwohnern in Regionen ohne Strom etwas Strom spenden für Reiskocher oder Waschmaschinen, so eine Grafik. Denn das Auto wirkte als mobiler Akku.
Das Erdbeben hat damit auch dem letzten Japaner gezeigt, dass wir wirklich in ein neues Zeitalter eintreten, in die Ära der Akkus. Selbst in den Technikkaufhäusern spiegelt sich dieser Trend wieder. Reichweitenverlängerungsakkus für Mobiltelefone waren besonders in den ersten Tagen nach dem Beben ein Renner. Auch ich habe mir damals zwei gekauft, um selbst bei Stromausfall länger mein Handy als Schreibmaschine benutzen zu können. Doch inzwischen gibt es immer mehr richtige Notspeicher für den Hausgebrauch. Sogar Sony will einen Akku auf den Markt bringen, der genug Strom für 2,5 Stunden Flachfernsehen speichern kann.
Besonders in Krankenhäusern dürften portable Akkus ein Renner werden, weil in der Katastrophe Patienten in den Intensivstationen gestorben sind. Der plötzliche Stromausfall gekoppelt mit einem Versagen von Notstromaggregaten ließ manchmal lebensrettenden Maschinen den Saft ausgehen. Auch im Kommen sind natürlich stationäre häusliche Akkus zur Zwischenspeicherung von Sonnen- oder Windstrom. Renaults Partner Nissan und das Handelshaus Sumitomo haben bereits das Unternehmen 4R Energy gegründet, das ausgelutschte Hybrid- oder Elektroautoakkus zu größeren Speichereinheiten zusammenfügen soll.
Eines der größten Wachstumsgebiete sind allerdings Akkus für Konsumelektronik. Ihr Markt soll vor allem dank einer rasanten Aufholjagd in den Schwellenländern Asiens nach einer Studie bis 2017 auf 55 Mrd. Dollar wachsen. Ein japanischer Elektronikkonzern hat gerade zwei neue Systeme dazu auf den Markt gebracht. Da ist zum einen das schnurlose Aufladesystem, bei dem man den Akku oder die in eine Kartusche gesteckten wiederaufladbaren Batterien zum Auftanken nur auf ein Ladebrett legen muss.
Eine vollständige Mobilitätslösung für überall gibt es aber auch. "Itsumo" ("überall") heißt die Produktserie mit integrierten Akkus, und sie besteht aus:
...einer Solarzelle mit integriertem LED-Licht, dessen interner Akku auch zum Aufladen von Handys verwendet werden kann, trägt,
...einer kleinen LED-Standlampe für die Wohnung mit integriertem Handgriff. Sie kann gleichzeitig als Leselampe und Taschenlampe dienen,
...einer Laterne für draußen, die sich auch stapeln lassen kann...
... und einem drei Kilogramm schwerer transportabler Akku, der einen 5V-Gleichstrom-USB-Ausgang und eine 100V-Wechselstrom-Steckdose hat (das japanische Netz arbeitet mit 100V-Spannung). Bei 5VA soll der Akku 20 Stunden Strom liefern, bei 100VA 1 Stunde.
Merke: Naturkatastrophen, die bislang als der Schrecken der Stromzivilisation galten, verlieren durch die dezentralen Kleinkraftwerke und Akkus ein wenig an Angstpotenzial. Ich denke, angesichts der Gefahr von möglichen erdbeben- und vulkanausbruchbedingten Stromausfällen werde ich mir zumindest die Solarzellenlampe zulegen. Dann fühle ich mich wenigstens ein wenig sicherer. (bsc)