Stromabwärts und zurück

In seinem Heimatdorf Smiljan, 200 km südlich von Zagreb, hat man Nikola Tesla ein sehenswertes Museum errichtet. Dorthin wollte ich, denn ich glaubte, das passende Auto dafür gefunden zu haben: einen Tesla S, das beste, teuerste, weitestreichende und stärkste Serien-Elektroauto der Welt

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Tesla
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Wien, 3. Dezember 2014 – Nikola Tesla war als Gegenspieler von Thomas Alva Edison einer der berühmtesten Männer seiner Zeit, ein maßgeblicher Erfinder, auf dessen Ideen ein Großteil unseres heutigen Elektroverständnisses aufbaut. Allerdings verbindet man ihn eher mit elektro-spiritistischen Séancen, mit meterweit prasselnden Funkenbündeln, alles ein wenig unseriös – woran er mit überspannten Theorien zu Transzendentialismus, zum Weltenergie-System und von ihm behaupteten Kontakt zu Außerirdischen selber mitwirkte.

Dennoch tut man dem mit zwölf Ehrendoktorwürden Ausgezeichneten gewiss unrecht, wenn man ihn ausschließlich den Parawissenschaftlern überlässt. Schließlich hat er die Durchsetzung des Mehrphasen-Wechselstroms betrieben, damit die Überlandleitungen ermöglicht und den Elektromotor, wie wir ihn heute kennen, entwickelt – Edison war Gleichstrom-Proponent und entwickelte den Elektrischen Stuhl, um auf abschreckende Weise zu demonstrieren, wie gefährlich dieser Wechselstrom sei. Unter Teslas zahllosen Patenten befanden sich auch ausreichend viele, um seit 1943 offiziell zu bestätigen, dass nicht Marconi, sondern Tesla das Radio erfunden hat. Im selben Jahr starb Nikola Tesla nach einer beispiellosen Weltkarriere in New York als einsamer taubenfütternder Greis mit 86 Jahren.

Stromabwärts und zurück (11 Bilder)

Als wir den Tesla spaßeshalber vor Flüssigzapfsäulen fotografierten, ahnten wir noch nichts von den Erkenntnissen aus den Wechselbädern der Hoffnung, in die uns der Elektroantrieb stürzte.

(Bild: David Staretz (alle))

In seinem Heimatdorf Smiljan, 200 km südlich von Zagreb, wurde ihm mit Aufwand und Gefühl ein sehenswertes Museum errichtet. Dorthin wollte ich, denn ich glaubte, das passende Auto dafür gefunden zu haben: einen Tesla Model S, das beste, teuerste, weitestreichende und stärkste Serien-Elektroauto der Welt. Das 85-Kilowattstunden-Topmodell ist über 90.000 Euro teuer, zweikommazwei Tonnen schwer samt Fahrer, hat einen Kofferraum vorne, einen hinten, darin noch zwei ausklappbare Kindersitze, produziert 306 kW (416 PS), ist glaubwürdige 214 km/h schnell. Das allerdings hat mich nie gereizt auszuprobieren.

Denn sobald man in ein E-Auto eingestiegen ist, dreht sich alles nur noch um Reichweite. Misstrauisch beäugt man die Klimaanlage, ärgert sich, wenn man versehentlich an den Scheibenwischerhebel angekommen ist und geizt mit dem Fahrlicht. Statt die elektrischen Fenster runterzulassen, öffne ich lieber die Türe, und dass sich der Heckdeckel elektrisch hebt, senkt und in die Verrieglung schraubt, ist mir auch nicht geheuer. Lieber stelle ich Reisetaschen vor die Rücksitze – dort werden sie auch nicht so haltlos herumgepfeffert wie im riesigen Kofferraum.