Kreative wenden sich gegen "Umsonstkultur" und Piratenpartei

In einer Zeitungsbeilage beteiligen sich 100 Protagonisten der Kreativbranche an der Diskussion über das Urheberrecht. Deutschlands wirtschaftliche und künstlerische Stärke sei vom Enteignungsprogramm der Piratenpartei bedroht, heißt es unter anderem.

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Unter der Überschrift "Mein K©pf gehört mir" wenden sich in der heutigen Ausgabe des Handelsblatts 100 Kreative gegen die "Umsonstkultur" im Internet sowie deren Protagonisten in Gestalt der Piratenpartei. Die Kreativen nehmen dabei Bezug auf die laufende Debatte über das Urheberrecht, an der sich unter anderem Tatort-Drehbuchautoren und der CCC beteiligten. In einem Begleitartikel unter dem Titel "Kreative, hört die Signale!" wird an Deutschland als das "Land der Dichter und Denker" erinnert, das nur dank der Ideen in der Weltwirtschaft vorne mitspiele. Erst die Anerkennung des Urheberrechts habe Künstler unabhängig gemacht und die Zeiten der Staatskünstler beendet. Deshalb sei der Schutz des geistigen Eigentums auch Freiheitspolitik.

Die Schriftstellerin Julia Franck beispielsweise meint, "ohne die Wertschätzung geistiger Schöpfungskraft, deren Förderung und Schutz hätten sich die europäischen Kulturen nicht so entwickeln können". Die Schauspielerin Franka Potente fügt hinzu, "auch im Youtube-Zeitalter gilt: Ohne Urheberrechte gibt es in Film und Fernsehen keine Qualität". Deshalb seien sie unverzichtbar. Immer wieder wird darauf verwiesen, dass eine Aufhebung des Schutzes von geistigem Eigentum das Ende für die Weiterentwicklung von Ideen sei. Das Denken würde dann nivelliert, formuliert der Autor Anselm Grün.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast, meint, "der Status Quo des Urheberrechts ist ein einziges Ärgernis". Es schaffe keinen Interessensausgleich und lasse alle unzufrieden zurück. Eine Reform sei deshalb lange überfällig. Martin C. Wittig, der Chef von Roland Berger, erkennt an, dass Open-Source-Programme sehr erfolgreich sein können. Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger erklärt, "fertige Antworten gibt es angesichts der Dynamik nicht". Nur eines sei klar: "Es liegt auch an der Wirtschaft, Geschäftsmodelle für morgen zu entwickeln, die von vorneherein Piraterie verhindern."

Wahlkampf der Piraten

(Bild: Piratenpartei Deutschland)

Eine Gesellschaft, die ihre Kreativen vernachlässige, beraube sich ihrer Zukunft, argumentiert das Handelsblatt in dem Begleitartikel. Unterschieden werden sollte zwischen dem Bedürfnis, kreativ zu sein und der professionellen Produktion von Kunst und Kultur. Für Spitzenleistungen brauche es Freiraum und Kapital. Die Alternative sei eine Wissensgesellschaft, geformt aus Amateuren. Weiterhin wird in dem Artikel darauf verwiesen, dass jeder Software-Programmierer einen Aufstand machen würde, wenn jemand seine Idee klaue. (mho)