Rauschen lässt auf Anrufherkunft schließen

Ein US-Start-up will über charakteristische Störsignale in Telefonnetzen Betrüger überführen. Dabei soll sogar die Ausgangsregion eines Anrufs abgeschätzt werden können.

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Wer mit Akzent spricht, kann nur schwer seine Herkunft verbergen. Nun haben Sicherheitsforscher auch "Akzente" von Telefonverbindungen identifiziert: Jede hat ein eigenes, fast unverwechselbares Audiomuster. Und das könnte helfen, Betrüger zu überführen, die etwa mit gestohlenen Kreditkarten per Telefon shoppen wollen, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

"Wir können nicht nur feststellen, ob jemand aus dem Festnetz oder per Handy anruft, sondern auch, ob ein mobiler Anruf aus Atlanta in Wirklichkeit von einem Telefon in Nigeria gemacht wird", sagt Vijay Balasubramaniyan, CEO und Mitgründer des Start-ups Pindrop Security. Längst sei es ein Leichtes, Rufnummern zu fälschen und sich dann mit online abgegriffenen "Codewörtern" – etwa mittels Phishing-Angriffen – im Telefon-Banking auszuweisen.

Pindrop sei zwar ein noch junges Unternehmen, arbeite aber bereits mit mehrere Großbanken zusammen, sagt Balasubramaniyan. Die Firma analysiert für die Banken Anrufe von Kunden und kennzeichnet diejenigen, in denen sie einen Betrugsversuch vermutet. Eine weitere Version des Pindrop-Systems, die noch nicht veröffentlicht ist, berechnet sofort nach Eingang eines Anrufs einen "Risikofaktor". Das könnte auch dazu führen, dass Kunden weniger Sicherheitsabfragen beantworten müssen, wenn das Audiomuster der Verbindung als vertrauenswürdig erkannt wird.

In der Software des Start-ups sind verschiedene Arten von Leitungsrauschen gespeichert. Die älteren Netze in Westeuropa klängen deutlich anders als die in Afrika, sagt Mustaque Ahamad, Professor am Georgia Institute of Technology und Leitender Wissenschaftler von Pindrop. Da die Gespräche durch einen Flickenteppich von Telekommunikationssystemen geleitet werden, soll man aus deren Signaturen im Rauschen sogar die Ausgangsregion eines Anrufs abschätzen können.

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(bsc)